Die LEAG baut in Jänschwalde und Boxberg sechs neue Gaskraftwerksblöcke. Bei der ersten Ausschreibung der Bundesnetzagentur erhielt das Cottbuser Unternehmen Zuschläge für vier Blöcke in Jänschwalde, zwei in Boxberg und ein Kraftwerk im bayerischen Leipheim. Investieren will die LEAG dafür bis zu zwei Milliarden Euro.
Sieben neue Kraftwerksblöcke mit 3.680 Megawatt
Insgesamt erhielt die LEAG Zuschläge für sieben neue Gaskraftwerksblöcke mit zusammen 3.680 Megawatt Leistung, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. In Jänschwalde sollen vier Blöcke mit jeweils 560 Megawatt entstehen, in Boxberg zwei weitere. In Leipheim, wo die LEAG seit 2023 ein Gasturbinenkraftwerk zur Stabilisierung des Stromnetzes betreibt, kommt direkt daneben ein neues Kraftwerk mit 320 Megawatt hinzu.
Alle Anlagen sollen später auch mit Wasserstoff betrieben werden können und müssen spätestens Ende 2031 in Betrieb gehen. Die LEAG investiert nach eigenen Angaben insgesamt 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Die neuen Gaskraftwerke sollen vor allem dann Strom liefern, wenn Wind und Sonne nicht ausreichen, und die GigawattFactory des Unternehmens aus erneuerbaren Energien und Batteriespeichern ergänzen.
Neue Blöcke nutzen vorhandene Kraftwerkstechnik
In der Lausitz setzt die LEAG auf ihr sogenanntes FuelSwitch-Konzept. Die neuen Blöcke sollen unter Nutzung der vorhandenen Kraftwerksinfrastruktur entstehen. Neben den Netzanschlüssen können laut LEAG auch einzelne Gebäude und technische Komponenten einbezogen werden. Das spare Material und Kosten und verkürze die Bauzeit. Diese Vorteile spiegelten sich auch in den Zuschlagswerten wider, die deutlich unter dem Höchstwert der Ausschreibung lägen.
LEAG-Chef spricht von einem großen Erfolg
„Zuschläge für sieben neue Kraftwerksblöcke in einer Ausschreibungsrunde sind ein großer Erfolg“, erklärte LEAG-Chef Adi Roesch. Die Projekte in Jänschwalde und Boxberg stünden für die intelligente Nutzung vorhandener Stärken und Kompetenzen. „Die Lausitz hat nicht nur eine große Vergangenheit als Energieregion. Sie hat vor allem eine starke Zukunft“, so Roesch. Konzernbetriebsratsvorsitzende Silke Rudolf ergänzte: „Der Bau und Betrieb neuer Kraftwerke in der Energieregion Lausitz sichert qualifizierte Jobs über den Kohleausstieg hinaus.“
Fast 60 Prozent der Leistung gehen an die LEAG
Die Bundesnetzagentur hatte am Dienstag die Ergebnisse der ersten Ausschreibung nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) veröffentlicht. Von 41 Geboten erhielten elf einen Zuschlag, zusammen rund 5.160 Megawatt in der sogenannten reduzierten Leistung, nach der die Behörde rechnet. Ausgeschrieben waren 4.500. Auf die sieben LEAG-Blöcke entfallen 2.998 davon, also fast 60 Prozent. Die übrigen Zuschläge gingen an RWE Generation mit drei Projekten in Nordrhein-Westfalen und an die Stadtwerke Karlsruhe. Im Schnitt liegt der Zuschlagswert laut der Veröffentlichung der Bundesnetzagentur bei 155.296 Euro je Megawatt und Jahr.
Schwarze Pumpe und Lippendorf diesmal nicht dabei
Für Schwarze Pumpe, wo die LEAG ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk geplant hatte und Beschäftigte im Mai am Baufeld gegen den Südbonus protestierten, und für Lippendorf gab es in dieser Runde keinen Zuschlag. Beide Standorte könnten aber in einer zweiten Ausschreibungsrunde noch zum Zug kommen. Deren Bekanntmachung plant die Bundesnetzagentur für den 10. November.
Lausitz hatte lange um faire Chancen gekämpft
Der Entscheidung ging ein langer Streit voraus. Im Juni 2025 hatten mehr als 2.000 LEAG-Beschäftigte in Cottbus gegen den Südbonus protestiert, der neue Gaskraftwerke vor allem im Süden Deutschlands bevorzugen sollte. Im Sommer 2026 wurde der Bonus für ein Drittel der Kapazität ausgesetzt, was die Lausitzrunde als Erfolg wertete. Im September bewarb sich die LEAG dann mit Projekten für alle ihre Standorte (wir berichteten).
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Sachsens Wirtschafts- und Energieminister Dirk Panter begrüßte die Zuschläge. „Das Ende der Braunkohle bedeutet also nicht das Ende des Kraftwerksbetriebs“, erklärte er. Durch die Weiternutzung bestehender Infrastruktur am Standort Boxberg würden die Kosten für einen kompletten Kraftwerksneubau vermieden. Die neuen Anlagen könnten zudem als verlässliche Abnehmer für Wasserstoff den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Sachsen unterstützen.
