Die Niederlausitz war über 150 Jahre vom Braunkohlebergbau geprägt. Heute prägt sie ein anderes Bild, nämlich das der größten von Menschenhand geschaffenen Wasserlandschaft Europas. Mit der Eröffnung des schiffbaren Fünf-Seen-Verbunds am 29. Juni 2026 wurden Senftenberger, Geierswalder, Partwitzer, Sedlitzer und Großräschener See erstmals zu einem zusammenhängenden Wasserrevier verbunden. Auf einer nutzbaren Wasserfläche von 5.300 Hektar entstand damit eine rund 50 Kilometer lange, per Boot befahrbare Strecke. Der Wandel verändert nicht nur die Landschaft, sondern auch die touristische Struktur der Region.
Ein Seenverbund als Motor für Wassertourismus
Die Sanierung der einstigen Tagebaue verantwortet die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Seit Anfang der 1990er Jahre flossen nach Angaben des Unternehmens 941 Millionen Euro in die vier jüngsten Seen des Verbunds. Auf demselben Gebiet wurden zuvor rund 925 Millionen Tonnen Kohle abgebaut. Die Gewässer weisen inzwischen ein stabiles, pH-neutrales Milieu auf, was für Bade- und Wassersportnutzung eine Grundvoraussetzung ist.
Wer den Verbund erkunden möchte, kann ein Hausboot mieten und die Kanäle zwischen den Seen selbst befahren. Für die Nutzung motorisierter Boote bis 15 PS gilt in Brandenburg die Charterschein-Regelung, die eine kurze Einweisung durch den Vermieter voraussetzt. Bootsführerscheinfreie Modelle sind ebenfalls verbreitet, was den Zugang für Einsteiger senkt. Eine Durchquerung des gesamten Verbunds dauert je nach Wartezeiten an den Schleusen etwa zweieinhalb Stunden.
Strukturwandel in Zahlen
Die Zahlen zeigen, wie sich der Tourismus in der Region entwickelt hat. Im brandenburgischen Teil des Lausitzer Seenlands stiegen die Übernachtungen von 338.000 im Jahr 2015 auf 700.000 im Jahr 2025. Insgesamt verzeichnete die Region zuletzt 269.000 Gäste und rund 800.000 Übernachtungen. Wichtigster ausländischer Herkunftsmarkt ist Tschechien.
Das Lausitzer Seenland umfasst heute 23 Bergbaufolgeseen mit einer Gesamtwasserfläche von rund 13.600 bis 14.000 Hektar. Zum Vergleich, die Müritz als größter deutscher Binnensee misst rund 11.300 Hektar. Ergänzt wird das Angebot durch etwa 1.900 Kilometer ausgeschilderte Radwege, darunter die 189 Kilometer lange Seenland-Route und Abschnitte des Oder-Neiße-Radwegs.
Hausboote als Bestandteil eines sanften Tourismuskonzepts
Der Bootstourismus fügt sich in ein Konzept, das auf naturverträgliche Nutzung setzt. Motorisierte Boote im Verbund sind überwiegend elektrisch angetrieben oder auf niedrige Leistungsstufen begrenzt, was Emissionen und Lärm reduziert. Schwimmende Ferienhäuser, wie sie am Wohnhafen Scado am Geierswalder See entstanden sind, verteilen Übernachtungsgäste auf das Wasser und entlasten die Ufer.
Für die Kommunen bedeutet das planbare Wertschöpfung. Marinas, Bootsverleiher, Gastronomiebetriebe und Radverleihe profitieren von einer verlängerten Saison, die durch milde Frühjahre und Herbste zunehmend über die klassischen Sommermonate hinausreicht. Die LMBV plant zudem die Anbindung weiterer Seen über neue Kanäle, was das befahrbare Netz mittelfristig erweitern soll.




