In Brandenburg arbeiten mehr qualifizierte Beschäftigte als vor zehn Jahren, obwohl die Zahl deutscher Fachkräfte leicht gesunken ist. Das Plus geht laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) allein auf ausländische Fachkräfte zurück. Zahlen des Statistikamts zeigen zudem, wie eng das Land mit Berlin verflochten ist.
Brandenburg mit Zuwachs trotz weniger deutscher Fachkräfte
Das IW in Köln hat für seinen Kurzbericht 59/2026 die Zahl qualifizierter sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in den ostdeutschen Flächenländern ohne Berlin ausgewertet. Grundlage sind Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit, verglichen werden Jahresdurchschnitte von Juli bis Juni. Für Brandenburg nennen die Autoren Fabian Semsarha, Gero Kunath und Lydia Malin einen Rückgang um 800 deutsche Fachkräfte. Zugleich kamen 49.933 ausländische Fachkräfte hinzu. Sie glichen den Rückgang nach Angaben des IW nicht nur aus, sondern sorgten für Beschäftigungswachstum. Rechnerisch ergibt sich ein Plus von gut 49.100 qualifizierten Beschäftigten.
Ähnlich verlief die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern. Dort sank die Zahl deutscher Fachkräfte um 12.741, während 18.223 ausländische Fachkräfte hinzukamen. Sachsen verzeichnete als einziges ostdeutsches Flächenland auch bei Deutschen ein Plus (3.661), dazu kamen 67.317 ausländische Fachkräfte. In Sachsen-Anhalt und Thüringen schrumpfte die Zahl der qualifizierten Beschäftigten trotz Zuwanderung um 6.448 beziehungsweise 12.207.
Der Osten wächst bei Fachkräften langsamer als der Westen
Insgesamt lag die Zahl qualifizierter Beschäftigter in den ostdeutschen Flächenländern im Jahresdurchschnitt 2024/2025 nur 3,0 Prozent über dem Wert von 2014/2015. In Westdeutschland betrug das Plus 14,6 Prozent. Seit 2019/2020 ist die Beschäftigung im Osten um 1,1 Prozent gesunken. Ohne Zuwanderung aus EU- und Drittstaaten läge sie laut IW um rund 191.000 qualifizierte Arbeitskräfte oder 5,3 Prozent niedriger. Knapp 160.000 internationale Fachkräfte arbeiten demnach in Engpassberufen, etwa als Berufskraftfahrer und Ärzte, in der Pflege, der Kraftfahrzeugtechnik, als Köche und im Gastroservice.
Den Rückgang bei den Deutschen führt das IW vor allem auf das demografisch bedingte Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt zurück, weil immer mehr deutsche Babyboomer in Rente gehen. Seit 2023 verzeichnen die ostdeutschen Flächenländer zudem wieder einen negativen Wanderungssaldo gegenüber Westdeutschland. Der Beitrag von Zugewanderten dürfte nach Einschätzung der Autoren größer sein, als die Statistik zeigt, weil Eingebürgerte als Deutsche gezählt werden. Bundesweit wurden 2025 rund 332.500 Menschen eingebürgert. Um Zuzug und Verbleib zu fördern, schlägt das IW unter anderem eine Work-and-Stay-Agentur vor, die bürokratische Hürden senken soll.
Jeder achte Beschäftigte in Brandenburg ohne deutschen Pass
Einen aktuelleren Blick auf alle Beschäftigten, unabhängig von ihrer Qualifikation, erlaubt der Statistische Bericht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS). Am 30. Juni 2025 hatten 883.830 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ihren Arbeitsplatz in Brandenburg, 2.189 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der ausländischen Beschäftigten stieg in dieser Zeit um 9.245 auf 112.927. Das entspricht 12,8 Prozent aller Beschäftigten. Die Zahl der deutschen Beschäftigten ging rechnerisch um 7.056 auf 770.903 zurück.
Größte Gruppe unter den ausländischen Beschäftigten sind Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit (42.154), gefolgt von Ukrainern (7.543) und Rumänen (7.009). Aus asiatischen Staaten kommen zusammen 22.748 Beschäftigte, aus afrikanischen Staaten 5.189.
