Im Landkreis Bautzen fahren seit dem 3. August spürbar weniger Busse. Der Grund liegt nicht im Verkehrsressort: Mit dem eingesparten Geld hält der Kreis die Geburtsstation in Kamenz am Leben – befristet bis Jahresende.
Ein Sonderkreistag am Sonntag
Am Sonntag, 31. Mai, kam der Kreistag Bautzen zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Beschlossen wurde ein Betriebskostenzuschuss von bis zu 500.000 Euro für die Geburtshilfe am St.-Johannes-Krankenhaus in Kamenz.
Das Ergebnis war deutlich: 43 der 48 anwesenden Kreisräte stimmten zu, fünf enthielten sich, Gegenstimmen gab es keine. Landrat Udo Witschas hatte die Vereinbarung am Tag zuvor mit der Klinikleitung ausgehandelt.
Die Station stand wegen steigender Kosten und sinkender Geburtenzahlen vor dem Aus. Das sächsische Sozialministerium hatte zuvor erklärt, die Versorgung im Landkreis sei über die Häuser in Bautzen und Hoyerswerda gesichert – eine Verpflichtung zum Erhalt des Kamenzer Standortes sah das Land nicht.
304 gestrichene Fahrten auf 36 Linien
Bezahlt wird der Zuschuss aus dem Nahverkehr. Der Landkreis spricht davon, rund ein Viertel des bisherigen Busangebots reduzieren zu müssen, und hat die Streichliste veröffentlicht.
Eine Auszählung unserer Redaktion ergibt: Betroffen sind 36 Linien mit zusammen 304 Fahrten, die vom 3. August bis zum 31. Dezember an Ferientagen und an Wochenenden entfallen.
| Linie | Strecke | Gestrichene Fahrten |
|---|---|---|
| 761 | Radeberg – Schönborn – Ottendorf-Okrilla | 22 |
| 23 | Kamenz Bahnhof – Bernbruch | 19 |
| 22 | Kamenz Krankenhaus – Bahnhof – Hennersdorf | 18 |
| 723 | Bautzen – Gaußig – Bischofswerda | 17 |
| 724 | Bautzen – Gaußig – Neukirch/Lausitz | 17 |
| 778 | Lauta – Laubusch – Tätzschwitz – Sabrodt | 16 |
Ausgerechnet die Linie zum Krankenhaus
Ein Detail fällt auf: Zu den am stärksten betroffenen Verbindungen gehört die Linie 22, die vom Kamenzer Krankenhaus über den Bahnhof nach Hennersdorf führt. Achtzehn ihrer Fahrten entfallen an Wochenenden und in den Ferien.
Wer die Klinik erreichen will, deren Erhalt die Streichungen finanzieren, hat an diesen Tagen also weniger Möglichkeiten, mit dem Bus dorthin zu kommen.
Was wegfällt – und was bleibt
Die Kürzungen treffen den Ferien- und Wochenendverkehr im gesamten Landkreis. In diesen Zeiträumen entfallen die Rufbus-Angebote vollständig, dazu kommen Einschränkungen im Nebennetz und bei den Stadtbuslinien.
Unberührt bleiben nach Angaben des Landkreises die Plus-Bus- und die Takt-Bus-Standardfahrten. Der Werktagsverkehr außerhalb der Ferien ist damit nicht betroffen – wohl aber jede Fahrt am Samstag, am Sonntag und in den Schulferien.
Ab 2027 ist alles offen
Die Regelung ist bis zum 31. Dezember 2026 befristet. Was danach kommt, steht nicht fest: weder die Zukunft der Geburtsstation noch die des gekürzten Busangebots.
Der Landkreis hat sich damit für ein halbes Jahr Zeit erkauft. Die Frage, wie sich eine Geburtsklinik und ein verlässlicher Nahverkehr im ländlichen Raum gleichzeitig finanzieren lassen, ist damit nicht beantwortet – nur verschoben.
© Symbolbild: pixabay
Newsletter
Die Lausitz am Abend – in zwei Minuten
Jeden Abend das Wichtigste aus der Region – und donnerstags die Veranstaltungstipps fürs Wochenende. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Weitere aktuelle Meldungen aus der Region
Heute in der Lausitz – Unser täglicher Newsüberblick
Mehr Infos und News aus der Lausitzer und Südbrandenburger Region sowie Videos und Social-Media-Content von heute findet ihr in unserer Tagesübersicht –>> Hier zur Übersicht
Red. / Presseinformation







