An der BTU Cottbus-Senftenberg ist am heutigen Donnerstag das neue Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung (ZESTUR) offiziell gestartet. Rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen dort bis Mitte 2030 untersuchen, wie sich der Strukturwandel in der Lausitz auf Menschen, Arbeitswelt, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Entwicklung der Region auswirkt. Das Bundesforschungsministerium fördert das Zentrum mit rund 18,2 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen. Zum Auftakt kamen rund 60 Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft im Startblock B2 in Cottbus zusammen.
18,2 Millionen Euro für Forschung zum Lausitzer Wandel
Mit einer Kick-off-Veranstaltung am Zentralcampus in Cottbus hat die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg das Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung offiziell eröffnet. Gefördert wird das Forschungszentrum mit rund 18,2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
Nach Angaben der BTU werden rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis Mitte 2030 daran arbeiten, den Wandel der Lausitz aus sozial-, wirtschafts- und planungswissenschaftlicher Perspektive zu untersuchen. Dabei soll es nicht allein um wirtschaftliche Veränderungen infolge des Kohleausstiegs gehen, sondern auch um Auswirkungen auf Biografien, Lebensorte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Zugehörigkeitsgefühl.
BTU-Präsidentin Prof. Gesine Grande sieht darin eine Ergänzung der bisherigen technisch-ingenieurwissenschaftlichen Strukturwandelforschung der Universität. Die Lausitz werde damit besonders eng wissenschaftlich begleitet. Erkenntnisse aus der Region sollen zugleich auch für andere Gebiete nutzbar werden, die vor tiefgreifenden Veränderungen stehen.
Fünf Themenfelder stehen im Mittelpunkt
Sieben Fachgebiete der BTU bündeln ihre Arbeit im ZESTUR in insgesamt fünf Themenclustern. Untersucht werden regionale Innovationssysteme, der Arbeitsmarkt, sozialer Zusammenhalt und Teilhabe, gestaltete Lebenswelten sowie Konflikte im Zusammenhang mit Demokratie und Migration.
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Ein zusätzliches Querschnittsprojekt beschäftigt sich mit regionalen Zukunftsvorstellungen und kollektiven Zugehörigkeiten. Die Entwicklungen in der Lausitz sollen dabei auch mit anderen Transformationsregionen verglichen werden, darunter das Ruhrgebiet und der sogenannte Rust Belt in den USA.
Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle betonte zum Start des Zentrums die gesellschaftliche Dimension des Strukturwandels. Veränderungen würden sich unter anderem auf Arbeit, Lebensperspektiven und das Vertrauen der Menschen in ihre Region auswirken. Gerade die Erfahrungen des wirtschaftlichen Umbruchs nach 1990 spielten dabei in der Lausitz weiterhin eine Rolle.
Forschung gemeinsam mit Menschen und Institutionen der Region
Ein Schwerpunkt des ZESTUR liegt nach Angaben der BTU auf der Zusammenarbeit mit Akteuren vor Ort. Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollen dauerhaft in die Forschung eingebunden werden.
Dafür entsteht unter anderem eine sogenannte ko-kreative Transferplattform. Zum Konzept gehören außerdem der „Lausitzer Transformationsrat“ als Beratungs- und Austauschgremium regionaler Akteure sowie die „Zukunftsschmiede Lausitz“, die sich als offenes Beteiligungsformat an die Zivilgesellschaft richtet. Der Transformationsrat kam im Anschluss an die Auftaktveranstaltung erstmals zusammen.
Der Lausitzbeauftragte des Landes Brandenburg, Dr.-Ing. Klaus Freytag, erklärte, die Zukunft der Region lasse sich nicht allein planen. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und den Menschen vor Ort. Das ZESTUR könne dabei wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen und Anforderungen aus der Lausitz verbinden.
Erkenntnisse sollen über die Lausitz hinausreichen
Die Sprecher des neuen Forschungszentrums, Prof. Dr. Jan Schnellenbach und Prof. Dr.-Ing. Silke Weidner, sehen die Verbindung von wissenschaftlicher Grundlagenarbeit und praktischer Anwendung als einen zentralen Bestandteil des Projekts. „Strukturwandel gelingt nicht am Reißbrett, sondern dort, wo Menschen leben, arbeiten und Zukunft gestalten wollen“, erklärte Weidner. Das Zentrum solle deshalb eine wissenschaftliche Anlaufstelle in der Lausitz sein und gemeinsam mit regionalen Akteuren Wissen entwickeln.
Schnellenbach zufolge geht es nicht darum, die Zukunft der Lausitz vorherzusagen. Vielmehr sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie tiefgreifende wirtschaftliche, gesellschaftliche und räumliche Veränderungen erfolgreich gestaltet werden können. Die Ergebnisse sollen dadurch langfristig auch für andere Transformationsregionen nutzbar sein. Das ZESTUR knüpft nach Angaben der BTU an die Profillinien „Globaler Wandel und Transformation“ sowie „Energiewende und Dekarbonisierung“ der Universität an. Zum offiziellen Auftakt wurde zugleich die neue Internetseite des Forschungszentrums freigeschaltet.
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