Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat für Donnerstag, 12. März, und Freitag, 13. März 2026 zu ganztägigen Streiks bei Lufthansa Passage, Lufthansa Cargo und Lufthansa CityLine aufgerufen. Betroffen ist auch der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld. Lufthansa hat für beide Tage einen Sonderflugplan veröffentlicht, nach dem mehr als 50 Prozent der geplanten Flüge stattfinden sollen.
Streik trifft auch Reisende vom BER Schönefeld
Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld – im Landkreis Dahme-Spreewald ist von dem Arbeitskampf betroffen. Gestreikt wird bei Lufthansa Passage, Lufthansa Cargo und Lufthansa CityLine jeweils für Flüge, die am 12. März von 00:01 Uhr bis 23:59 Uhr Ortszeit von deutschen Flughäfen starten. Lufthansa Passage und Lufthansa Cargo sind zusätzlich auch am 13. März ganztägig betroffen. Laut Lufthansa soll ab Samstag, 14. März, weitgehend wieder der reguläre Flugplan gelten.
Hintergrund: Streit um Rente und Vergütung
Der Streik hat zwei getrennte Ursachen, wie die Vereinigung Cockpit in einer Pressemitteilung erläutert. Bei Lufthansa Passage und Lufthansa Cargo geht es um die betriebliche Altersversorgung. Bis 2017 hatten Pilotinnen und Piloten Anspruch auf eine klassische Betriebsrente mit garantierten Auszahlungen. Auf Drängen des Arbeitgebers wurde dieses Modell durch ein kapitalmarktfinanziertes System ersetzt, das nach Darstellung der Gewerkschaft das frühere Versorgungsniveau deutlich verfehlt. Einen neuen Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung habe der Arbeitgeber trotz sieben Verhandlungsrunden nicht angeboten. Auch nach dem letzten Streik am 12. Februar 2026 sei kein Angebot vorgelegt worden.
Bei Lufthansa CityLine dreht sich der Konflikt um Vergütungsfragen. Seit August 2025 verhandelt die Tarifkommission über einen neuen Vergütungstarifvertrag für in Deutschland stationiertes Cockpitpersonal. Zwar habe Lufthansa CityLine bei einem Sondierungsgespräch am 25. Februar erstmals ein Angebot ohne Gegenfinanzierung vorgelegt – für die Gewerkschaft bleibt es jedoch unakzeptabel. Es liege deutlich unter den Forderungen und sehe zudem eine umfassende Friedenspflicht vor, die die VC nach eigener Einschätzung faktisch handlungsunfähig machen würde.
VC-Präsident Andreas Pinheiro sagte: „Wir hätten eine weitere Eskalation sehr gerne vermieden. Aber es liegt weiterhin kein Angebot vor.“ Arne Karstens, Sprecher der Group-Tarifkommission, ergänzte: „Sieben Verhandlungsrunden, lange Bedenkzeiten und sogar ein vermittelndes Angebot – all das hat der Arbeitgeber verstreichen lassen. Jetzt reden wir erst weiter, wenn ein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt.“
Lufthansa widerspricht: Eskalation nicht nachvollziehbar
Lufthansa-Vorstand Michael Niggemann, zuständig für Personal und Recht, wies die Kritik der Gewerkschaft zurück. Die betriebliche Altersversorgung bei Lufthansa sei bereits heute hoch und im Vergleich mit anderen Airlines sowie Branchen gut aufgestellt. Sie sei in den vergangenen zwei Jahren durch eine Anhebung der versorgungswirksamen Bezüge zusätzlich verbessert worden. Niggemann sagte: „Ich bedaure den erneuten Streikaufruf der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit. Diese Eskalation ist in keiner Weise nachvollziehbar.“ Für darüber hinausgehende Erhöhungen gebe es angesichts der geringen Marge keinen finanziellen Spielraum. Den Piloten der Lufthansa CityLine seien Vergütungserhöhungen angeboten worden – auch dort sei die Eskalation nach Ansicht des Unternehmens unnötig.
Niggemann appellierte an die Gewerkschaft, statt Streiks Gespräche über die Modernisierung und die zukünftige Flottengröße zu führen. Diese hätten nach seiner Einschätzung direkte Auswirkungen auf die Karriereperspektiven der Pilotinnen und Piloten.
