Senftenberg Dienstag, 16 April 2019 von Redaktion

Neue Bühne Senftenberg im April "Schöne neue Welt"

Neue Bühne Senftenberg im April "Schöne neue Welt"

Brave New World ist einer der berühmtesten Zukunftsromane des 20. Jahrhunderts. Er wird ebenso wie Orwells 1984 zitiert, wenn es darum geht, verhängnisvolle Tendenzen einer Gesellschaft aufzuzeigen. Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir uns damit beschäftigen? Wir befinden uns offensichtlich in einer bewegten Zeit. In einer Zeit der Umbrüche und Neuanfänge. In einer Zeit der Unsicherheit und Verwirrung. Eine Zeit, die zum Nachdenken über unsere gemeinsame Zukunft einlädt, wenn nicht gar drängt. Eine Utopie ist ein Gedankenexperiment für eine neue, andere, fiktive, aber meist bessere Gesellschaftsordnung. Aldous Huxley schrieb eine Dystopie, eine negative Utopie. Eine besondere Leistung seiner Dystopie besteht darin, dass er kühl Potentiale und Möglichkeiten zur Steuerung gesellschaftlicher Phänomene und Trends durch Technik und wissenschaftliche Entwicklungen aufzeigt.

 

Erschreckenderweise können wir bereits viele Gedanken und Einfälle seiner „Weltordnung“ in der heutigen Gesellschaft beobachten: Wir hinterfragen nicht, ob Google besser als wir selbst weiß, was wir brauchen oder kaufen wollen oder dass unser Auto unaufhörlich Daten an einen Server sendet, der nicht nur über unseren Spritverbrauch, sondern auch über unseren „Autofahr-Charakter“ Auskünfte geben kann. In der schönen, neuen Welt sind die Alphas die oberste Schicht und die Epsilons die unterste. Die jeweilige Wertigkeit ist nicht nur klar, sondern angezüchtet und somit akzeptiert. Menschen werden in ein vorhandenes Wertesystem geboren und hinterfragen dieses nicht, denn sie sind durch die verordnete Droge
„Soma“ in einem Nebel des Glücks gefangen. Die Gefahr, dass sie diesen Nebel durchschauen, ist nicht gegeben, denn alle passen auf, dass keine*r vergisst, in aufregenden, gefühlsbelasteten Situationen die Droge zu nehmen. Das System ist in sich geschlossen, bis jemand John entdeckt ... Huxley lässt eine hochentwickelte Gesellschaft entstehen, die weder Elend noch Krankheit kennt. Gegen den Preis der Abschaffung von individueller Freiheit, Kunst und Liebe: Ungehemmter Massenkonsum, naiver Fortschrittsglaube und fortwährender legaler und vorgeschriebener Drogenkonsum beherrschen diese Gemeinschaft. Kurzum: Ein problemloses, spaßbetontes, scheinbar leichtfüßiges Leben schränkt die menschliche Würde und den eigenen Willen ein. In dieser Welt sind enge zwischenmenschliche Beziehungen unmöglich. Im Zentrum der Handlung steht der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft. Aldous Huxleys Roman trat 1931 gegen die naive Hoffnung an, es könnte eine technologisch und ideologisch optimierte Gesellschaft ohne Widersprüche und Konflikte geben.

So 21. April 19.30 Uhr
Nach dem Roman von Aldous Huxley / Deutsch von Uda Strätling / Theaterfassung von Samia Chancrin und Katja Stoppa
Uraufführung
Studiobühne

 

Foto: Steffen Rasche

pm/red

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