Der Lausitzer Energiekonzern LEAG will auch nach dem Kohleausstieg ein bedeutender Kraftwerksbetreiber bleiben und hat sich mit mehreren Projekten an der ersten bundesweiten Ausschreibung für neue, steuerbare Kraftwerke beworben. Ziel des Unternehmens ist es, für seine bisherigen Kraftwerksstandorte – darunter Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe in der Lausitz – Anschlusslösungen zu finden. Bewerbungen gab es auch für den Standort Lippendorf bei Leipzig sowie für Projekte in Mittel- und Süddeutschland. Hintergrund ist das im Juli beschlossene Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitäten-Gesetz (Strom-VKG). Es schafft die rechtliche Grundlage dafür, dass in Deutschland neue, jederzeit steuerbare Kraftwerke – vorrangig auf Erdgasbasis – gebaut werden. Sie sollen als technologisches „Back-up“ dienen, wenn Wind und Sonne nicht genug Strom liefern, und so den Ausstieg aus der Kohle absichern. Die erste Gebotsrunde wurde in der Nacht abgeschlossen, nun bewertet die Bundesnetzagentur die eingereichten Projekte.
„Chancen umfassend nutzen“
Für die LEAG ist der Vorgang von strategischer Bedeutung. „LEAG will auch nach dem Kohleausstieg ein relevanter Kraftwerksbetreiber bleiben – für den langfristigen Erhalt von Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Beschäftigung in Ostdeutschland“, erklärt Vorstandschef Adi Roesch. Der Bau neuer Kraftwerke sei das „notwendige technologische Back-up“, um erneuerbare Energien und Batteriespeicher im geplanten Zukunftskonzept „GigawattFactory“ sinnvoll zu ergänzen. Man habe sich deshalb mit mehreren Projekten und Standorten beworben und nutze „die Chancen des Strom-VKG umfassend“.
Vor der Ausschreibung hatte sich die LEAG gemeinsam mit anderen ostdeutschen Erzeugern für gerechtere Wettbewerbsbedingungen eingesetzt. Konkret ging es um den sogenannten Südbonus – einen Bonus für Kraftwerksprojekte im „netztechnischen Süden“ Deutschlands. Für ein Drittel der ausgeschriebenen Gesamtkapazität wurde dieser Bonus ausgesetzt. Damit solle verhindert werden, dass der Energie- und Industriestandort Ostdeutschland benachteiligt wird.
Entscheidung bis Anfang November
Wie es für die einzelnen Standorte weitergeht, ist noch offen. Bis zum 3. November will die Bundesnetzagentur ihre Bewertung abschließen und die Liste der Projekte veröffentlichen, die einen Zuschlag erhalten haben. Bis dahin macht die LEAG aus Wettbewerbsgründen keine näheren Angaben zu ihren einzelnen Projekten. Erst danach dürfte sich zeigen, ob und an welchen Lausitzer Standorten tatsächlich neue Kraftwerke entstehen können.
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Red.




