In Cottbus ist am heutigen Montag die „Research and Innovation Factory AI & Microelectronics“ eröffnet worden – eine langfristig angelegte Forschungsstruktur, die Künstliche Intelligenz und Mikroelektronik zusammenbringt. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle startete die Initiative gemeinsam mit Vertretern der beteiligten Institute. Den Anfang macht das erste Modul „AI-DISCO“, das seit Februar läuft und mit 15 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz gefördert wird. Das Geld stammt vom Bundesforschungsministerium, die Federführung liegt beim IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik in Frankfurt (Oder).
Worum es in der Forschung geht
Für das Land ist das Vorhaben ein Baustein des Lausitzer Strukturwandels – und Ministerin Schüle formulierte den Anspruch selbstbewusst: „Was hier aufgebaut wird, ist kein Trostpflaster für eine ehemalige Kohleregion, sondern ein Standort, an dem die Technologien von morgen entwickelt werden – mit europäischem Anspruch.“ Und weiter, mit einem Augenzwinkern: „Wenn Sensoren künftig selbstständig denken können, dann sollte man wissen, wo sie es gelernt haben: in der Lausitz.“
Hinter dem sperrigen Namen steckt eine handfeste Idee: Bislang wird Künstliche Intelligenz meist auf großen, zentralen Rechnern verarbeitet. Das Projekt AI-DISCO erforscht dagegen eine Technik, bei der KI direkt dort rechnet, wo die Daten entstehen – etwa in Sensoren an einer Windkraftanlage, in einer Fabrik oder in einer Klinik. Nur das Wesentliche wird an die Cloud weitergegeben, die das gemeinsame Lernen der einzelnen Knotenpunkte übernimmt. Das macht Systeme schneller, energieeffizienter und unabhängiger von entfernten Rechenzentren.
Besonders setzen die Forscher dabei auf sogenanntes neuromorphes Rechnen – also Chips, die sich am Vorbild des menschlichen Gehirns orientieren. Weil die Sensorknoten oft mit Batterie laufen, ist der sparsame Umgang mit Energie eine zentrale Herausforderung. Erprobt wird die Technik unter anderem in Energiesystemen: Dort soll verteilte Sensorik Störungen an Wind- und Solaranlagen früher erkennen. Weitere Anwendungsfelder sind Industrie, Medizintechnik, Landwirtschaft, die Mobilfunktechnik 6G sowie Smart City und kritische Infrastruktur.
Zwei neue Forschungseinrichtungen für Cottbus
Für den Wissenschaftsstandort Cottbus bedeutet die Initiative konkreten Zuwachs: Mit dem Leibniz-Institut für Neurobiologie und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) kommen zwei renommierte Einrichtungen neu hinzu. Sie erweitern das Netzwerk am Lausitz Science Park und an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), deren Präsidentin Gesine Grande bei der Auftaktveranstaltung sprach.
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Am Verbund beteiligt sind sieben Partner aus Forschung und Industrie: neben dem IHP als Konsortialführer die BTU, das DFKI, das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme, das Leibniz-Institut für Neurobiologie sowie die Unternehmen ABB und ENERTRAG. Weitere Module sollen schrittweise hinzukommen; das erste läuft noch bis Anfang 2030.
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Red.




