Welzow Dienstag, 05 März 2019 von Redaktion

Neue Chance für Löschflugzeugstaffel in Welzow?

Neue Chance für Löschflugzeugstaffel in Welzow?

Ende letzten Jahres sorgte die Idee der Stationierung einer Löschflugzeugstaffel auf dem Flugplatz Welzow für Aufsehen. Nach den gehäuften Waldbränden 2018 in der Region, die immer wieder nur mit Unterstützung von Bundespolizei- und Bundeswehrhelikoptern bekämpft werden konnten, wurde die Idee von Initiatoren vorgestellt. Vertreter der Unternehmen Frank-Air und Dresden Aerospace stellten ihr Konzept vor, das Land Brandenburg gab der Idee im Oktober eine Absage und sah keinen Bedarf. Nun gibt es einen neuen Vorstoß, da die EU die Stationierung mit bis zu 75% fördern würde, um europäische Loschflugzeugkapazitäten auszubauen. Das Projekt hat es auch in die Liste der Kohlekommission geschafft, Gespräche mit Bürgermeistern, Fachabteilungen und Bundesministerien laufen.

Laut Dresden Aerospace unterstützen die Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold, der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich und die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH die Idee. Peer Forberg, Vorstandschef des Unternehmens sagt auf Nachfrage: "Wir sind im Gespräch mit verschiedenen Feuerwehrlandesverbänden und versuchen natürlich auf Landes- und Bundesebene die Ansprache von Ministerien und Parlamentariern. Im Bundesinnenministerium und beim THW haben wir das Projekt auch schon präsentiert. Das Dilemma ist, das ein solches Projekt auf Bundesebene zu koordinieren ist, nach unserem föderalen System ist Brandschutz aber Ländersache. Wir erwarten hier ein Zeichen des Arbeitskreises V „Brand- und Katastrophenschutz“ der Innenministerkonferenz der Länder. Unseres Erachtens benötigt das Projekt einen Träger, der eine Studie zu einem Einsatzszenario veranlasst. Es kursiert eine Vielzahl von Argumenten, die einer Überprüfung bedürfen, um zu einer belastbaren Entscheidung zu kommen."

In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es weiter:

Die Europäische Union reagiert mit einer Stärkung des Pools zur gegenseitigen Unterstützung der Europäischen Mitgliedsstaaten durch „rescEU“. Dies bedeutet, dass aus EU-Mitteln 75 Prozent der Kosten für Brandbekämpfungskapazitäten finanziert werden, wenn diese Ressourcen für „rescEU“-Bewältigungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Unter anderem strebt die EU eine Erhöhung der Anzahl der amphibischen Löschflugzeuge an.

Die Stationierung von Löschflugzeugen ist Bestandteil der abschließenden Projektliste der Kommission für Strukturwandel, Wachstum und Beschäftigung, der sogenannten Kohlekommission. Das bei den EU-Verhandlungen federführende Bundesinnenministerium verweist für die Bedarfsermittlung und Umsetzung, entsprechend der gesetzlich geregelten Verantwortungs- und Finanzteilung zwischen Bund und Ländern auf die einzelnen Bundesländer. Diese seien jetzt am Zug, an den Bund mit einen gemeinsamen Standpunkt heranzutreten.

Die Bundesländer haben bisher keine Vorkehrungen zum Einsatz von amphibischen Löschflugzeugen getroffen, das Luftverkehrsgesetz ist Ländersache. Unabhängig von der angestrebten Stationierung sollte der Einsatz dieser Technik wie in anderen EU-Ländern geregelt werden. Damit wäre auch ein Abruf der europäischen Brandbekämpfungskapazitäten für Deutschland möglich.  Viele Einsatzkräfte sehen in der luftgestützten Waldbrandbekämpfung eine erweiterte Möglichkeit, größeren Flächenbränden die Stirn zu bieten.

Amphibische Löschflugzeuge sind ein mächtiges Werkzeug in der Wald- und Flächenbrandbekämpfung. Kurze Reaktionszeit, große Reichweite, die Fähigkeit von Flugplätzen und Gewässern zu operieren, eine schnelle Wasseraufnahme aus geeigneten Gewässern und bis 60 Tonnen Wasserkapazität pro Stunde und Flugzeug sind Vorteile gegenüber landgestützten Löschflugzeugen, die an einen Flughafen mit einer Infrastruktur zur Löschmittelbetankung zurückkehren müssen oder Löschhubschraubern mit deutlich höheren Einsatzkosten. Die luftgestützte Brandbekämpfung ist unabhängig von der Bodeninfrastruktur, wie Wegen und Brunnen und eventuellen Zugangsbeschränkungen, wie bei munitionsgefährdeten oder Bergbaugebieten.

Jetzt wird die Interessenbekundung von Feuerwehren und Forstleuten benötigt, um die Bundesländer zu weiteren Schritten in Richtung Einsatz von Löschflugzeugen zu ermutigen.

Im Oktober 2018 hatte das Land Brandenburg der Idee eine Absage erteilt, da man keinen Bedarf sah.

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