Mit der Amtseinführung von Professor Jörg Steinbach als Gründungspräsident der BTU Cottbus-Senftenberg, ist der letzte Akt des seit 2012 andauernden Fusionsprozesses abgeschlossen. Heute gaben sich auf dem Zentralcampus Landes-, Bundes- und Stadtpolitik sowie Wirtschaft und Wissenschaft die Klinke in die Hand. Es schien fast so, als wollten die Leute sich versichern, dass es endlich wieder los geht an der einzigen technischen Universität des Landes, die die letzten zwei Jahre verloren hat im Rennen um Studenten und Professoren sowie im Ansehen. Ministerpräsident Woidke ging auf diesen Prozess ein und beschrieb ihn mit „Veränderung bedeutet Verbesserung“. Er versprach, dass das Land in Zukunft alles dafür tun werde, die geschaffenen guten Rahmenbedingungen zu erhalten. „Die BTU soll Antworten auf Zukunftsfragen der Region finden und die Modernisierung der Lausitz vorantreiben. Den Aufbruch wollen wir gemeinsam bewältigen.“ betonte er.
Der künftige Oberbürgermeister der Stadt Cottbus Holger Kelch, lud Steinbach zu einem privaten Stadtrundgang ein, um ihm die Schönheit von Cottbus zu zeigen. Er mahnte aber auch in Richtung Landesregierung die Ansiedlung von Forschungsinstituten nicht aus den Augen zu verlieren, die sich in den letzten Jahren vorrangig im Potsdamer Umfeld wiedergefunden haben. Er sieht die Vernetzung von Stadt und BTU als eines der vorrangigen Ziele und ging dabei konkret auf Ausgründungen aus der Universität sowie die Nutzung des TIP für Unibelange ein.
Landrat des OSL-Kreises Siegurd Heinze hob hervor, dass seine Region für strukturelle Veränderungen immer offen sei und sich nicht verschließen zu wollen. Auch sah er sich veranlasst Frau Kunsts „ausgleichende und moderierende Art“ während des Fusionsprozesses zu loben, was im gut gefüllten Audimax der BTU für Buhrufe sorgte. Hier hätte er durchaus mehr Fingerspitzengefühl walten lassen können, so wie die anderen Redner auch. Alle legten in ihren Reden auf die gemeinsame Kraftanstrengung für die Zukunft der BTU in der Region wert, nur der Landrat betonte nochmals, dass er von Anfang an die Chancen für das Projekt gesehen habe und den Tag der Verkündung der Pläne noch in Erinnerung hat. Ob es bei seiner Zustimmung um die reine Standorterhaltung Senftenbergs ging, ließ er offen.
Auch Wissenschaftsministerin Kunst führte bereits Geschafftes auf, so nannte sie die neuen Gesundheitsstudiengänge und die Zusammenführung der Hochschulverwaltung sowie die zur Verfügung gestellten 90 mio. Euro für die neue Einrichtung in 2014. Sie lobte Gründungsbeauftragten Birger Hendriks für seine ruhige aber werbende Art für die Uni in der schweren Phase der Fusion. Professor Steinbach stellte sie als erfahrenen Präsidenten mit klaren Vorstellungen vor. Ob das nochmal zum Bumerang wird, werden die nächsten Jahre zeigen. Steinbach zeigte sich in seiner Rede zwar mit dem Koalitionsvertrag zufrieden, denn in Brandenburg ist es ab sofort wieder möglich, den Diplomingenieur neben dem Masterabschluss zu verleihen, das kann bisher nur Sachsen wieder, aber er mahnte die eingeschränkte Hochschulautonomie im Land an und bat Woidke und die beiden anwesenden Ministerinnen Kunst und Münch, diese Botschaft an die restliche Landesregierung weiterzutragen. Auch schlüpfte er wieder aus der durch Woidke, Hendriks und Kunst zugewiesenen Rolle als Kapitän schnell wieder heraus und betonte das er das nicht sein möchte. „Ich sehe mich als erster Diener meiner Universität. Die Musik machen die Menschen an der Uni.“ verdeutlichte er.
Die vielfältig geäußerten Erwartungen an ihn, seien Ansporn für seine Leistungen und er vertrete auch nicht die bekannten Ansichten von Altbundeskanzlern zum Thema Visionen sondern hält es eher mit Genscher der sagte: „Besser an eine Utopie glauben und an ihr arbeiten, als gar keine zu haben.“ So sieht er die BTU in zehn Jahren als Trendwendegenerator in der Lausitz mit 12.000 Studierenden. „Ich will alle die wollen dabei mitnehmen, denn jeder trägt seinen Teil dazu bei. Die Menschen hier vor Ort sind das Potenzial der BTU.“ machte er deutlich. Er ging auch noch einmal auf die guten Grundlagen ein, in den letzten Jahrzehnten sind 380 mio. Euro in die drei Standorte geflossen und bieten un vielfältige und topmoderne Möglichkeiten für Studierende und Forschung. Damit leitete er zum Selbstverständnis der Lausitz und Cottbus über indem er einen Stadtführer von 1927 zitierte: „Das schöne Cottbus hat nur ein Problem, die Einwohner sind nicht in der Lage positiv über die eigene Stadt zu reden.“ und machte damit deutlich, dass sowohl die Cottbuser als auch die Mitarbeiter seiner Universität den Kopf heben sollten und selbstbewusster ihre Arbeit und Region vertreten sollten.
Ab dem 17.10. wird es auch einen Präsidentenblog im Intranet der Uni geben, durch den alle mit ihm in Kontakt treten können und er über aktuelle Entwicklungen informieren will. „Wir müssen die jungen Menschen abholen und nicht warten bis sie kommen. Wir haben ein einmaliges Angebot und können Dinge anbieten, die keine andere Uni hat.“ stellte er die Einmaligkeit der Zusammenlegung von Uni und Fachhochschule hervor. Nach seiner Vorstellung soll sich die BTU zum Vorbild einer Reformuniversität in Deutschland entwickeln.
Im Rahmen der Amtseinführung stellte er auch die ausgewählten Präsidialkandidaten vor. Frau Professor Hipp soll seine Stellvertreterin werden, Professor Koziol und Professor Zundel die Präsidialabteilung komplettieren und Kanzler Schröder weiter die Finanzgeschäfte leiten. Alle Kandidaten müssen noch formal bestätigt werden.
Für die musikalische Ummalung sorgte das brandenburgische Streichorchester mit Auftritten zwischen den Reden und als Abschluss. Danach war noch Zeit für ein Zusammenkommen im Foyer und „Präsidentenselfis“, ein Präsident zum Anfassen eben.
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