Niederlausitz Donnerstag, 16 Juli 2020 von Redaktion

Senat der BTU Cottbus-Senftenberg wählt Gesine Grande zur Präsidentin

Prof. Gesine Grande ist heute, 16. Juli 2020, vom Senat der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) zur Präsidentin der Universität gewählt worden. Der erste Wahlgang endete mit 12 Stimmen für Frau Grande und 9 Stimmen für Frau Hipp. Eine der beiden Kandidatinnen benötigte 11 Stimmen, um gewählt zu werden. Die nun von der Universität gewählte Präsidentin muss die Wahl annehmen und vom zuständigen Wissenschaftsministerium ernannt werden. Hierzu werden zwischen designierter Präsidentin und Landesregierung Gespräche und Verhandlungen geführt. Der Senat hofft, dass die Einigung baldmöglichst erfolgt. Prof. Dr.-Ing. Ingolf Petrick, Senatsvorsitzender, sagt: „Wir freuen uns, dass wir als Universität diesen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Besetzung des wichtigen Präsidentenamtes so schnell vollziehen konnten. Nun hoffen wir, dass sich die designierte Präsidentin und das Ministerium beziehungsweise die Landesregierung baldmöglichst einig werden.“ 

Wahl zwischen zwei Kandidatinnen

Der Senat der BTU musste sich zwischen der amtierenden komissarischen Präsidentin Christiane Hipp, die die Geschäfte seit dem Abgang von Professor Jörg Steinbach ins Wirtschaftsministerium führte, und Gesine Grande entscheiden. Am 09.07.2020 stellten sich beide der Hochschulöffentlichkeit vor, heute fand die Wahlsitzung des Senats statt.

Prof. Dr. Gesine Grande, die bereits das Amt als Rektorin der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig von 2014 bis 2019 inne hatte, sagt zu ihrer Wahl: „Ich danke allen Senatsmitgliedern, die mir heute mit ihrer Wahlentscheidung das Vertrauen ausgesprochen haben. Jetzt gilt es, gemeinsam mit allen Mitgliedern der BTU, mit unseren Partnern und Unterstützern, mit der Politik, der Region und der Wirtschaft die Universität ein großes Stück voranzubringen. Die Chancen sind riesig, wenn wir eine Vision und eine nachhaltige Strategie für die Zukunft der BTU haben. Ich freue mich auf die Herausforderung und auf die gemeinsame Arbeit.“

Reaktionen

Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle gratuliert Gesine Grande und dankt Christiane Hipp für ihre bisherige Arbeit: „Gesine Grande ist eine exzellente und erfahrene Kennerin des Hochschulbetriebs und hat langjährige Erfahrungen beim Leiten einer Hochschule. Und: Sie ist die einzige an der Spitze einer deutschen Hochschule mit ostdeutschen Wurzeln – das ist 30 Jahre nach Gründung des Landes nicht nur ein wichtiges Signal, sondern längst überfällig. Ich gratuliere ihr sehr herzlich, wünsche ihr viel Erfolg als künftige Präsidentin der BTU und freue mich auf die (weitere) Zusammenarbeit. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg ist nicht nur die zweitgrößte Hochschule und einzige Technische Universität des Landes – mit ihren zahlreichen Partnern in der Wissenschaft und in der Wirtschaft ist sie auch der Motor des Strukturwandels in der Lausitz“, so Ministerin Schüle. „Einen erheblichen Anteil an der guten Entwicklung der Hochschule in den vergangenen zwei Jahren hat Christiane Hipp. Ich danke ihr sehr herzlich für ihre großartige Arbeit!“

Maik Bethke, stellv. Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus: "Wir freuen uns, dass mit der heutigen Wahl nun Klarheit über die künftige Leitung der BTU Cottbus-Senftenberg herrscht. Damit sind die Weichen gestellt für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Lausitz. Als regionaler Innovationsmotor kommt der Universität eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des Strukturwandels zu. Sie sollte beide Themen künftig weiter vorantreiben: regionaler Technologietransfer mit und für die Unternehmen und international anerkannter Forschungsstandort. Um künftige klimafreundliche Infrastrukturprojekte abzusichern und ausreichend regionale Fachkräfte auszubilden, ist es beispielsweise notwendig, dass der Lehrstuhl Eisenbahnwesen auch in Zukunft fortgeführt wird. Entscheidend ist nun, dass die Kooperationen in Forschung und Entwicklung zwischen Unternehmen vor Ort und der Universität weiter ausgebaut werden. Neben einem intensiven Wissenstransfer zählt dazu auch, Gründungen aus der Hochschule zu ermutigen und aktiv zu fördern. Wir brauchen eine Lausitzer Start-up-Kultur – auch aus der Universität heraus! Wir bei der IHK Cottbus freuen uns auf die Zusammenarbeit und stehen auch weiterhin als Partner für den Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bereit.“

