Rock Tech Lithium hat 5,31 Millionen kanadische Dollar eingesammelt und dabei einen neuen strategischen Investor gewonnen. Der will sich am Gubener Konverter beteiligen – das Geld selbst geht aber zunächst in die kanadischen Projekte.
Für Guben zählt der Investor, nicht die Summe
Losgehen kann es in Guben tatsächlich – allerdings nicht wegen des Betrags, sondern wegen des Geldgebers. Mit ihm will Rock Tech eine Beteiligung auf Projektebene am Gubener Konverter eingehen, und genau daran hängt das Projekt, seit die Gesamtfinanzierung fehlt. Ein Partner, der auf Projektebene einsteigt, ist der Schritt, auf den auch das Land wartet.
Das frische Kapital selbst arbeitet aber erst einmal in Kanada. In der Mittelverwendung beider Mitteilungen stehen die Definitive Feasibility Study für die Georgia Lake Mine, die Entwicklung des Red Rock Converter in Ontario und allgemeine Unternehmens- und Betriebsmittelzwecke. Guben kommt in diesem Absatz nicht vor.
Der Standort bleibt dabei ausdrücklich der Plan des Unternehmens: vollständig genehmigt, baureif, von der EU als strategisches Projekt eingestuft – und technische Vorlage für die Anlagen in Kanada.
Verbindlich ist bisher trotzdem nichts. Die Beteiligung ist eine Ankündigung, kein gemeldeter Vertragsabschluss; der Investor wird nicht genannt, Einzelheiten zur Guben-Transaktion sollen erst nach deren Abschluss folgen. Bis dahin bleibt es bei einer Absicht, die sich an drei Punkten messen lassen wird – sie stehen am Ende dieses Beitrags.
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Zwei Mitteilungen, eine aufgestockte Runde
Am 21. August meldete das deutsch-kanadische Unternehmen den Abschluss der ersten Tranche einer Privatplatzierung über 5,2 Millionen kanadische Dollar. Am 15. September folgte die Aufstockung auf bis zu 6,0 Millionen. Ausgegeben werden Einheiten zu je 0,65 kanadischen Dollar; jede besteht aus einer Aktie und einem halben Optionsschein, der drei Jahre lang zu 0,90 Dollar eingelöst werden kann.
Bis zur zweiten Tranche kamen 5,31 Millionen Dollar zusammen, 3,25 Millionen davon von dem einen neuen Investor. Die Endgenehmigung der TSX Venture Exchange steht aus, für die Papiere gilt eine viermonatige Haltefrist. Gemessen am Gubener Vorhaben ist die Summe klein: Die Investition dort bezifferte Rock Tech im Oktober 2025 nach einer Kostensenkung von 730 auf 680 Millionen Euro, auf unsere Anfrage im Sommer nannte das Unternehmen 750 Millionen.
In Kanada geht es deutlich schneller voran
Der Vergleich der Zahlen erklärt, warum die Mittel dorthin fließen. Im April sicherte sich Rock Tech mit der kanadischen BMI Group einen Ankerinvestor, der 200 Millionen kanadische Dollar für Red Rock zusagte. Ende Juli folgte ein bindender Abnahmevertrag mit dem Genfer Rohstoffhändler Transamine, der eine Vorauszahlungsfinanzierung von bis zu 80 Millionen US-Dollar für Georgia Lake umfasst; ab 2028 sollen jährlich bis zu 100.000 Tonnen Spodumenkonzentrat geliefert werden.
Als Grund für das Tempo nennt das Unternehmen die günstigeren Rahmenbedingungen, vor allem niedrige Energiepreise in Ontario. Eine Abkehr von der Lausitz sei das nicht: „Dabei haben wir uns in keiner Weise von Guben oder Europa abgewendet, sondern uns pragmatisch für das Umfeld entschieden, in dem sich mit unserer Prozess-Blaupause die Marktnachfrage am schnellsten in wettbewerbsfähige Produktion überführen lässt“, teilte Rock Tech unserer Redaktion mit.
