Der antike Palast in Yeha im Norden Äthiopiens hätte nach ersten Berechnungen mindestens 19 Stockwerke tragen können. Das ergibt eine Studie der BTU Cottbus-Senftenberg und des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), wie die Universität mitteilte. Ein Statiker der BTU hat dafür die rund 2.800 Jahre alte Bauweise nachgerechnet.
Palast in Yeha gilt als größter Palastbau seiner Zeit
Die Studie erschien im Juli 2026 im Fachjournal Heritage des Verlags MDPI. Verfasst haben sie Vertretungsprofessor Dr.-Ing. Martin Drieschner vom Fachgebiet Statik und Dynamik der BTU und Dipl.-Ing. Mike Schnelle von der Außenstelle Sanaa des DAI. Im Mittelpunkt steht der Palast Grat Be’al Gibri in Yeha im äthiopisch-eritreischen Hochland.
Mit einer Grundfläche von etwa 60 mal 60 Metern gilt er als größter bekannter Palastbau seiner Zeit in Südarabien und Ostafrika. Er stammt aus der Zeit um 800 vor Christus. Schon in der Antike zerstörte ihn ein Brand. Heute sind nur noch Teile des Erdgeschosses und des Podiums erhalten.
Palast in Yeha nutzte Holzbalken im Bruchsteinmauerwerk
Geschichtlich besonders ist laut BTU das Wandsystem. In das vermörtelte Bruchsteinmauerwerk legten die Baumeister systematisch Holzbalken ein. Diese liegen ausschließlich waagerecht und wechseln zwischen Längs- und Querrichtung der Wand. In der Fachwelt heißt diese Bauart „timber-laced masonry“. Im ersten Jahrtausend vor Christus war sie in Südarabien und im nordöstlichen Afrika für mehrgeschossige Bauten weit verbreitet.
Die BTU zieht zudem einen Vergleich zu heutigen Hybridkonstruktionen mit Holz. Solche Bauweisen kommen etwa in Sydney, Hamburg oder Berlin beim nachhaltigen Hochhausbau zum Einsatz oder sind dort geplant.
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BTU überprüft alte Berichte von bis zu 20 Stockwerken
Bisher stützten sich Aussagen zur Höhe solcher Bauten vor allem auf historische Quellen und Bilder. Arabische Geschichtsschreiber berichten von Palästen mit bis zu 20 Stockwerken. Außerdem zeigen südarabische Fels- und Wandmalereien turmartige, mehrgeschossige Gebäude. Eine ingenieurtechnische Prüfung dieser Überlieferungen fehlte laut BTU jedoch bislang.
Die Forschenden bauten deshalb zwei typische Wandbereiche des Palastes als virtuelles 3D-Modell nach, eine Wandecke und einen Türdurchgang. Deren Tragfähigkeit untersuchten sie mit der Finite-Elemente-Methode (FEM), einem Rechenverfahren aus dem Ingenieurbau. Weil viele Eigenschaften der antiken Baustoffe nicht genau bekannt sind, berücksichtigten sie Unschärfen in den Materialwerten. Dafür nutzten sie das selbst entwickelte Software-Tool PolyUQ.
Mindestens 19 Stockwerke wären statisch möglich gewesen
Das Ergebnis zeigt, dass schwankende Holzeigenschaften die Tragfähigkeit der Wände nur wenig beeinflussen. Das Wandsystem erwies sich als robust. Nach ersten Berechnungen wäre beim Palast in Yeha ein Bau mit mindestens 19 Stockwerken statisch möglich gewesen. Die BTU spricht deshalb von „Wolkenkratzer-Dimensionen“. Aus den verbleibenden Tragreserven schließen die Autoren zudem, dass ein außergewöhnliches Ereignis den Einsturz verursacht haben muss. Vermutlich sei das der überlieferte Großbrand gewesen.
„Das Projekt zeigt exemplarisch, welchen Erkenntnisgewinn interdisziplinäre Zusammenarbeit bringen kann“, erklärte Drieschner. Für ihn als Statiker sei besonders spannend, dass sich Methoden aus dem modernen Ingenieurbau eins zu eins auf eine 2.800 Jahre alte Konstruktion übertragen lassen.
Die Zusammenarbeit ist Teil eines langfristig angelegten äthiopisch-deutschen Forschungsprojekts zum Fundplatz Yeha. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt. Die vollständige Mitteilung hat die BTU auf ihrer Internetseite veröffentlicht.
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Red. / Presseinformation