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch gratuliert Prof. Gesine Grande herzlich zur Wahl zur Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg: „Mit der Wahl von Frau Prof. Grande verbinden sich viele Hoffnungen und hohe Erwartungen in der gesamten Lausitz. Die neue Präsidentin kann auf Stadt Cottbus/Chóśebuz zählen. Wir werden ihr zur Seite stehen und sie unterstützen. An einer Universität mit vielen Herausforderungen, zu wenig Finanzen sowie Fusionsschmerzen, die überwunden werden müssen, sind viele Impulse notwendig. Der Strukturwandel, in dem die BTU eine wesentliche Rolle spielen muss, duldet keinen Aufschub. Gleichzeitig danke ich Prof. Christiane Hipp für ihre bisherige Tätigkeit, vor allem als amtierende BTU-Präsidentin in einer schwierigen Zeit. Die BTU Cottbus-Senftenberg wird einer der Treiber im Strukturwandel sein. Dazu sind Konstanz und Sachverstand in der Führung sowie integratives Wirken in den Wissenschafts-, Forschungs- und Lehrbetrieb ebenso wie in die Stadt hinein unerlässlich. Die BTU ist eine Universität mitten in der Stadt. Ihre Profilierung ist einer der Pfeiler des Wandels speziell in unserer Stadt, der von den wirtschaftlichen Strukturen ausgehend weit in die gesellschaftlichen Wandelprozesse hinein spürbar sein wird. Dazu bietet die Stadtverwaltung der BTU Cottbus-Senftenberg eine weiter sehr enge Kooperation an, um die Ansiedlung von neuen Instituten und Forschungseinrichtungen und die Werbung um Studentinnen und Studenten zu unterstützen. Gleichzeitig forciert die Stadt Cottbus/Chóśebuz ihre Bemühungen um den Strukturwandel und die Stadtentwicklung – so u.a. am künftigen Ostsee –, um dadurch Arbeitsplätze zu sichern, eine Atmosphäre des Gründens zu schaffen und so Forschenden, Wissenschaftlern und Studierenden eine attraktive, herausfordernde und spannende Heimatstadt sein zu können.“

Der Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e.V. gratuliert Gesine Grande: "Der Unternehmerverband Brandenburg-Berlin begrüßt die Wahl von Frau Prof. Dr. Gesine Grande zur Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg und beglückwünscht sie zu ihrer Wahl. Es ist gut, dass die Leitung der zweitgrößten Universität im Land Brandenburg geklärt ist. Das ist von besonderer Bedeutung für die erfolgreiche und innovative Mitwirkung und Gestaltung des Strukturwandels in der Lausitz. Die Mitgliedsunternehmen des UVBB erwarten von der BTU die weitere Intensivierung des Technologietransfer mit den mittelständischen Unternehmen in der Region, den Ausbau der Kooperationen in Forschung und Entwicklung zwischen Unternehmen der Region und der Universität, die aktive Förderung der Start-Up-Szene sowie eine Vertiefung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Universitäten /Hochschulen in Polen, insbesondere der Universität in Zielona Gora. Der Strukturwandel erfordert besonders gut ausgebildete Fachkräfte, die die besonderen Bedingungen der Lausitz kennen und gewillt sind, sich persönlich einzubringen. Deshalb erwarten wir die Fortführung des Lehrstuhls Eisenbahnwesen an der BTU Cottbus und damit Stärkung der BTU und der gesamten Strukturwandelregion Lausitz. Der Eisenbahnlehrstuhl an der BTU ist unverzichtbar für die künftige Ausbildung der Fachkräfte für den Strukturwandel Lausitz. Er ist die Gewähr um über die Fachkräfte für die Umsetzung der umfangreichen Infrastrukturprojekte Schiene, einschließlich deren Planungen, und des massiven Ausbau des DB Instandsetzungswerkes Cottbus (1.200 neue Mitarbeiter geplant) zu verfügen. Der UVBB freut sich auf eine gute und intensive Zusammenarbeit im Interesse der mittelständischen Lausitzer Unternehmen."

Prof. Dr. Michael Schierack, Sprecher für Wissenschaft und Forschung der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg: „Ich gratuliere der neugewählten Präsidentin Gesine Grande sehr herzlich und freue mich, dass sich der Senat mit Frau Grande für eine profilierte Hochschulmanagerin entschieden hat. Die Herausforderungen der nächsten Jahre im Strukturwandel sind enorm. Der BTU kommt dabei eine Schlüsselstellung zu. Ich bin mir sicher, dass Frau Grande mit ihrer langjährigen Erfahrung perfekt geeignet ist, um die kommenden Herausforderungen positiv zu meistern und die Attraktivität der BTU schnell wieder zu steigern und mehr Studenten nach Cottbus und Senftenberg zu ziehen. Es wird daneben auch wichtig sein, die Zusammenarbeit mit den neugegründeten Instituten auf eine gute Basis zu stellen und den Aufbau der neu zu gründenden medizinischen Fakultät zu einem Erfolg zu machen. Klar ist auch, dass die BTU diese Herausforderungen nicht alleine meistern kann, sondern vom Land weiterhin besondere Unterstützung benötigt.“

Zur Person Gesine Grande

(laut BTU Cottbus - Senftenberg)

Gesine Grande wurde 1964 in Leipzig geboren und studierte dort Psychologie. Sie hat einen erwachsenen Sohn.