Guben ist die Blaupause für den kanadischen Bau
Bemerkenswert ist die Rolle, die dem Standort dabei zufällt: Der fertig geplante und genehmigte Konverter in Guben dient als technische Vorlage für die Anlagen außerhalb Europas. Red Rock wird also nach Gubener Muster gebaut, bevor Guben selbst gebaut wird.
Im Aktionärsbrief vom 14. Juli bekommt der deutsche Standort einen einzigen Satz: Guben bleibe vollständig genehmigt, baureif und strategisch wertvoll, die Gespräche mit strategischen Investoren kämen voran. Den kanadischen Projekten widmet das Unternehmen dort mehrere Absätze mit konkreten Meilensteinen.
Die Landesförderung liegt nicht mehr bereit
Auf der öffentlichen Seite ist die Lage ebenfalls offen. Die einst in Aussicht gestellte Förderung von bis zu 90 Millionen Euro war befristet und Ende 2024 ausgelaufen; den Antrag hat Rock Tech zurückgenommen. „Die seinerzeit in Aussicht gestellte Förderung von bis zu 90 Millionen Euro war an einen bestimmten zeitlichen Rahmen gebunden, der Ende 2024 ausgelaufen ist“, erklärte Christine Stiller vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa auf unsere Anfrage.
Verloren ist die Unterstützung damit nicht. Das Land stehe dem Vorhaben weiter offen gegenüber, betonte Stiller – nötig wäre allerdings ein neuer Antrag auf Grundlage einer gesicherten Gesamtfinanzierung, nachzuweisen wäre insbesondere die private Kofinanzierung. Damit hängt auch die Förderung an genau dem Schritt, den die jetzige Platzierung noch nicht ersetzt.
Was der Konverter in Guben leisten soll
Geplant ist der größte Lithium-Konverter Europas. 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr soll die Anlage produzieren, genug für rund 30 Gigawattstunden Batteriekapazität oder etwa 500.000 Elektrofahrzeuge. Rock Tech rechnet mit rund 200 direkten Arbeitsplätzen, dazu Effekte für Zulieferer und Dienstleister in der Region.
Der Standort ist vollständig genehmigt und von der Europäischen Kommission als strategisches Projekt nach dem Critical Raw Materials Act eingestuft. Ursprünglich sollte die Produktion 2027 anlaufen; nach dem jüngsten Quartalsbericht gilt frühestens 2029 als realistisch, die Bauzeit veranschlagt das Unternehmen mit zweieinhalb Jahren.
Das zweite Batterieprojekt der Region ist schon weg
Wie schnell aus Warten ein Ende werden kann, hat die Region gerade erlebt. Ende Juli hat Altech das Batterieprojekt Cerenergy im Industriepark Schwarze Pumpe eingestellt. Auch dort fehlte am Ende der private Investor, damit verfielen bereits bewilligte Bundesmittel von bis zu 46,7 Millionen Euro.
Ein Unterschied bleibt: Altech hat beendet, Rock Tech nicht. Das Projekt ist genehmigt, die Fläche steht bereit, Land und Unternehmen halten daran fest. Offen ist, wann jemand das Geld dafür in die Hand nimmt – und die 5,31 Millionen kanadische Dollar aus dieser Woche sind es noch nicht.
Woran sich der nächste Schritt erkennen lässt
Drei Dinge zeigen, ob sich für Guben etwas bewegt: die angekündigte gesonderte Mitteilung zur Guben-Transaktion samt Namen des Investors, die Endgenehmigung der Börse für die Platzierung und ein neuer Förderantrag beim Land.
Bis dahin gilt, was das Unternehmen selbst schreibt: Ein Investor will einsteigen, die Summe ist eingesammelt, und das Geld arbeitet vorerst in Kanada.
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Red. / Presseinformation







