Forschende der BTU Cottbus-Senftenberg und des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena haben einen Weg gefunden, bösartige Tumorzellen bei Kindern in harmlose Muskelzellen zu verwandeln. Der Ansatz könnte künftig Chemo- und Strahlentherapie ergänzen, teilte die BTU mit.
BTU-Forschung zu Tumorzellen bei Kindern
Es geht um das embryonale Rhabdomyosarkom, einen der häufigsten Weichteiltumore im Kindesalter. Diese Tumore entstehen aus Vorläuferzellen von Muskeln und können überall im Körper auftreten. Wegen ihrer wechselnden Lage lassen sie sich nach Angaben der Universität oft nur schwer vollständig entfernen.
Geleitet wird die Forschung von Prof. Dr. Julia von Maltzahn. Sie leitet seit 2022 an der BTU das Fachgebiet Stammzellbiologie des Alters. Das Team fand einen der Gründe für das ungebremste Wachstum dieser Tumorzellen bei Kindern: das Protein TRPS1.
Ein Protein hält Tumorzellen bei Kindern unreif
„Durch unsere Studien an humanen Tumorzellen des embryonalen Rhabdomyosarkoms fanden wir heraus, dass die Menge des transkriptionellen Repressors TRPS1 konstant erhöht ist“, erklärt von Maltzahn. Das Protein blockiere genau die Gene, die Muskelzellen zum Ausreifen brauchen. Die Zellen bleiben deshalb in einem unreifen Zustand, in dem sie weiter wachsen.
Daraus entstand die Idee, die Menge von TRPS1 in den Tumorzellen zu senken. In Zellkulturen und im Mausmodell gelang der Nachweis: Wird TRPS1 gezielt reduziert, reifen die Tumorzellen zu Muskelzellen heran, die sich nicht mehr teilen. Der Tumor verliert damit seine Fähigkeit, unbegrenzt zu wachsen.
„Wir glauben, einen wirkungsvollen, neuartigen therapeutischen Ansatz gefunden zu haben, mit dem man künftig – zusätzlich zu Chemo- und Strahlentherapie – das Wachstum und die Ausbreitung des Tumors stoppen könnte“, sagt die Forscherin.
Studie aus Jena und von der BTU Cottbus-Senftenberg
Das Projekt begann am Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena. Mit dem Wechsel von Maltzahns an die BTU im Jahr 2022 wurde es zu einem gemeinsamen Vorhaben beider Einrichtungen. Gefördert hat es die Wilhelm Sander-Stiftung. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Molecular Therapy“. Nach Angaben der BTU gilt TRPS1 nun als vielversprechendes Ziel für neue, ergänzende Therapien. Die vollständige Mitteilung hat die Universität online veröffentlicht.
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