Die Rekordhitze in der Lausitz Ende Juni 2026 ist mehr als ein heißer Tag: Nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes stellten sieben von acht Stationen der Region neue Allzeit-Rekorde auf. Schon vor dem Juli zählt die Region zehn Hitzetage – mehr gab es bis Monatsende nur ein einziges Mal seit 1888.
Rekordhitze in der Lausitz an sieben von acht Stationen
Der 27. Juni 2026 war nämlich nicht nur der heißeste 27. Juni der Messgeschichte, sondern an den meisten Stationen sogar der heißeste Tag überhaupt. So übertraf die Rekordhitze in der Lausitz an sieben von acht ausgewerteten Stationen den jeweils höchsten je gemessenen Wert. Die einzelnen Tageswerte und das vollständige Ranking haben wir zudem im Rückblick auf den Rekordtag dokumentiert.
| Station | 27.06.2026* | alter Rekord (Jahr) | neu? |
|---|---|---|---|
| Baruth/Mark | 40,7 °C | 38,7 °C (2022) | ja (+2,0) |
| Neißemünde-Coschen | 40,1 °C | 38,6 °C (2007) | ja (+1,5) |
| Lübben-Blumenfelde | 39,5 °C | 39,2 °C (1992) | ja (+0,3) |
| Cottbus | 39,3 °C | 39,2 °C (2022) | ja (+0,1) |
| Doberlug-Kirchhain | 39,3 °C | 38,5 °C (1992) | ja (+0,8) |
| Schönefeld (BER) | 39,3 °C | 38,4 °C (2019) | ja (+0,9) |
| Schipkau-Klettwitz | 39,1 °C | 38,7 °C (2022) | ja (+0,4) |
| Lindenberg | 38,4 °C | 38,5 °C (1959) | nein |
* Vorläufiges Tagesmaximum vom 27. Juni 2026 (Quelle: Deutscher Wetterdienst, 10-Minuten-Messwerte), noch nicht qualitätsgeprüft. Der amtliche Archivwert folgt in den kommenden Tagen.
Der Jahrhundertsommer 2003 war anders
Zum Vergleich dient oft der Hitzesommer 2003. Dieser war in der Lausitz jedoch ein Dauer-, kein Spitzenereignis. In Cottbus überschritt die Temperatur 2003 nämlich an nur einem einzigen Tag die 35-Grad-Marke, und der Höchstwert lag bei 35,5 Grad – also rund vier Grad unter dem Wert von 2026. Vielmehr prägte die ungewöhnlich lange, ununterbrochene Wärmeperiode diesen Sommer. Bei den reinen Tageshöchstwerten lag er regional sogar deutlich hinter Jahren wie 2018, 2019 oder 2022.
Die Hitze kam so früh wie kaum je zuvor
Auffällig ist vor allem der frühe Zeitpunkt. Normalerweise fallen die meisten Hitzetage nämlich in den Hochsommer: Über alle Jahre gerechnet entfallen rund zwei Drittel auf Juli und August, während der Juni nur knapp ein Fünftel beisteuert. Die folgende Tabelle zeigt deshalb, wann die Tage über 30 Grad an der Station Cottbus üblicherweise auftreten:
| Monat | Anteil aller Hitzetage (≥ 30 °C) |
|---|---|
| Mai | 5 % |
| Juni | 23 % |
| Juli | 38 % |
| August | 29 % |
| September | 6 % |
2026 bricht dieses Muster jedoch auf: Bereits bis zum 27. Juni – also vor dem statistischen Hochsommer – zählte Cottbus zehn Hitzetage. Im langjährigen Mittel sind es bis Monatsende dagegen nur knapp drei. Damit liegt 2026 beim mehr als Dreifachen des Normalwerts und außerdem auf Rang zwei seit 1888; nur 2019 war mit 15 Hitzetagen bis Ende Juni noch schneller. Die Rekordhitze in der Lausitz trifft die Region also nicht nur kräftig, sondern auch ungewöhnlich früh.
Diesen frühen Beginn bestätigt auch der Deutsche Wetterdienst. Nach seinen Angaben trat eine Hitzewarnperiode dieser Länge „noch nie so früh im Jahr“ auf: Vom 18. bis 29. Juni warnte er über zwölf Tage hinweg vor Hitze, und damit so lange wie kaum je seit dem Systemstart 2005. Für Berlin und Brandenburg erwartete er zudem eine extreme Wärmebelastung der Warnstufe 2, also eine gefühlte Temperatur über 38 Grad.
Auch die Nächte blieben tropisch warm
Nicht nur die Tage, auch die Nächte fielen außergewöhnlich warm aus. Der Deutsche Wetterdienst meldete für die Nacht zum 28. Juni in Kubschütz im Kreis Bautzen ein vorläufig rekordhohes Minimum von 29,4 Grad; dort sank die Temperatur also nie unter diesen Wert. In Südbrandenburg blieb es zwar nicht ganz so extrem, dennoch erlebte die gesamte Region eine Tropennacht. An allen acht Stationen lag das nächtliche Minimum nämlich bei 20 Grad oder darüber, sodass die Luft kaum abkühlte.
| Station | Tiefstwert Nacht 27./28.06. (°C)* |
|---|---|
| Lindenberg | 23,9 |
| Schönefeld (BER) | 23,6 |
| Baruth/Mark | 22,3 |
| Cottbus | 22,2 |
| Schipkau-Klettwitz | 21,4 |
| Doberlug-Kirchhain | 21,2 |
| Lübben-Blumenfelde | 20,4 |
| Neißemünde-Coschen | 20,1 |
* Vorläufige Tiefstwerte aus den DWD-10-Minuten-Messwerten (Nachtfenster 18 bis 8 Uhr), noch nicht qualitätsgeprüft.
Solche Tropennächte gelten als besonders belastend, denn der Körper findet nachts kaum Erholung von der Hitze. Als Tropennacht zählt dabei eine Nacht, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt.
Was der Sommer noch bringen kann
Ob aus dem frühen Start ein langer Hitzesommer wird, entscheidet sich erst in den kommenden Wochen, denn die statistisch heißesten Monate Juli und August liegen noch vor uns. Der Vergleich ist damit ein Tempo-Vergleich, keine Prognose für das Gesamtjahr. Erste Langfristmodelle deuten zwar nach einer kurzen Abkühlung auf eine mögliche zweite Hitzephase um den 7. Juli hin; angesichts der großen Vorlaufzeit ist das jedoch noch nicht gesichert. Belastbar wird die Vorhersage deshalb erst wenige Tage vorher.
Datengrundlage und Einordnung der Messwerte
Grundlage der Auswertung sind die offenen Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes (Climate Data Center, Tageswerte KL, Parameter Tagesmaximum der Lufttemperatur). Die Werte des 27. Juni 2026 stammen allerdings aus den 10-Minuten-Messwerten und gelten vorläufig, bis der DWD den geprüften Tageswert ins Archiv übernimmt. „Allzeit-Rekord“ und „seit Aufzeichnungsbeginn“ beziehen sich zudem auf den Start der jeweiligen Temperaturreihe. Insgesamt flossen ausschließlich tatsächlich gemessene Werte ein, fehlende Tage blieben außen vor.
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