Elbe-Elster mit dem geringsten Ausländeranteil im Land
In Südbrandenburg unterscheiden sich die Anteile deutlich. In Oder-Spree hatten 13.876 von 67.871 Beschäftigten keinen deutschen Pass, das sind 20,4 Prozent und nach Teltow-Fläming (20,9 Prozent) der zweithöchste Wert im Land. Dahme-Spreewald kam auf 16,1 Prozent (10.864 Beschäftigte), Spree-Neiße auf 10,8 Prozent (3.679), Cottbus auf 9,7 Prozent (4.712) und Oberspreewald-Lausitz auf 8,0 Prozent (3.043). Elbe-Elster hatte mit 4,5 Prozent (1.468) den niedrigsten Anteil aller 18 Landkreise und kreisfreien Städte. Die Kreiswerte beziehen sich auf den Arbeitsort.
VollzeitPflegefachkraft (m/w/d)Ambulantis Cottbus · CottbusZur Stelle →Alle 281 Stellen in Südbrandenburg →Berlin bleibt Brandenburgs wichtigster Wanderungspartner
Ob die Nähe zu Berlin die IW-Werte für Brandenburg beeinflusst, geht aus dem Kurzbericht nicht hervor. Das IW betrachtet das Land Brandenburg als Ganzes, also einschließlich des Berliner Umlands, und äußert sich zu Berlin nicht. Auch ob die Beschäftigten nach Wohn- oder Arbeitsort gezählt werden, nennt der Bericht nicht.
Belegt ist, dass Brandenburg seit Jahren mehr Menschen aus Berlin gewinnt, als es an die Hauptstadt verliert. Nach Angaben des AfS lag der Wanderungssaldo mit Berlin 2023 bei plus 16.750 Personen, 2024 bei plus 15.413 (AfS-Pressemitteilung 107/2025) und 2025 bei plus 12.452 (AfS-Pressemitteilung 90/2026). 2025 kamen per Saldo 3.922 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und 6.593 Menschen zwischen 30 und 50 Jahren aus Berlin. Bei den 18- bis unter 30-Jährigen verlor Brandenburg dagegen 1.506 Menschen an Berlin, 2024 waren es 612. Insgesamt gewann das Land 2025 durch Wanderung 16.625 Einwohner, aus dem Ausland kamen per Saldo 7.579. Cottbus gab an Berlin per Saldo 29 Menschen ab. Mehr dazu steht in unserem Beitrag Wanderungen in Brandenburg 2025 kosten die Lausitz Einwohner.
Knapp drei Viertel der Auspendler arbeiten in Berlin
Auch auf dem Arbeitsmarkt sind beide Länder eng verbunden. Laut AfS-Bericht arbeiteten am 30. Juni 2025 insgesamt 241.727 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnort in Brandenburg in Berlin. Umgekehrt pendelten 100.994 Beschäftigte aus Berlin zur Arbeit nach Brandenburg. Von den 323.358 Auspendlern in andere Bundesländer arbeiten damit knapp drei Viertel in Berlin. Bezogen auf alle rund 1,02 Millionen Beschäftigten mit Wohnort in Brandenburg arbeitet knapp ein Drittel außerhalb des Landes.
In Dahme-Spreewald arbeiten 30.194 der 74.793 Beschäftigten mit Wohnort im Kreis in einem anderen Bundesland, gut 40 Prozent. In Cottbus (4.843 von 38.014), Spree-Neiße (5.504 von 42.275), Oberspreewald-Lausitz (7.741 von 41.889) und Elbe-Elster (7.683 von 38.251) liegt der Anteil zwischen knapp 13 und gut 20 Prozent. Wie viele davon nach Berlin pendeln, weist der Bericht für die Kreise nicht aus.
Mehr als jeder vierte Beschäftigte ist 55 Jahre oder älter
Zur vom IW beschriebenen Alterung liefert der AfS-Bericht ebenfalls Zahlen. Von den 883.830 Beschäftigten mit Arbeitsort in Brandenburg waren am 30. Juni 2025 insgesamt 231.753 mindestens 55 Jahre alt, das sind 26,2 Prozent. 119.276 Beschäftigte oder 13,5 Prozent waren 60 Jahre und älter. Jünger als 25 Jahre waren 79.665 Beschäftigte, das entspricht 9,0 Prozent.
Dass Zuwanderung auch bei der Ausbildung eine Rolle spielt, hatte NIEDERLAUSITZ aktuell im September berichtet: Mehr Auszubildende in Brandenburg dank Zuwanderung.
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Red. / Presseinformation













