Die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus zeigt ein gemischtes Bild für das Handwerk in der Lausitz: Während einige Bereiche stabil bleiben, verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage insgesamt spürbar. Wie die Kammer mitteilt, sank der Anteil zufriedener Betriebe seit Herbst 2025 deutlich, gleichzeitig nahm die Zahl negativer Bewertungen zu. Hauptgründe sind steigende Kosten, insbesondere bei Energie und Material, sowie eine schwache Nachfrage in Teilen der Wirtschaft. Auch Umsatz- und Auftragsentwicklung bleiben verhalten, während sich Lieferprobleme und Fachkräftemangel weiterhin auf die Betriebe auswirken. Zusätzlich verschärfen geopolitische Entwicklungen und steigende Kraftstoffpreise den Druck, weshalb die Handwerkskammer gezielte Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik fordert. Die am gestrigen Montag seitens der Bundesregierung kommunizierten Entlastungspläne, die unter anderem eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 17 Cent pro Liter vorsehen (->> wie berichtet), sieht die Handwerkskammer als völlig unzureichend an.
Konjunktur im Handwerk unter Druck durch Kosten und Nachfrage
Wie die Handwerkskammer Cottbus am heutigen Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz mitteilte, zeigt sich die wirtschaftliche Entwicklung im regionalen Handwerk differenziert. Während das Gesundheitshandwerk weiterhin von stabiler Nachfrage profitiert, geraten insbesondere Handwerke für den gewerblichen Bedarf zunehmend unter Druck. Grund dafür ist laut Kammer die anhaltende Schwäche der Industrie.
Auch im Kraftfahrzeuggewerbe zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Kaufzurückhaltung privater Haushalte dämpft den Fahrzeugabsatz deutlich, während das Werkstattgeschäft stabil bleibt. Besonders angespannt ist die Lage im Nahrungsmittelhandwerk, das gleichzeitig mit steigenden Kosten und wachsendem Preisdruck durch den Einzelhandel umgehen muss.
Geschäftslage und Umsätze entwickeln sich rückläufig
Die Geschäftslage im Handwerk hat sich laut Angaben der Kammer seit Herbst 2025 verschlechtert. Der Anteil zufriedener Betriebe sank von 76,4 Prozent auf 69,3 Prozent im Frühjahr 2026. Gleichzeitig bewerten nur noch 13,8 Prozent ihre Lage als gut. Der Anteil negativer Einschätzungen stieg deutlich auf 30,7 Prozent.
Als Hauptursachen nennt die Kammer gestiegene Kraftstoffpreise sowie drohende Materialengpässe. Diese Faktoren belasten die Liquidität vieler Betriebe, da Kostensteigerungen häufig nicht unmittelbar weitergegeben werden können.
Auch die Umsatzentwicklung zeigt eine abgeschwächte Dynamik. Nur noch 12,8 Prozent der Unternehmen berichten von steigenden Umsätzen. Gleichzeitig geben über die Hälfte der Betriebe eine stabile Entwicklung an, während rund ein Drittel Rückgänge verzeichnet.
Auftragslage und Reichweite im Blick
Die Auftragslage entwickelt sich ebenfalls leicht rückläufig. Der Anteil der Betriebe mit steigenden Aufträgen ist gesunken, während die Zahl der Unternehmen mit stabiler oder rückläufiger Entwicklung nahezu konstant bleibt. Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Auftragsreichweite auf 9,8 Wochen.
Dieser Anstieg ist laut Handwerkskammer jedoch nicht auf eine stärkere Nachfrage zurückzuführen. Vielmehr sorgen Lieferprobleme, fehlende Vorprodukte und Fachkräftemangel für Verzögerungen in der Umsetzung bestehender Aufträge.
Preisdruck und Fachkräftemangel bleiben zentrale Probleme
Die Preissituation hat sich weiter verschärft. Nur knapp ein Viertel der Betriebe konnte seine Preise erhöhen. Fast die Hälfte versucht, die Preise stabil zu halten. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen, die ihre Preise senken mussten.
Auch die Fachkräftesituation bleibt angespannt. Nur wenige Betriebe konnten zusätzliches Personal einstellen, während der Anteil der Unternehmen mit sinkender Beschäftigtenzahl weiter zunimmt. Gründe sind laut Kammer unter anderem altersbedingte Renteneintritte.
Geopolitische Risiken verschärfen die Lage
Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt, sind in den Umfrageergebnissen noch nicht vollständig abgebildet. Dennoch zeigen sich laut Handwerkskammer bereits erste Auswirkungen. Die Preise für Öl und Diesel sind deutlich gestiegen, was insbesondere fahrzeugabhängige Betriebe stark belastet.
Zudem verteuern sich erdölbasierte Materialien wie Kunststoffe und Kabel. Auch mögliche Engpässe bei Rohstoffen wie Aluminium könnten die Situation weiter verschärfen.
Forderungen an die Politik zur Entlastung des Handwerks
Corina Reifenstein, Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus, fordert ein schnelles Eingreifen der Politik. Dazu gehören unter anderem Preisgleitklauseln für öffentliche Aufträge sowie dauerhafte steuerliche Entlastungen bei Energie- und Kraftstoffkosten.
Reifenstein betont, dass kurzfristige Maßnahmen nicht ausreichen würden. Vielmehr brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, um Investitionen zu ermöglichen und die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe zu sichern. Ohne entsprechende Maßnahmen drohten Verzögerungen bei Bau- und Infrastrukturprojekten.
Insgesamt zeigt die Konjunkturumfrage laut Handwerkskammer ein stabiles, aber zunehmend angespanntes Bild. Während einige Kennzahlen im Jahresvergleich noch robust erscheinen, deuten aktuelle Entwicklungen auf eine Abschwächung hin. Steigende Kosten, strukturelle Probleme und geopolitische Risiken setzen das Handwerk weiter unter Druck.
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Red. / Presseinformation




