Die Premiere der Freiheitsoper Fidelio in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus wird am heutigen Samstag, den 28. Juni, eine besondere Aktualität gewinnen. Die Sprecherin der bekanntesten kubanischen Bürgerrechtsbewegung „Damen in Weiß“, Berta Soler, sowie eine weitere Mitstreiterin von ihr, Yaquelin Boni, werden mit den ca. 1.200 Besuchern die Oper genießen. Gleichzeitig werden sie erleben, wie ihre tägliche kubanische Realität in eine Opernfiktion in Europa künstlerisch umgesetzt wird. Die Damen in Weiß („Damas de Blanco“) sind die international bekannteste Bürgerrechtsbewegung Kubas. Seit 2003 setzen sich die Ehefrauen, Schwestern und Mütter politischer Gefangener friedlich für die Freilassung aller politischen Gefangenen auf Kuba ein. Ganz in weiß gekleidet besuchen sie regelmäßig die Sonntagsmessen in zahlreichen Städten Kubas und marschieren danach schweigend durch die Straßen, mit einer Gladiole in der einen und einem Foto eines inhaftierten Angehörigen in der anderen Hand.
Regelmäßig greifen regimenahe Schlägergruppen die Damen in Weiß an und Beamte der kubanischen Staatssicherheit verhaften, drangsalieren und misshandeln sie. Trotz der zunehmenden Gewalt, der sie ausgesetzt sind, weigern sich die Frauen, ihren Kampf für Menschenrechte und Freiheit auf Kuba aufzugeben. Nach Angaben der Partnerorganisation des Menschenrechtszentrums Cottbus, der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), droht einer der bekanntesten Damen in Weiß in einem Prozess am kommenden Montag eine langjährige Haftstrafe. Sonia Garro und ihr Ehemann, der Bürgerrechtler Ramón Alejandro Muñoz Gonzále, werden bereits seit dem 18. März 2012 gefangen gehalten. Die Staatsanwaltschaft fordert für Garro ein Strafmaß von 10 Jahren wegen angeblichen „Angriffs“, „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ und „versuchten Mordes“, Muñoz muss für dieselben Anklagepunkte mit einer Haftstrafe von 14 Jahren rechnen. Nach Angaben der IGFM sind die Vorwürfe konstruiert und dienen nur als Vorwand, unbequeme Menschenrechtler mundtot zu machen.
Es ist umso mehr eine Ehre für das Menschenrechtszentrum Cottbus, dass Berta Soler ihre lang geplante Reise zur Premiere von Fidelio nach Cottbus trotz der aktuellen Ereignisse auf Kuba nicht abgesagt hat. Ihr Besuch in Cottbus ist mit einer Solidaritätsaktion des Menschenrechtszentrums und der IGFM verbunden. Eigens für diese Oper ist ein Anstecker in der Form einer Gladiole – dem Symbol der Damen in Weiß – hergestellt worden. Mit dem Kauf eines Gladiolen-Ansteckers für 5 Euro oder einer Spende unterstützen Besucher die Arbeit der „Damen in Weiß“ und den Kampf um die Menschenrechte auf Kuba. Der Erlös aus dem Kauf eines Gladiolen-Ansteckers fließt zu 100 Prozent den „Damen in Weiß“ zu. Besucherinnen der Fidelioaufführungen werden gebeten, am Abend der Aufführung in Weiß gekleidet zu erscheinen und den Anstecker als Zeichen ihrer Solidarität sichtbar zu tragen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird zu Beginn der Premiere den Erlös aus der Solidaritätsaktion den Vertreterinnen der Damen in Weiß überreichen. Am heutigen Freitag ist Berta Soler von Außenminister Frank-Walter Steinmeier empfangen worden. Am kommenden Donnerstag wird sie vor dem Europäischen Parlament sprechen. Das Europäische Parlament zeichnete die Damen in Weiß bereits im Dezember 2005 für ihren couragierten Einsatz für die Menschenrechte mit dem Sacharow-Preis für Geistige Freiheit aus. Anlass ihrer aktuellen Reise nach Europa ist jedoch der Besuch der Oper Fidelio.