Die anhaltende Trockenheit schlägt auf die Flüsse durch: Oder und Elbe führen in Brandenburg durchgängig Niedrigwasser. Auf beiden Strömen ist die Güterschifffahrt praktisch zum Erliegen gekommen – das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe hat die Peilung der Fahrrinne sogar amtlich ausgesetzt. Eine Hochwassergefahr besteht nicht.
Pegel unter dem mittleren Niedrigwasser
Ein Blick in die amtliche Pegeldatenbank der Wasserstraßenverwaltung (PegelOnline) zeigt am 19. Juli ein einheitliches Bild: An sämtlichen Messstellen in der Region liegen die Wasserstände unter dem mittleren Niedrigwasser (MNW) – also unterhalb dessen, was im langjährigen Mittel bereits als niedrig gilt. Für unsere Region sind vor allem die Oder im Osten (Ratzdorf, Eisenhüttenstadt, Frankfurt) und die Elbe im Südwesten bei Mühlberg maßgeblich.
| Pegel | Aktuell | MNW |
|---|---|---|
| Oder – Ratzdorf | 144 cm | 180 |
| Oder – Eisenhüttenstadt | 156 cm | 190 |
| Oder – Frankfurt (Oder) | 98 cm | 133 |
| Elbe – Mühlberg | 147 cm | 158 |
| Elbe – Wittenberge | 93 cm | 112 |
Von Hochwasser ist die Lage weit entfernt: Die Alarmstufe I beginnt an der Oder in Frankfurt beispielsweise erst bei 420 Zentimetern.
Auf der Oder wird keine Fahrrinne gemeldet
Für die frei fließende Grenzoder weist die Wasserstraßenverwaltung derzeit auf keinem der Abschnitte zwischen Ratzdorf und Hohensaaten eine befahrbare Fahrrinne aus – in der amtlichen Tabelle der Fahrrinnen- und Tauchtiefen steht durchgängig „nicht gemeldet“. Damit ist der Güterverkehr auf der Oder, der vor allem Schrott und Rohstoffe für das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt transportiert, praktisch nicht möglich. Er ist ohnehin auf zusätzliches Wasser aus polnischen Wehren angewiesen.
Das WSA Elbe setzt die Peilungen aus
Noch deutlicher ist die Lage an der Elbe: Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe hat am 16. Juli eine Anordnung erlassen (NfB 2026/2077). Für die Elbe-Strecke E8 zwischen Kilometer 422,8 und 502,2 – Bezugspegel Wittenberge – gilt die „Aussetzung der Peilung und Bekanntgabe der FRT, aufgrund von Niedrigwasser“. FRT steht für Fahrrinnentiefe. Im Klartext: Es wird dort aktuell keine Fahrrinnentiefe mehr gemessen und garantiert. Die Peilungen werden erst wieder aufgenommen, wenn die Wasserstände es zulassen; ein Enddatum nennt die Anordnung ausdrücklich nicht.
Was das für die Region bedeutet
Ein Güterschiff braucht grob 1,40 bis 1,60 Meter Fahrrinnentiefe, um überhaupt leicht beladen fahren zu können; voll abgeladen sind es rund 2,50 Meter. Bei den derzeitigen Werten ist wirtschaftlicher Frachtverkehr auf beiden Strömen nicht darstellbar. Für kleine Fahrgast- und Sportboote kann je nach örtlicher Tiefe noch etwas gehen – das ist aber vor Ort zu prüfen. Ein trockener Hochsommer prägt damit das Bild an Oder und Elbe gleichermaßen.
Die Lage auf einen Blick
Fahrrinnen- und Tauchtiefen an den regional wichtigen Abschnitten (Stand 19. Juli, Angaben ohne Gewähr):
| Abschnitt | Status |
|---|---|
| Oder: Ratzdorf–Frankfurt (O1) | nicht gemeldet |
| Oder: Frankfurt–Hohensaaten (O2/O3) | nicht gemeldet |
| Elbe: Raum Wittenberge (E8) | Peilung ausgesetzt |
| Elbe: Riesa–Elstermündung (E3, Mühlberg) | 111 cm |
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