Die dramatisch angestiegene Zahl von Masernerkrankungen in den vergangenen Wochen hat auch innerhalb der Brandenburger Ärzteschaft Diskussionsbedarf ausgelöst, ob es eine gesetzlich festgeschriebene Impfpflicht geben soll oder nicht.
Dr. Hanjo Pohle, Präventionsbeauftragter und Vorstandsmitglied der Landesärztekammer Brandenburg befürwortet die Einführung einer Impfpflicht in Deutschland. „Gesamtgesellschaftliche, gesundheitsfürsorgende Aspekte sollten mehr zählen, als das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Eigenverantwortlichkeit von Eltern, bzw. Schutzbevollmächtigten, die in der Regel nicht über ausreichende, medizinische Kenntnisse verfügen, um einschätzen zu können, ob eine gefährliche Viruserkrankung mit einer Schutzimpfung vermieden werden kann. Die Gefährdung von Menschen mit chronischen Erkrankungen, insbesondere mit Immundefekten, bzw. –mangel, ist durch den geringen Flächenschutz einer niedrigen Durchimpfungsrate in der Bevölkerung eklatant und kann zu schwersten Komplikationen bei diesem gefährdeten Patientenklientel führen. Durch eine Impfpflicht können diese Risiken erheblich reduziert werden.“
Auch der Präsident der Landesärztekammer Brandenburg, Dr. Udo Wolter, sowie der Vizepräsident Prof. Dr. Ulrich Schwantes halten eine Diskussion zur
Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht für notwendig. „In Anbetracht der Häufung einer bei uns nahezu ausgerotteten Infektionskrankheit besteht dringend Handlungsbedarf“ so Dr. Udo Wolter.
Die Landesärztekammer Brandenburg appelliert an die Regierung, sich dieser Thematik anzunehmen und eine schnelle, wirksame Lösung herbeizuführen. „Impfpflicht ist eine politische Entscheidung“ so Prof. Dr. Ulrich Schwantes. „Der aktuelle, gehäufte Ausbruch an Masernerkrankungen sollte auch für (Haus-) Ärzte Anlass sein, den Impfstatus aller Patienten zu überprüfen. Patienten sollten zum nächsten Arztbesuch also unbedingt ihren Impfpass mitbringen“ sagt Prof. Schwantes weiter. Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass Masern zu den meldepflichtigen Erkrankungen gehören.
Dr. Reinhold Schrambke, Impfexperte der Landesärztekammer Brandenburg und Facharzt für Allgemeinmedizin führt fort: „Impfen gehört zu der wichtigsten primären Prävention der spezifischen Prophylaxe in der Medizin. Es hat im 20. Jahrhundert wesentlich zur Erhöhung der Lebenserwartung durch Zurückdrängung gefährlicher Infektionskrankheiten beigetragen, Krankheiten, für die es keine oder nur eine mangelhafte spezifische Therapie gibt. Eine Impfpflicht würde die Situation schlagartig verbessern.“
Quelle: Landesärztekammer Brandenburg