Mehr als die Hälfte der Flüge soll stattfinden
Trotz des Streikaufrufs hat Lufthansa für Donnerstag und Freitag einen Sonderflugplan erarbeitet. Laut Unternehmen sollen an beiden Tagen mehr als 50 Prozent des ursprünglich geplanten Programms durchgeführt werden. Bei Langstreckenverbindungen soll der Anteil sogar bei rund 60 Prozent liegen. Lufthansa Cargo soll nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent seines Frachtprogramms aufrechterhalten können.
Um das zu ermöglichen, sollen zahlreiche Flüge von und nach Frankfurt sowie München von anderen Gesellschaften der Lufthansa Group sowie von Partnerairlines übernommen werden. Discover Airlines und Lufthansa City Airlines sollen ihr Programm planmäßig durchführen und nach Möglichkeit Zusatzflüge übernehmen. Zusätzlich plant Lufthansa den Einsatz größerer Flugzeuge, um mehr Passagiere befördern zu können.
Francesco Sciortino, Hub Manager Frankfurt und Accountable Manager Lufthansa Airlines, erklärte: „Für Lufthansa hat es höchste Priorität, möglichst viele Reisende trotz des Streikaufrufs an ihr Ziel zu bringen. Ich möchte mich ausdrücklich bei den vielen Pilotinnen und Piloten bedanken, die sich freiwillig gemeldet haben und am Donnerstag und Freitag im Einsatz sein werden.“
Lufthansa CityLine, die am Donnerstag bestreikt werden soll, soll nach aktuellem Stand bereits am Freitag wieder nahezu ihr komplettes Programm anbieten können. Flüge in den Nahen Osten sind vom Streik ausgenommen – die Vereinigung Cockpit hat Verbindungen zu Zielen in Ägypten, Aserbaidschan, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten wegen der aktuellen geopolitischen Lage explizit vom Streik ausgeschlossen.
Umbuchung und Bahn-Alternative: Die Optionen
Passagiere, deren Flug gestrichen wird, können kostenfrei auf einen anderen Lufthansa-Group-Flug im Zeitraum vom 10. bis 23. März 2026 umbuchen oder eine vollständige Erstattung beantragen. Voraussetzung ist, dass das Ticket bis einschließlich 10. März 2026 ausgestellt wurde und für Lufthansa-Flüge am 12. oder 13. März gebucht ist. Umbuchungen und Erstattungen sind über das Lufthansa Help Center online möglich. Wegen des hohen Anrufaufkommens empfiehlt Lufthansa, möglichst digitale Wege zu nutzen.
Wer von einer Streichung betroffen ist, kann sein Ticket auf bestimmten Strecken kostenfrei in ein Bahnticket der Deutschen Bahn umwandeln. Dieser Service gilt für Flüge innerhalb Deutschlands sowie zwischen Deutschland und Zielen wie Amsterdam, Brüssel, Paris, Wien, Zürich, Budapest oder Prag. Berechtigte Passagiere sollen automatisch per E-Mail benachrichtigt werden. Das Bahnticket ist am Ausstellungstag sowie am darauffolgenden Tag gültig. Wer über den BER in Richtung dieser Ziele reist und einen Anschlussflug ab Frankfurt oder München hat, sollte ausreichend Pufferzeit einplanen.
Flugstatus vor der Abfahrt zum BER prüfen
Lufthansa hat angekündigt, betroffene Kundinnen und Kunden aktiv per E-Mail zu benachrichtigen. Wer keine Nachricht erhalten hat, kann vorerst davon ausgehen, dass sein Flug nicht gestrichen wurde. Das Unternehmen empfiehlt dennoch allen Reisenden, den aktuellen Flugstatus auf lufthansa.com oder in der Lufthansa App zu prüfen, bevor sie zum Flughafen fahren. Wer über ein Reisebüro gebucht hat, wendet sich direkt dorthin. Außerdem bittet Lufthansa alle Passagiere, ihre hinterlegten Kontaktdaten in der Buchung aktuell zu halten.
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