Betonplatten aus DDR-Bauten bekommen in Kolkwitz ein zweites Leben: Am Sportplatz entsteht daraus ein Vereinsgebäude, das europaweit Modellcharakter hat. Am Donnerstag, 20. August, wird um 15 Uhr Richtfest gefeiert.
Was auf dem Sportplatz entsteht
Auf dem Gelände in der Jahnstraße 5 wächst ein Mehrzweckbau für den Kolkwitzer SV 1896: ein weiteres Vereinsgebäude, eine Garage für die Vereinsbusse und ein Tickethaus. Das Besondere steckt im Material – die Wände bestehen aus Betonplatten, die zuvor Teil von DDR-Bauten waren.
Genutzt werden soll der Bau nicht nur vom Sportverein. Vorgesehen sind auch der Ortsbeirat sowie Bildungs-, Kultur- und Sportangebote.

Ein Verfahren aus der BTU wird erstmals angewendet
Entwickelt hat das Verfahren zur Verwertung der Platten die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg im europäischen Forschungsprojekt „Horizon 2020 – ReCreate“. In Kolkwitz wird es erstmals praktisch umgesetzt.
Hinter der Idee steht Professorin Angelika Mettke, die sich seit Jahren mit der Wiederverwendung von Bauteilen befasst und dafür bereits ausgezeichnet wurde. Statt Platten aus Abrissen zu zerkleinern und zu Schotter zu verarbeiten, werden sie geprüft, aufbereitet und als tragende Bauteile neu eingesetzt.
Der ReUse-Hub in Kolkwitz wird doppelt finanziert
Die Finanzierung teilt sich auf: Der Rohbau läuft über das europäische Forschungsprojekt, das Geld für Innenausbau und Ausstattung stammt aus dem Strukturstärkungsgesetz. Damit fließen Mittel des Lausitzer Strukturwandels in ein Vorhaben, das Bauen ressourcenschonender machen soll.

Wer zum Richtfest kommt
Zum Richtfest werden unter anderem Kolkwitz‘ Bürgermeister Karsten Schreiber, Professorin Angelika Mettke von der BTU, der Lausitzbeauftragte der Landesregierung Klaus Freytag sowie Peter Jähne vom Planungsbüro erwartet. Eingeladen haben die Gemeinde Kolkwitz und die BTU gemeinsam.
Warum das über Kolkwitz hinaus interessant ist
Bauschutt macht einen erheblichen Teil des deutschen Abfallaufkommens aus, und die Herstellung von Zement gehört zu den klimaschädlichsten Prozessen der Bauwirtschaft. Wer ganze Platten wiederverwendet statt sie zu zerkleinern, spart beides – Material und Emissionen.
Ob sich das Verfahren im großen Maßstab durchsetzt, hängt allerdings weniger an der Technik als an Genehmigungsfragen und der Frage, wer für die Statik gebrauchter Bauteile geradesteht. Der Bau in Kolkwitz soll auch dazu Erkenntnisse liefern.
© Fotos: Mathias Klinkmüller/Gemeinde Kolkwitz
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