Für Deutschlands größte Agri-PV-Anlage am BER bekommt die Gemeinde Schönefeld nach eigenen Angaben jährlich eine Abgabe von 2.000 Euro je Megawatt. Bei rund 48 Megawatt Leistung sind das etwa 96.000 Euro im Jahr. Der Bürgermeister sieht das Projekt positiv – mit einer Einschränkung.
Der Solareuro bringt rund 96.000 Euro
In Brandenburg gibt es für Photovoltaik-Freiflächenanlagen eine Sonderabgabe, den sogenannten Solareuro. Betreiber müssen den anspruchsberechtigten Gemeinden jährlich 2.000 Euro je Megawatt zahlen. Das teilt die Gemeinde Schönefeld auf unsere Anfrage mit.
Die Agri-PV-Anlage in der Gemarkung Selchow leistet rund 48 Megawatt. Daraus ergeben sich rechnerisch etwa 96.000 Euro pro Jahr. Das Geld ist zweckgebunden: Es soll nach Angaben der Gemeinde vor allem der Akzeptanz erneuerbarer Energien vor Ort dienen, etwa durch eine Aufwertung des Ortsbildes.
Ausgelegt ist das Projekt auf 30 Jahre. Bliebe die Abgabe über diese ganze Zeit unverändert, kämen rund 2,88 Millionen Euro zusammen. Das ist eine Modellrechnung und keine Zusage: Über drei Jahrzehnte können sich sowohl die gesetzliche Abgabe als auch die Leistung der Anlage ändern.
Ob darüber hinaus Geld fließt, ist offen. Zu einer freiwilligen Beteiligung nach Paragraf 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes will sich die Gemeinde nicht äußern – dazu liefen derzeit Vertragsverhandlungen.
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Der Bürgermeister sieht auch Nachteile
Bürgermeister Christian Hentschel nennt das Vorhaben „eine gute und zukunftsweisende Lösung“. Schönefeld nehme damit eine Vorreiterrolle ein. Die Kombination aus Landwirtschaft und Photovoltaik habe mehrere Vorteile, unter anderem werde der Acker durch die Module vor Erosion und starker Sonneneinstrahlung geschützt.
Er benennt aber auch die Kehrseite. „Gleichzeitig bringt eine solche Anlage auch Einschränkungen mit sich, etwa die notwendige Einzäunung des Geländes“, sagt Hentschel. „Bei künftigen Projekten sollte deshalb möglichst darauf geachtet werden, Standorte zu wählen, an denen Menschen und Tiere möglichst wenig beeinträchtigt werden.“
Einen zweiten Wunsch formuliert er grundsätzlicher: „Brandenburg erzeugt bereits mehr Energie, als es selbst verbraucht. Wünschenswert wäre, dass dieser Strom künftig noch stärker auch bei den Menschen vor Ort ankommt.“
Fast zwei Jahre bis zum Bebauungsplan
Damit die Agri-PV-Anlage gebaut werden konnte, stellte die Gemeinde auf Antrag des Vorhabenträgers und des Grundstückseigentümers einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan nach Paragraf 12 Baugesetzbuch auf. Das Verfahren dauerte knapp zwei Jahre. Zusätzlich musste der Flächennutzungsplan geändert werden.
Entschieden hat das nicht die Verwaltung. Sowohl die Einleitung des Verfahrens als auch der Beschluss über den Bebauungsplan als Satzung sind ausschließlich Sache der Gemeindevertretung. Sie wurde über die Planungsstände fortlaufend informiert, in der Regel vor den beiden Phasen, in denen die Öffentlichkeit beteiligt wird.
Ein Konzept soll den weiteren Ausbau lenken
Die Agri-PV-Anlage in Selchow umfasst allein über 70 Hektar. Sie ist die erste Photovoltaikanlage im Gemeindegebiet, die über einen Bebauungsplan festgesetzt ist. Daneben gibt es bislang nur eine weitere Anlage, sie steht im Ortsteil Großziethen auf einer ehemaligen Deponie.
Dabei soll es nicht ungesteuert weitergehen: Die Verwaltung bereitet nach eigenen Angaben ein Photovoltaik-Freiflächenkonzept vor. Es soll den Ausbau herkömmlicher Freiflächenanlagen – also solcher ohne gleichzeitigen Ackerbau – auf geeignete Flächen lenken. Ziel sei es, Landwirtschaft und Bodenfunktionen zu schützen und die Akzeptanz der Anwohnenden zu wahren.
Die Anlage selbst ist am 8. September in Betrieb gegangen. Wie sie funktioniert, was darunter angebaut wird und wer daran beteiligt ist, haben wir ausführlich beschrieben.
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Red. / Presseinformation








