Da purzelten einige Vorurteile, als sich gestern etwa 140 Jugendliche von 12 bis 21 den ganzen Tag im Cottbuser Stadthaus an der ersten Jugendkonferenz und in 13 Workshops beteiligten. Frau Matterna, die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Cottbus, war jedenfalls hoch erfreut über das Engagement der Teilnehmer und kam nicht umhin auch einige alte Bedenken über die Beteiligung junger Menschen am politischen Prozess über Bord zu werfen. „Jetzt ist es wichtig, dass wir diesen Schwung mitnehmen. Wir werden die Ergebnisse im Jugendhilfeausschuss auwerten und in die entsprechenden Fachgremien geben“ verspricht sie im Hinblick auf die entstandene Dynamik der jungen Leute mit vielen Ideen und konkreten Lösungsvorschlägen. „Da müssen wir zusehen dass wir mit schritthalten. Der Aufwand, den wir betrieben haben um das hier zu organisieren hat sich auf alle Fälle gelohnt.“ fasste Drau Matterna den Tag zusammen.
Vorher hatten sich die 13 Workshops im Stadthaus präsentiert. Es ging von Mobilität(hier wurde unter anderem der behindertengerechte Umstieg in der Gelsenkirchener Allee bemängelt), Rechtsextremismus, Freizeit und Kultur (die Workshopteilnehmer regten an, auf der Fläche des 2. Bauabschnitts des Carl-Blechen-Carré Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche zu schaffen und auch den Puschkinpark für Rollstuhlfahrer besser zugänglich zu machen), Wirtschaft und Naturschutz (Die Jugendlichen sprechen sich für einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien aus) bis hin zu Jugendpolitik. Hier wurde konkret die Gründung der „Cottbuser Zukunfts Partei“ verkündet und die Bildung eines Jugendparlaments vorgeschlagen und auch gleich Listen rumgereicht, in die sich interessierte Jugendliche eintragen konnten. Hier zeigte sich die große Dynamik der Konferenz. Der Schritt war eigentlich noch nicht vorgesehen, die Jugendlichen nahmen es als Ergebnis des Workshops aber gleich selbst in die Hand und legten los. Bis zum Ende standen spontan schon über dreißig Namen in der Liste. Frau Hoppe von der ausrichtenden Miteinander GmbH registrierte wohlwollend den Enthusiasmus der Jugendlichen, die sich ausgesprochen differenziert mit den Fragestellungen auseinandersetzten.
„Nicht über uns – mit uns“ dachten sich auch die Teilnehmer des Onlineworkshops und kreierten einen ersten Anlaufpunkt im Netz. „Cotte – junges Cottbus“ heißt die neue Gruppe im bekannten sozialen Netzwerk Facebook, wo sich Jugendliche einbringen sollen und können um jugendliche Belange zu diskutieren und Neuigkeiten auszutauschen.
„Wir haben mit 120 Teilnehmern geplant, heute waren es 142. Das ist wunderbar. Ein Schüler kam heute morgen noch unangemeldet, hatte aber die Bescheinigung seiner Schule mit, bei soviel Einsatz sagen wir natürlich nicht nein.“ berichtet Frau Hoppe. Nicht an allen Schulen lief es so reibungslos. Am niedersorbischen Gymansium mussten die anfragenden Sozialarbeiter direkt an die Klassenlehrer herantreten, da zentral nichts zu machen war, das Leichhardt-Gymnasium meldete einen Tag vorher seine zugesagten Teilnehmer der 11. Klassen ab, da laut Direktor Wegener eine Klausur vorgezogen wurde. „Der Sache müssen wir nachgehen und es auswerten.“ war auch Frau Matterna nicht erfreut über diesen Schritt. Dazu kommt, dass eine Klausur ja lange geplant ist und auch der Termin der Jugendkonferenz lange bekannt war. Herr Wegener ist zusätzlich noch Stadtverordneter in Cottbus und hätte daher eigentlich besonders sensibel für die Thematik sein müssen.
Der Termin kollidierte leider auch mit dem Besuch des Brandenburger Innenministers Ralf Holzschuher in Cottbus und der Tagung des Wahlausschusses für die anstehenden Wahlen. Dadurch präsentierten die Teilnehmer vorrangig vor sich selbst, anstatt vor den Stadtverordneten, von denen nur eine handvoll zur Abschlusspräsentation gegen 16 Uhr anwesend waren.
Die Testwahl meisterten die Teilnehmer übrigens ohne Probleme. 81 gaben ihre Stimme ab. Die SPD gewann die Wahl mit 28,6%, dahinter folgte die Linke mit etwa 20%, Bündni90/Die Grünen kamen auf 12,4% und die FDP auf 6%, Frauenliste 2,5%, SUB 2,5%. Die Ergebnisse der DSU und NPD blieben vernachlässigbar, nur jeweils eine Stimme entfiel auf sie. Die Macher sprachen von einer verantwortungsbewussten Wahl, keiner Protestwahl.
In einem der Workshops entstand auch ein Trailer zur Konferenz. Dieser kann hier angeschaut werden.
Fotos: Benjamin Andriske