Brandenburg spricht von grandiosen Nachrichten
Auch das Brandenburger Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa (MWEKE) begrüßte die Zuschläge. Auf LinkedIn sprach es von grandiosen Nachrichten für Brandenburg und die gesamte Lausitz. Die Blöcke in Jänschwalde und Boxberg sicherten Arbeitsplätze, erhielten wertvolle Kompetenzen in der Region und eröffneten dem Energiestandort neue Perspektiven.
Entscheidend sei auch gewesen, dass der Südbonus im parlamentarischen Verfahren im Bundestag noch im Sinne Brandenburgs geändert werden konnte. Damit würden Kraftwerksstandorte im Süden bei der Vergabe nicht zu Lasten Ostdeutschlands begünstigt. „Stattdessen zählen jetzt die tatsächlichen Voraussetzungen und Potenziale der Standorte“, heißt es in dem Beitrag.
Brandenburger CDU sieht sichere Jobs für die Lausitz
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg, Steeven Bretz, sprach von sehr guten Nachrichten für die Lausitz und den Energiestandort Brandenburg. „Dass die LEAG in der ersten Ausschreibungsrunde den größten Anteil aller Zuschläge erhält und Jänschwalde mit vier Blöcken zum Zuge kommt, schafft konkrete Perspektiven für einen Standort, der seit Jahrzehnten für sichere Energieversorgung und industrielle Wertschöpfung steht“, erklärte er. Für die Lausitz bedeute das sichere Jobs und Investitionen.
Auch die Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordneten begrüßten die Entscheidung. Der Lausitzer Abgeordnete Knut Abraham sagte: „Gerade für Jänschwalde eröffnet sich damit die Chance, bestehende Kraftwerksstrukturen weiter zu nutzen, industrielle Wertschöpfung zu sichern und Arbeitsplätze in der Region zu erhalten.“
Der Brandenburger Europaabgeordnete Christian Ehler (CDU) sieht sich ebenfalls bestätigt. Er habe lange mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in Brüssel für die EU-Beihilfegenehmigung gekämpft, erklärte er. „Die Energiewende wird in Ostdeutschland gemacht, der Widerstand gegen den Südbonus hat sich gelohnt“, so Ehler. Von den Investitionen würden auch die polnischen und tschechischen Nachbarn profitieren, weil sie das Stromnetz in diesen Ländern entlasten.
Unternehmensverbände fordern schnelle Genehmigungen
Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) werten den Zuschlag als wichtiges Signal für die Lausitz und die Zukunft von Jänschwalde. „Er eröffnet eine neue Perspektive für den Energiestandort und seine Beschäftigten“, erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Sven Weickert. Zugleich komme der Aufbau gesicherter Kraftwerksleistung voran, die Unternehmen bei Stromengpässen dringend bräuchten.
Entscheidend sei nun, dass aus den Zuschlägen zügig betriebsbereite Anlagen werden. Dafür brauche es schnelle Genehmigungen und verlässliche Investitionsbedingungen. „Über das Abschalten weiterer Kohle-Kapazitäten kann erst entschieden werden, wenn ausreichend Ersatzleistung verfügbar und die Stabilität des Stromsystems gewährleistet ist“, so Weickert.
Umweltverbände kritisieren Milliarden für Gas
Kritik kam von Greenpeace. Die Bundesregierung kette das Land weiter an fossiles Gas und gebe über 15 Jahre jährlich 800 Millionen Euro für Gaskraftwerke aus, die sich ohne diese Garantien nicht rechnen würden, erklärte Energieexpertin Noemi Mundhaas. Batteriespeicher seien in der ersten Ausschreibung faktisch ausgeschlossen worden.
Julius Neu, Leiter Energie- und Klimapolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), bemängelte auf LinkedIn, dass mehrere Zuschläge an LEAG-Projekte gingen, die alte Braunkohlekraftwerke auf Gas umrüsten wollen. Solche Anlagen seien unflexibler und weniger effizient als neue Gaskraftwerke. Die Kosten für alle Zuschläge beziffert er über 15 Jahre auf rund 12 Milliarden Euro, die Haushalte über eine Umlage auf den Strompreis tragen müssten.
Fachjournalist erwartet Debatte um Marktmacht
Andreas Baumer, Chefredakteur digital der Energie-Fachzeitung ZfK, verwies auf LinkedIn darauf, dass sich neben RWE und LEAG nur die Stadtwerke Karlsruhe einen Zuschlag sichern konnten. Bundeskartellamt und der Verband kommunaler Unternehmen hatten im Gesetzgebungsverfahren eine Obergrenze für Zuschläge gefordert, auch mit Blick auf die beiden großen Konzerne. Er sei gespannt, ob die Debatte über Marktmacht nun neuen Schwung bekomme.
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Red. / Presseinformation





















