Das Landesamt für Umwelt hat eine Hochwasserwarnung für die Oder im Bereich Frankfurt (Oder) herausgegeben. Eine Verschiebung der Eisdecke ließ den Wasserstand innerhalb von 24 Stunden um mehr als 90 Zentimeter steigen – die Alarmstufe I ist nur noch zehn Zentimeter entfernt.
Eisdecke auf der Oder wird brüchig
Auf der Oder hat sich in den vergangenen Wochen eine Eisdecke von Stettin bis etwa Brieskow-Finkenheerd gebildet. Mit den zuletzt milderen Lufttemperaturen steigt nach Angaben der Hochwassermeldezentrale des Landesamtes für Umwelt zunehmend die Gefahr, dass die stehende Treibeisdecke mürbe und brüchig wird. Dadurch nehme die Neigung zu Rutschungen oder Verschiebungen zu, was zu lokalen Wasserstandsanstiegen in kurzer Zeit führen könne.
Wasserstand in Frankfurt steigt rasch an
Im Stadtgebiet von Frankfurt (Oder) wurde am Mittwochabend eine kurzzeitige Bewegung der Eisdecke beobachtet. Seit 21:45 Uhr führte diese laut Hochwassermeldezentrale zu einem starken Wasserstandsanstieg am Pegel Frankfurt von rund 50 Zentimetern. Um 23:15 Uhr lag der Wasserstand bei 396 Zentimetern.
Die Dynamik zeigt sich auch in den aktuellen Pegelwerten: Am Mittwochmorgen um 7 Uhr stand der Pegel Frankfurt (Oder) noch bei 319 Zentimetern – am Donnerstagmorgen um 7 Uhr waren es bereits 410 Zentimeter. Das entspricht einem Anstieg von 91 Zentimetern innerhalb von 24 Stunden. Der Richtwert der Alarmstufe I liegt bei 420 Zentimetern und ist damit nur noch zehn Zentimeter entfernt.
Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Wasserstandsanstiege die Richtwerte der Alarmstufe I überschreiten, teilte das Landesamt mit. Die Hochwasserwarnung gilt für den Gewässerabschnitt der Stadt Frankfurt (Oder) von Kilometer 574,1 bis Kilometer 589,8.
Warum die Eisdecke zur Gefahr wird
Das Phänomen ist typisch für den Übergang von strengen Frostperioden zu milderen Temperaturen: Eine zunächst stabile Eisdecke wird durch Tauwetter mürbe und kann sich verschieben. Wenn sich Eisschollen zusammenschieben oder an Engstellen verkeilen, kann das den Abfluss des Wassers blockieren und zu einem sogenannten Eisstau führen. Solche Staus können laut Hochwassermeldezentrale innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Pegelanstiegen führen – auch wenn die tatsächliche Wassermenge im Fluss nicht zunimmt.
Die Alarmstufe I markiert den Beginn einer erhöhten Aufmerksamkeitsstufe. Bei Erreichen dieses Richtwerts werden unter anderem die zuständigen Behörden und Einsatzkräfte in erhöhte Bereitschaft versetzt.
Alarmstufen herabgesetzt – keine Vorhersagen möglich
Aufgrund der Eisbildung auf der Oder wurden die Alarmstufen der Pegel Kietz, Kienitz, Hohensaaten-Finow und Eisenhüttenstadt entsprechend der Hochwassermeldeordnung herabgesetzt. Der Grund: Eisverschiebungen verfälschen die Pegelstände, sodass die üblichen Richtwerte nicht mehr verlässlich anwendbar sind.
Für die Meldepegel Frankfurt (Oder), Kietz, Kienitz, Hohensaaten-Finow, Stützkow und Gartz sind nach Angaben der Hochwassermeldezentrale derzeit keine zuverlässigen Vorhersagen möglich. Die Lage an der Oder bleibt damit schwer einschätzbar.
Behörden empfehlen erhöhte Aufmerksamkeit
Die Hochwassermeldezentrale rät Anwohnerinnen und Anwohnern im betroffenen Bereich, sich regelmäßig über die aktuelle Wetter- und Hochwasserentwicklung zu informieren. Bürgerinnen und Bürger sollten auf die Ausgabe amtlicher Warnungen und Informationen achten. Aktuelle Pegelstände und Lageberichte sind über das Pegelportal Brandenburg abrufbar.
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