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Cottbus Donnerstag, 24 Juni 2021 von Redaktion

Parkplatzprobleme am Cottbuser Bahnhof. Verband kritisiert Stadtverwaltung

Parkplatzprobleme am Cottbuser Bahnhof. Verband kritisiert Stadtverwaltung

Seit dem Umbau am Cottbuser Hauptbahnhof mit Wegfall des östlichen Parkplatzes am Empfangsgebäude, wurden auf der Westseite ein weiterer Parkplatz gebaut sowie am Nordausgang Stellplätze geschaffen. Am Nordausgang fallen aber mit dem Bau des neuen Bahnwerks der Deutschen Bahn ca 150 Parkplätze weg, das Gebiet gehört der Deutschen Bahn. Derzeit gibt es noch keine Lösung für den Wegfall, ein Neubau könnte für Entspannung sorgen, ProTram hatte seit 2015 weitere Vorschläge eingebracht, von denen noch keiner aufgegriffen wurde. Das krtisiert der ökologische Verkehrsclub VCD-Brandenburg, zu dem ProTram als Ortsgruppe gehört.

In einer Mitteilung heißt es: "ProTram hatte das Parkplatzproblem bereits 2015 thematisiert, als der ehemalige Parkplatz östlich des Empfangsgebäudes zugunsten der zentralen Haltestelle aufgegeben werden musste. Der Stadtverwaltung fiel damals zur Lösung des Problems nichts weiter ein als der Neubau des Parkplatzes – hauptsächlich gedacht für Pendler - westlich des Empfangsgebäudes und (später) der zusätzliche Parkplatz am Nordausgang des Tunnels (auf gepachtetem Gelände). Wie man jetzt sieht: Zu kurz gedacht, das Problem ist mit dem Bau des Bahnwerks wieder da! ProTram unterbreitete schon damals Lösungsvorschläge, die aber offensichtlich im Papierkorb landeten." sagt Dieter Schuster, Sprecher der Ortsgruppe. 

Konkret fallen am Nordausgang des Cottbuser Bahnhofs mit dem Bau des neuen Bahnwerks der Deutschen Bahn 150 Stellplätze für Pendler-PKW weg, dann stehen nur noch 24 Kurzzeitparkplätze am Tunnelausgang zur Verfügung, mit einer Maximalparkdauer von zwei Stunden. 

Möglicherweise Parkhaus auf dem Viehmarkt

Von der Stadt heißt es in der Sache: "Die Fläche mit den Interimsparkplätzen am Nordausgang befindet sich nicht im Eigentum der Stadt. Die Fläche ist seit 2016 von der Deutschen Bahn auf unbestimmte Zeit gepachtet. Mit dem Ausbau des Bahnwerkes wird diese Fläche jedoch seitens der DB AG wieder selbst in Anspruch genommen und das Pachtverhältnis aufgelöst werden. Über die Übergangslösungen während der Bauzeit des Bahnwerkes in den einzelnen Teilbereichen sowie eine mögliche gemeinsame Lösung im Endzustand im Bereich der Güterzufuhrstraße befindet sich die Stadt Cottbus im Austausch/Abstimmung mit dem Planungsteam der DB AG."

Im Bau- und Verkehrsausschuss sowie in der Stadtverordnetenversammlung wurde eine mögliche Idee präsentiert, ein Mitarbeiterparkhaus soll am nördlichen Rand des Viehmarktes entstehen. "Inwieweit das auch für Anwohner und andere Nutzer zur Verfügung stehen kann, wird ebenfalls noch geprüft." sagt Jan Gloßmann, Pressesprecher der Stadt Cottbus.

