Kühle Nächte bremsen Spreewälder Gurken aus
Auf den Gurkenfeldern im Spreewald ist der Blick inzwischen wieder frei. Vor kurzem lagen die jungen Pflanzen noch unter weithin sichtbarem weißen Vlies, das sie vor Kälte schützen sollte. Nun rollen die sogenannten Gurkenflieger wieder über die Felder. Wie der Spreewaldverein e.V. in einer Pressemitteilung erklärte, startet die Ernte nach den niedrigen Temperaturen der vergangenen Wochen nun wieder richtig.
Zum Auftakt der Gurkenernte hatte der Spreewaldverein e.V. zu einem Pressegespräch auf ein Gurkenfeld des Biohofs Schöneiche KG nahe Golßen eingeladen. Dort werden auf mehreren Feldern rund 80 Hektar Einlegegurken in Bio-Qualität angebaut. Heinz-Peter Frehn, der auf 45 Jahre Erfahrung im Gurkenanbau zurückblickt, und sein Sohn Christoph Frehn gaben dabei Einblicke in die aktuelle Lage auf den Feldern.
Gurkenflieger starten später in die Ernte
„Durch die kalten Nächte im Mai, mit Temperaturen unter 5° Celsius sind die Gurken kaum gewachsen. Dadurch haben wir rund eine Woche bis zehn Tage verloren, um in die Gurkenernte zu starten“, erklärte Heinz-Peter Frehn laut Mitteilung. Zugleich verwies er auf die vielen kurzen Niederschläge. Diese könnten die Verbreitung pilzlicher Schaderreger begünstigen. Wünschenswert sei aus seiner Sicht ein kräftiger Regen, danach wieder schönes Wetter.
Die grundsätzlich fehlenden Niederschlagsmengen machen den Gurken nach Angaben des Betriebs hingegen weniger Probleme. Die Pflanzen erhalten Wasser über Tröpfchenbewässerung. Direkt in der Pflanzenreihe liegt zudem eine biologisch abbaubare Schwarzfolie. Sie soll Unkrautwuchs unterdrücken und zugleich für etwas höhere Temperaturen sorgen, was der wärmeliebenden Gurke hilft.
Bio-Anbau bleibt bei Gurken arbeitsintensiv
Besonders im ökologischen Landbau bleibt der Anbau aufwändig. Unkraut muss mechanisch entfernt werden. Auch die Ernte der Gurken erfolgt händisch, denn die Kultur gilt als arbeitsintensiv. Dabei kommen die Gurkenflieger zum Einsatz, auf denen Erntekräfte liegend über die Pflanzenreihen fahren und die Gurken vom Feld pflücken.
Christoph Frehn machte beim Pressegespräch deutlich, dass Mindestlohn und gestiegene Produktionskosten die heimische Gurkenproduktion teurer machen als in anderen Ländern. Er forderte deshalb eine klare Deklaration der Herkunft von Rohstoffen auf Lebensmitteletiketten. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten nach seiner Darstellung erkennen können, aus welchem Land eingelegte Gurken im Supermarktregal stammen.
Heinz-Peter Frehn beschrieb die Kostenentwicklung als zentrale Herausforderung. „Unser größtes Problem sind die gestiegenen Kosten, die nicht so an den Handel weitergeben werden können, wie wir es bräuchten“, sagte er laut Spreewaldverein e.V. Damit rückt neben Wetter und Pflanzenwachstum auch die wirtschaftliche Lage der Anbaubetriebe in den Fokus.
450 Hektar Anbaufläche für Spreewälder Gurken
Nach Angaben des Spreewaldverein e.V. werden in diesem Jahr auf insgesamt etwa 450 Hektar Spreewälder Gurken angebaut. Rund 80 Hektar der Einlegegurken entfallen auf den Bio-Anbau. Hinzu kommen 67 Hektar Schälgurken, aus denen später Senf- oder Schmorgurken entstehen. Acht Betriebe bauen laut Mitteilung Spreewälder Gurken an. Im Verlauf der nächsten zwei bis drei Monate sollen sie etwa 27.000 Tonnen des bekannten Gemüses ernten. Frisch vom Feld gelangen die Einlege- und Schälgurken anschließend in sieben Verarbeitungsbetriebe. Dort veredeln die Unternehmen sie nach traditionellen Rezepturen weiter. Zu den genannten Anbaubetrieben gehören unter anderem Knösels Gemüse-Erzeugung in Kasel-Golzig, der Spreewaldhof Niewitz, der Gurkenhof Frehn, der Biohof Schöneiche, das Gemüsebaubetrieb „Spreewald“ in Lübbenau, die Agrargenossenschaft Unterspreewald, der Landwirtschaftsbetrieb Schreiber in Burg und die Spreewaldbauer Ricken KG in Vetschau.
EU-Siegel schützt Herkunft der Spreewälder Gurken
Die Spreewälder Gurke trägt den geografischen Herkunftsschutz der Europäischen Union. Erkennbar ist das am blaugelben g.g.A.-Siegel. Laut Spreewaldverein e.V. sind „Spreewälder Gurken“ seit März 1999 von der EU-Kommission als geschützte geografische Angabe anerkannt. Zur Brandenburger g.g.A.-Familie gehören nach Angaben des Spreewaldverein e.V. außerdem Spreewälder Meerrettich und Beelitzer Spargel sowie seit 2022 auch Peitzer Karpfen und Spreewälder Gurkensülze. Für die Region bleibt die Spreewälder Gurkenernte damit nicht nur ein landwirtschaftliches Thema, sondern auch ein wichtiger Bestandteil regionaler Wertschöpfung und Herkunftssicherung.
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Red. / Presseinformation
Bild: Christoph Frehn, Spreewaldverein e.V.




