Die Fluggesellschaft Emirates will ab Dezember 2026 den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld im Landkreis Dahme-Spreewald mit täglichen Direktflügen nach Dubai anbinden. Die Bundesregierung hat dafür einen Kompromissvorschlag vorgelegt, der allerdings zunächst nur zwei wöchentliche Verbindungen vorsieht. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor.
Seit 20 Jahren kämpft Emirates um den Berliner Markt
Emirates bemüht sich nach eigenen Angaben seit mindestens 2004 um eine Flugverbindung zwischen Dubai und Berlin. Das bilaterale Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten erlaubt der Airline allerdings nur vier deutsche Zielflughäfen. Diese Plätze sind derzeit mit Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Hamburg besetzt. Keinen dieser wirtschaftlich erfolgreichen Standorte will Emirates zugunsten von Berlin aufgeben, wie die Fluggesellschaft wiederholt betonte. Damit ist Berlin nach Angaben von Emirates die einzige große europäische Hauptstadt, die nicht direkt von der Airline angeflogen wird, wie das Fachportal Aerospace Global News berichtet.
Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) unter der Leitung von Aletta von Massenbach fordert deshalb seit Jahren eine Erweiterung des Abkommens auf fünf deutsche Zielflughäfen. Für den Flughafen in Schönefeld wäre eine solche Langstreckenverbindung ein erheblicher Standortvorteil, der auch auf die gesamte Region Südbrandenburg ausstrahlen soll.
Emirates hat bereits Slots am BER reserviert
Obwohl die regulatorische Genehmigung noch aussteht, hat Emirates laut Simple Flying bereits Start- und Landezeitnischen am BER beantragt. Die Airline plant demnach den Einsatz von Boeing 777-Maschinen für eine tägliche Verbindung ab Dezember 2026. Sogenannte Slots sichern Airlines feste Zeiten für Starts und Landungen und werden in der Regel nur beantragt, wenn eine Streckenaufnahme ernsthaft geplant ist.
Nach Angaben von Emirates soll ein täglicher Flug nach Berlin rund 500 Arbeitsplätze schaffen und jährlich mehr als 140.000 Passagiere anziehen. Die Airline bezeichnete Berlin gegenüber dem Fachportal airliners.de als einen vielversprechenden interkontinentalen Markt und erklärte, man würde die Flüge so bald wie möglich aufnehmen, sobald die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Die Abfertigung von Großraumflugzeugen wie der Boeing 777 erfordert spezialisierte Infrastruktur, die am BER in Schönefeld zwar vorhanden, aber bisher nicht ausgelastet ist, wie Aviation.Direct berichtet.
Bundesregierung schlägt Kompromiss mit Einschränkungen vor
Bewegung in die Debatte kam durch einen Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dabei wurde nach Angaben eines Regierungssprechers auch das Thema Landerechte angesprochen. Die Bundesregierung arbeite intensiv daran, die Möglichkeiten internationaler Flugverbindungen von und nach Deutschland zu erweitern, hieß es laut Tagesspiegel.
Wie airliners.de berichtete, hat das Bundesverkehrsministerium inzwischen einen Kompromiss vorgeschlagen. Demnach soll Emirates den BER als fünften deutschen Flughafen anfliegen dürfen, allerdings zunächst nur mit zwei Flügen pro Woche. Branchenexperten bewerten diesen Vorschlag allerdings als wenig praxistauglich. Netzwerk-Airlines wie Emirates sind nach Einschätzung von Fachleuten auf mindestens tägliche Verbindungen angewiesen, um eine Strecke sinnvoll in ihr Streckennetz zu integrieren.
Breite politische Unterstützung aus Ostdeutschland
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke reagierten laut einer gemeinsamen Pressemitteilung positiv auf die Verhandlungsbereitschaft der Bundesregierung. Darin heißt es, die Menschen und Unternehmen in der Hauptstadtregion erwarteten mehr Direktverbindungen ohne unnötige und ökologisch fragwürdige Umstiege an anderen Flughäfen. Eine Direktverbindung in eine wichtige globale Wachstumsregion stärke ganz Ostdeutschland als Wirtschaftsstandort, so die Regierungschefs.