Für ProTram zu kurz gedacht

Ist der Bau zusätzlicher Parkplätze tatsächlich geeignet, das Pendlerproblem zu lösen? "Fakt ist doch, dass Parkplätze PKW-Verkehr anziehen mit all den bekannten Nachteilen: Verstopfte Straßen, Lärm, schlechte Luft. Also, Nein! Andere Lösungen müssen her!" sagt Dieter Schuster von der Kreisgruppe Cottbus des VCD und kritisiert die Stadtverwaltung. "Offensichtlich war (und ist?) die Stadtverwaltung überfordert, wenn es um die Lösung der anstehenden Verkehrsprobleme geht. Nach wie vor setzt sie offensichtlich auf die Nutzung privater PKW mit dem daraus resultierendem Flächenverbrauch, der Lärmbelastung und Luftproblemen. Zukunftsweisend ist das nicht! Wir vom VCD schauen deshalb gespannt auf die anstehende Diskussion zur Gestaltung der Thiemstraße. Ob wohl die Stadtverwaltung inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt hat? Möglicherweise sorgen aber auch das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz und das Brandenburgische Mobilitätsgesetz, das auch durch Initiative des VCD Brandenburg aktuell erarbeitet wird, dafür, dass der PKW-Affinität der Cottbuser Stadtverwaltung ein Ende gesetzt wird."

Seit 2015 fünf Lösungsvorschläge präsentiert

Die Ortsgruppe hat bereits fünf Lösungsvorschläge präsentiert, die bisher noch keine Berücksichtigung fanden:

Lösung 1: Cottbusverkehr plant virtuelle Haltestellen für flexiblen ÖPNV: "Doch wird diese Lösung so schnell wohl nicht kommen, denn sie setzt ein funktionierendes Mobilfunknetz (auch im ländlichen Raum) voraus und ist ohne die Möglichkeit des autonomen Fahrens wegen des erhöhten Personaleinsatzes kostenintensiv." sagt Schuster.

Lösung 2: P+R-Plätze in der Stadtperipherie und Nutzung des öffentlichen Verkehrs, um zum Bahnhof zu gelangen (ein Vorschlag von ProTram aus 2015). "Diese Lösung setzt einen attraktiven Nahverkehr voraus, wie ProTram schon damals ausführte. Leider hier hat sich in den vergangenen sechs Jahren in Cottbus auf diesem Gebiet überhaupt nichts getan. Der ÖPNV ist mangels Vorrangschaltung an Kreuzungen noch genauso langsam wie 2015." so Schuster. Stadtsprecher Gloßmann zu der Idee: "Der ÖPNV (Straßenbahn, Bus) kann über P+R-Parkplätze genutzt werden, der auf dem Verkehrsknoten unmittelbar am Hauptbahnhof (Bahnhofsgebäude) ankommt. Dafür gibt es bspw. an der Straßenbahn-Wendeschleife Madlow einen Umsteigepunkt sowie PP; es existieren auch noch die P+R-Parkplätze u.a. am Nordring/TKC oder in der Lipezker Straße mit nahem Zugang zur Straßenbahn."

Lösung 3: Mit dem Fahrrad oder E-Bike zum Bahnhof (auch ein ProTram-Vorschlag). "Hier muss man der Stadtverwaltung leider erneut massives Versagen bescheinigen. Weder wurden im betrachteten Zeitraum Radwege in größerem Umfang gebaut oder ausgebaut, noch existieren ausreichend Stellplätze am Bahnhof sowie die Möglichkeit, Fahrräder gesichert abzustellen." berichtet Schuster.

Lösung 4: Nutzung des Bahnhofs-Parkplatzes nur für Bahn-Reisende (ebenfalls von ProTram vorgeschlagen). "Es dürfte als sicher gelten, dass mit den heutigen technischen Möglichkeiten die Zufahrt zum Parkplatz nur für Bahnreisende realisierbar ist." schreibt Schuster. An der Westseite des Bahnhofs befinden sich 333 kostenfreie Stellplätze. Diese Stellplätze sind klassische P+R Parkplätze, die für Berufspendler und Bahnreisende vorgesehen sind. "Im alltäglichen Gebrauch gibt es aber auch andere „Nutzer“ z.B. durch Anwohner (angrenzender Bereich = Anwohnerparkzone), Arztbesucher oder Arbeiter aus dem Umfeld des Hauptbahnhofes. Der Parkplatz ist gut ausgelastet." sagt Gloßmann zu der Situation.

Lösung 5: Führung der Tram-Linie 3 über den Bahnhofs-Vorplatz. "Diese Maßnahme würde sicherlich den Parkplatz-Bedarf (in Grenzen) reduzieren." vermutet Schuster. 

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