Nach dem Anschlag auf das Umspannwerk in Turnow-Preilack (Landkreis Spree-Neiße) nahe dem Kraftwerk Jänschwalde ermittelt die Polizei nun auch wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das teilte die Polizei Brandenburg mit. Die Einsatzmaßnahmen dauern an: Am Mittwoch sind erneut Einsatzkräfte vor Ort, um den Bereich nach weiteren Beweismitteln abzusuchen. Dabei kommt es zu Sperrungen. Die Ermittlungen wurden nach Polizeiangaben wegen mehrerer Straftatbestände aufgenommen: Störung öffentlicher Betriebe (§ 316b StGB) in Verbindung mit dem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion (§ 308 StGB), Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel (§ 305a StGB) sowie Bildung einer terroristischen Vereinigung (§ 129a StGB). Weitere Informationen könnten derzeit nicht veröffentlicht werden, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden, hieß es.
Landesregierung spricht von versuchter Sabotage
Bereits am Dienstagabend hatte die brandenburgische Landesregierung bei einer Pressekonferenz von einem versuchten Sabotageakt gesprochen, der einen großflächigen Stromausfall hätte auslösen können. Nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) wurde auf dem Gelände eine zweistellige Zahl an Sprengvorrichtungen gefunden – die Zahl stieg im Zuge der Absuche weiter an. In zwei Fällen sei es den Tätern gelungen, leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung einzubringen, in weiteren Fällen nicht. Die Landesregierung nehme den Vorfall „sehr, sehr ernst“, so Redmann; die Vorgehensweise sei geeignet gewesen, größere Schäden zu verursachen.
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Was bisher bekannt ist
Der Vorfall hatte sich am Dienstagmorgen ereignet. Nach Angaben des Netzbetreibers 50Hertz erfolgte die versuchte Sachbeschädigung durch selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln; vor Ort wurden weitere, noch nicht gestartete Flugkörper gefunden. Das mutmaßliche Ziel war es, die Stromversorgung im Bereich des Kraftwerks Jänschwalde zu beeinträchtigen. Zu einem größeren Stromausfall kam es jedoch nicht – die allgemeine Stromversorgung war nach Angaben von 50Hertz zu keiner Zeit gefährdet. Auch der Kraftwerksbetreiber LEAG geht von einem Anschlag aus.
Das Umspannwerk Turnow-Preilack ist ein bedeutender Knotenpunkt im Lausitzer Stromnetz. Hier wird der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50Hertz eingespeist und verteilt. Wegen des Einsatzes war zwischenzeitlich auch die Landesstraße L50 zwischen Preilack und Tauer gesperrt worden.
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Die Ermittlungen zu Tätern und Hintergründen dauern an.
Zeugen nach Anschlag gesucht
Der Polizei war am 1. September gegen 8 Uhr eine mutmaßliche Beschädigung an einer Oberleitung des Umspannwerks Turnow-Preilack gemeldet worden. Vor Ort fanden die Einsatzkräfte mehrere sogenannte USBV. Die Abkürzung steht für „unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen“. Nach Angaben der Polizei waren einige der Vorrichtungen nicht umgesetzt worden. Entschärfer des Landeskriminalamtes befanden sich am Einsatzort, zudem wurden Spuren gesichert. Das LKA hat die weiteren Ermittlungen übernommen.
Die Polizei bittet inzwischen ausdrücklich um Hinweise. Gesucht werden Zeugen, die die Tat am Morgen des 1. September bemerkt haben und zur Aufklärung beitragen können. Außerdem werden Hinweise zu möglichen Tatverdächtigen, deren Beschreibung sowie weitere sachdienliche Beobachtungen gesucht. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle sowie die Internetwache der Polizei Brandenburg entgegen. ->> Hier weiterlesen
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