Auch Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert sprach sich für die Emirates-Verbindung aus. Mehr Direktverbindungen ab dem BER würden die Attraktivität Berlins und Brandenburgs als Standort erhöhen, erklärte er laut Berliner Zeitung. Unterstützung kommt nach Medienberichten zudem von den Ministerpräsidenten Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens sowie von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst.
Was die Verbindung für die Region bedeuten soll
Für den BER in Schönefeld wäre eine Emirates-Anbindung ein wichtiger Schritt im Langstreckensegment. Der Flughafen im Landkreis Dahme-Spreewald kämpft seit seiner Eröffnung um mehr interkontinentale Verbindungen. Während Kurz- und Mittelstrecken durch Billigflieger gut abgedeckt sind, fehlen laut Flughafengesellschaft tägliche Verbindungen zu globalen Drehkreuzen außerhalb Nordamerikas. Über das Emirates-Drehkreuz Dubai könnten Reisende aus Südbrandenburg und der gesamten Hauptstadtregion zahlreiche Ziele in Asien, Afrika und Australien erreichen, ohne den Umweg über Frankfurt oder München nehmen zu müssen.
Seit der Insolvenz von Air Berlin im Jahr 2017 fehlen der Region wichtige interkontinentale Anbindungen. Zwar fliegen Condor und Eurowings saisonal Ziele in der Golfregion an, und Condor hat für den Sommer 2026 Flüge nach Abu Dhabi angekündigt, wie airliners.de berichtet. Eine tägliche Emirates-Verbindung nach Dubai gilt in der Branche jedoch als deutlich gewichtigeres Signal für internationale Investoren und Geschäftsreisende.
Widerstand aus Hessen und Bayern
Gegen eine Ausweitung der Landerechte formiert sich allerdings Widerstand aus den Bundesländern, in denen die Lufthansa-Drehkreuze liegen. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnten nach Berichten von airliners.de in einem Schreiben an Bundeskanzler Merz vor einer Schwächung der Drehkreuze Frankfurt und München. Weitere Landerechte an Airlines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sehe er mit großer Sorge, sagte Rhein laut Berliner Zeitung der Deutschen Presse-Agentur.
Die Lufthansa selbst lehnt zusätzliche Rechte für Emirates strikt ab. Der Konzern argumentiert laut Medienberichten, dass der Wettbewerb verzerrt sei, da die Golf-Airlines durch ihre staatliche Anbindung strukturelle Vorteile genössen. Die Airline hat am BER bislang kein eigenes Langstreckennetz aufgebaut und nutzt den Flughafen vor allem für Zubringerflüge zu ihren Drehkreuzen in Frankfurt und München.
Auch die Gewerkschaft Verdi positionierte sich laut Aviation.Direct gegen die Pläne. Die stellvertretende Vorsitzende Christine Behle bezeichnete demnach die Aussicht auf zusätzliche Verkehrsrechte für Emirates als einen Angriff auf eine faire Luftverkehrspolitik.
Entscheidung mit Signalwirkung für die Luftfahrtpolitik
Die Entscheidung über die Landerechte gilt als richtungsweisend für die künftige deutsche Luftverkehrsstrategie. Im Kern geht es um die Frage, ob der Schutz der etablierten Drehkreuze oder die Stärkung der internationalen Anbindung Berlins und Ostdeutschlands Vorrang hat. Befürworter verweisen auf das Ungleichgewicht bei Langstreckenverbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland. Kritiker warnen vor den Folgen einer Marktöffnung für Carrier aus Drittstaaten.
Als Präzedenzfall dient der Fall Qatar Airways. Die katarische Fluggesellschaft erhielt 2021 die Genehmigung, fünf deutsche Flughäfen anzufliegen, wie Aviation.Direct berichtet. Dies könnte auch Emirates den Weg an den Flughafen in Schönefeld ebnen. Die endgültige Entscheidung der Bundesregierung steht nach aktuellem Stand noch aus.
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