Lebenslauf

Akademische Ausbildung
Prof. Gesine Grande studierte von 1983-1988 Psychologie an der Universität Leipzig, hat 1997 an der Universität Bielefeld ihre Promotion mit summa cum laude als „Doctor of Public Health“ abgeschlossen und wurde 2012 an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig habilitiert.

Akademische Laufbahn
Gesine Grande begann ihre akademische Berufstätigkeit 1988 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universitäts-Frauenklinik in Leipzig. Zwischen 1991 und 2003 war sie in verschiedenen Forschungsprojekten an den Universitäten Essen und Bielefeld und ab 1997 als wissenschaftliche Assistentin (C1) in der AG Sozialepidemiologie und Gesundheitssystemgestaltung an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften bei Prof. Bernhard Badura beschäftigt. 2003 erfolgte der Ruf auf eine Professur für Psychologie an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig). Während ihrer Zeit als Professorin an der HTWK Leipzig hat Gesine Grande eine interdisziplinäre Forschungsgruppe aufgebaut, aus der acht erfolgreich abgeschlossene Promotionen hervorgingen und durch die mehr als fünf Millionen Euro Drittmittel eingeworben wurden. Zum 1.1.2014 wechselte sie an die Universität Bremen, wo sie die W3-Eckprofessur „Evidenzbasierte Gesundheitsförderung“ übernahm. Im gleichen Jahr setzte sich Prof. Grande im Rektorwahlverfahren an der HTWK Leipzig erfolgreich durch und trat zum 1.10.2014 ihre fünfjährige Amtszeit als Rektorin an.

Amtszeit als Rektorin der HTWK Leipzig
In ihrer Amtszeit als Rektorin an der HTWK Leipzig (2014-2019) wurde eine hochschulweite zukunftsorientierte Strukturreform initiiert und umgesetzt. Die Einrichtung der bundesweit einmaligen Stiftungsfakultät „Digitale Transformation“, gefördert von der Deutschen Telekom AG, war einer ihrer größten Erfolge. Die Hochschule profilierte sich auch wissenschaftlich stark, sichtbar in Drittmittelrekorden, dem Einwerben von Stiftungsprofessuren und gemeinsamen Berufungen mit der Fraunhofer-Gesellschaft und mit der Akademie der Wissenschaften. Trotz des stark ausgeprägten ingenieurwissenschaftlichen Profils wuchsen die Studienbewerberzahlen entgegen dem bundesweiten Trend.

Erfahrungen im Hochschul- und Forschungsmanagement
Prof. Gesine Grande verfügt über exzellente Netzwerke und Erfahrungen im Forschungs- und Hochschulmanagement. Sie war Präsidiumsmitglied verschiedener wissenschaftlicher Fachgesellschaften und ist regelmäßig als Gutachterin nationaler und internationaler Forschungsschwerpunkte aktiv. In ihrer Zeit als Rektorin war sie Sprecherin der sächsischen HAW und stellvertretende Vorsitzende der sächsischen Landesrektorenkonferenz. Sie wurde als Mitglied in die HRK-Arbeitsgruppe „Novellierung der HRK-Ordnung“ und in die ständige „Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs“ der HRK gewählt. Als wissenschaftliche Leiterin des Graduiertenzentrums der HTWK Leipzig hat sie den Aufbau einer strukturierten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Hochschule geprägt und zu einem bundesweiten Vorbild gemacht. Sie engagiert sich darüber hinaus für wichtige gesellschaftliche Herausforderungen, zum Beispiel im Beirat Nachhaltiges Leipzig und im Klimabeirat der Stadt Leipzig.

BTU Cottbus-Senftenberg

An den drei Standorten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg arbeiten rund 180 Professor*innen. An der Hochschule sind etwa 7.000 Studierende in 70 universitären, fachhochschulischen und dualen Bachelor- und Master-Studiengängen eingeschrieben, darunter 2.250 internationale Studierende aus mehr als 100 Ländern. Die BTU ist eine Technische Universität mit starkem Fokus auf Innovation und Nachhaltigkeit. In der Kombination aus Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung entstehen weltweit nachgefragte Lösungen in den Schwerpunktbereichen Umwelt, Energie, Material, Bauen, Gesundheit sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. Das Studienangebot reicht von den Themen Bauen, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über Naturwissenschaften und Informatik bis hin zu Wirtschaft, Gesundheit und Soziales. Das Land unterstützt die Hochschule in diesem Jahr mit rund 100 Millionen Euro.

Bild: Prof. Dr. Gesine Grande (Foto: Kirsten Nijhof)

Das könnte Sie auch interessieren