Am 22. März 2026 findet die Stichwahl zur Landratswahl im Landkreis Spree-Neiße statt. Hier treten die beiden Wahlgewinner aus dem ersten Wahlgang am 8. März, Christine Beyer (AfD) und Martin Heusler (CDU), gegeneinander an.
Aus diesem Anlass haben die Wirtschaftskammern Südbrandenburgs – die Handwerkskammer Cottbus und die Industrie- und Handelskammer Cottbus – die gemeinsam mehr als 50.000 Unternehmen im Kammerbezirk Südbrandenburg vertreten, beide Kandidaten zu einem Interview eingeladen.
Hier haben die kommissarische Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Cottbus, Sylke Radke, und der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, André Fritsche, gezielt Fragen von Handwerkerinnen und Handwerkern sowie Unternehmerinnen und Unternehmern zu wirtschaftlich relevanten Themen vertieft.
Die Themen des Talks setzen sich aus den Erwartungen der regionalen Wirtschaft zusammen:
1. Nachhaltige Nachwuchsgewinnung und starke berufliche Bildung
Um junge Menschen für die Region zu begeistern und langfristig zu binden, braucht es klare Entwicklungsperspektiven: moderne Ausbildungsangebote, duale Studiengänge, Weiterbildungsoptionen und zukunftsorientierte Arbeitsplätze. Der Ausbau moderner Ausbildungskapazitäten, die enge Verzahnung von Schule, Wirtschaft und Berufspraxis sowie attraktive Rahmenbedingungen für Auszubildende sind entscheidend, um den Nachwuchs für regionale Unternehmen zu qualifizieren. Gleichzeitig muss der Landkreis als lebenswerter Raum mit guter Infrastruktur und vielfältigen Zukunftschancen wahrgenommen werden.
Ein weiterer entscheidender Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks ist die Modernisierung der beruflichen Ausbildung, etwa durch den geplanten Zukunftscampus, dessen Umsetzung trotz angespannter Haushaltslage gesichert werden muss. Gleichzeitig ist während der Bauphase darauf zu achten, dass die Qualität der praxisorientierten Ausbildung, insbesondere in technischen Gewerken wie Metall-, Elektro- oder Kfz-Berufen, durch provisorische Lösungen nicht beeinträchtigt wird.
2. Stärkung der regionalen Wirtschaft
Eine starke regionale Wirtschaft ist das Herzstück eines stabilen und attraktiven Landkreises. Dazu gehören faire Wettbewerbsbedingungen, schnelle Genehmigungsverfahren, verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und eine aktive Unterstützung bestehender Unternehmen ebenso wie die Förderung von Innovationen und Neugründungen.
Der Landkreis Spree‑Neiße setzt hierfür bereits gezielt Maßnahmen um, etwa durch die Unterstützung innovativer Unternehmensprojekte im Rahmen des Programms „Unternehmen Revier“, durch den Ausbau des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes gemeinsam mit der BTU Cottbus‑Senftenberg sowie durch strukturprägende Projekte im Rahmen des Lausitzer Strukturwandels, etwa im Gesundheits- und Technologiebereich. Diese Aktivitäten zeigen, dass der Landkreis die wirtschaftliche Transformation aktiv vorantreibt und konkrete Mehrwerte für Unternehmen schafft.
3. Regionale Auftragsvergaben
Die Vergabe öffentlicher Aufträge an Unternehmen aus der Region sorgt für Wertschöpfung vor Ort, stärkt und erhöht die wirtschaftliche Stabilität. Durch transparente, rechtssichere und mittelstandsfreundliche Vergabeverfahren können Kommunen gezielt Impulse in der regionalen Wirtschaft setzen und Expertise vor Ort nutzen.
Im Zuge des Strukturwandels rund um Cottbus erwartet das Handwerk zudem, dass die erheblichen öffentlichen Investitionen tatsächlich in der Region ankommen und lokale Betriebe stärker berücksichtigt werden. Insbesondere bei der Vergabe öffentlicher Aufträge ist sicherzustellen, dass regionale Unternehmen faire Chancen erhalten und nicht durch externe Anbieter verdrängt werden, die Aufträge zu niedrigen Preisen gewinnen und anschließend weitervergeben.
4. Verwaltung mit Netzwerkcharakter
Eine moderne Verwaltung muss stärker als vernetzter Partner agieren – offen, kooperativ und lösungsorientiert. Statt isolierter Zuständigkeiten braucht es eine Verwaltung, die aktiv den Austausch mit Wirtschaft, Bildung, Zivilgesellschaft und Politik sucht und gemeinsame Lösungen vorantreibt. Ein solcher Netzwerkansatz fördert Transparenz, Vertrauen und Effizienz.
5. Digital und serviceorientiert
Digitale Verwaltungsprozesse sind kein Zukunftsprojekt mehr, sondern eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Bürgerfreundlichkeit. Ein digitaler, barrierefreier und serviceorientierter Zugang zu Verwaltungsleistungen erhöht die Effizienz, entlastet Unternehmen wie Bürger und beschleunigt Entscheidungsprozesse. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Beteiligung. Die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie sollte zügig, verbindlich und transparent vorangetrieben werden – mit klaren Meilensteinen, leistungsfähigen digitalen Angeboten und verlässlichen Ansprechpartnern für Unternehmen.
Ein zentrales Anliegen der Betriebe ist darüber hinaus der konsequente Abbau von Bürokratie, da aufwendige Dokumentationspflichten, komplexe Förderanträge und langwierige Genehmigungsverfahren wertvolle Ressourcen binden. Gefordert werden daher beschleunigte und vereinfachte Verfahren, beispielsweise durch Genehmigungen im Rahmen von Fristabläufen, sowie Förderprogramme, die auch ohne externe Beratung zugänglich sind. Ebenso wichtig sind eine bessere Erreichbarkeit der Verwaltung, kürzere Wartezeiten und praxisnahe Öffnungszeiten, die sich an den Arbeitsrealitäten des Handwerks orientieren.
„Eine starke Verwaltungsspitze stellt die Weichen für wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und eine zukunftsorientierte Entwicklung im Landkreis. Bürger und Unternehmer sollten ihr Wahlrecht unbedingt nutzen und am Sonntag zur Wahl gehen.“ betonen die Hauptgeschäftsführer der Kammern, Sylke Radke und André Fritsche.
Zu den Interviews 👇
(geführt von IHK Cottbus und Handwerkskammer Cottbus)
Christine Beyer
Martin Heusler