Die PISA-Studie 2025 ist an diesem Dienstagmorgen veröffentlicht worden, und die deutschen Ergebnisse sind die schwächsten seit Beginn der Untersuchungen. Wie es um die Region bestellt ist, zeigen zwei weitere Zahlenwerke: der Ländervergleich des IQB für Brandenburg und die Abschlussstatistik für jeden einzelnen Kreis.
486, 465, 464 Punkte
In den Naturwissenschaften, dem diesjährigen Schwerpunkt, erreichen die getesteten Fünfzehnjährigen in Deutschland 486 Punkte; 2022 waren es 492. Im Lesen sind es 465 Punkte nach 480, in Mathematik 464 nach 475. In allen drei Bereichen liegt Deutschland im Bereich des OECD-Durchschnitts, der selbst so niedrig ausfällt wie nie.
Ein Drittel der Jugendlichen verfehlt in Lesen und Mathematik die Mindeststandards, in den Naturwissenschaften ein Viertel. Rund ein Fünftel erreicht in keinem der drei Bereiche die Basiskompetenz. Getestet wurden dafür bundesweit rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen.
Weil 20 bis 30 PISA-Punkte etwa einem Lernjahr entsprechen, ist der Rückgang erheblich. Samuel Greiff, wissenschaftlicher Leiter der Studie in Deutschland, formuliert es so: „Das, was die Jugendlichen heute mit 15 Jahren können, das konnten sie vor zehn Jahren schon mit 13 Jahren.“ Es gehe dabei nicht um anspruchsvolle Aufgaben, sondern um Alltagsfähigkeiten – Informationen aus einer Behördenmail entnehmen etwa oder einfache finanzielle Entscheidungen treffen.
Zwei Bereiche wurden erstmals geprüft
Neu im Programm war die umweltwissenschaftliche Kompetenz. Hier kommt Deutschland auf 481 Punkte und liegt damit im OECD-Durchschnitt (480), über dem EU-Durchschnitt (473) und hinter 14 OECD-Staaten. 28 Prozent der Jugendlichen bleiben unter Kompetenzstufe II – in Österreich und der Schweiz sind es jeweils 22 Prozent.
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Ebenfalls neu: das modellbasierte Problemlösen, also der Umgang mit digitalen Modellen und Daten. Deutschland erreicht 498 Punkte, der OECD-Durchschnitt liegt bei 500, der EU-Durchschnitt bei 492. 20 der 38 OECD-Staaten schneiden besser ab, darunter Estland mit 541, Kanada mit 525 und die Schweiz mit 520 Punkten. Bemerkenswert ist der Vergleich mit den eigenen Kernfächern: Das Ergebnis fällt etwas schwächer aus, als es nach den Leistungen in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik zu erwarten wäre.
Der Befund, der auch hier zählt: das Elternhaus
In kaum einem anderen Land hängt der Bildungserfolg so stark vom Elternhaus ab wie in Deutschland. PISA misst das nicht am Einkommen, sondern an Beruf und Bildungsabschluss der Eltern und an der Ausstattung des Zuhauses – die Zahl der Bücher im Haushalt gehört ausdrücklich dazu. Von den Jugendlichen aus Familien am unteren Ende dieser Skala schaffen es nur zwei Prozent in die leistungsstarke Gruppe. Aus Familien am oberen Ende sind es rund 25 Prozent.
Länder wie Kanada oder Norwegen zeigen laut Greiff, dass hohe Leistungen und mehr Bildungsgerechtigkeit zusammengehen können. Als wichtigsten Hebel nennt er frühere Förderung, vor allem Sprachförderung schon im Kita-Alter.
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Wo die Abstände am größten sind
29 Prozent der in Deutschland getesteten Jugendlichen haben einen Zuwanderungshintergrund, sind also selbst im Ausland geboren oder haben zwei im Ausland geborene Eltern. Im OECD-Durchschnitt sind es 14 Prozent, in Kanada und der Schweiz jeweils rund 38 Prozent.
Die Kompetenzabstände fallen in Deutschland groß aus. Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund erreichen in den Naturwissenschaften im Schnitt 521 Punkte. Bei der zweiten Generation sind es 463 Punkte, also 57 weniger. Wer selbst zugewandert ist, liegt 98 Punkte darunter, wenn der Zuzug vor dem elften Lebensjahr erfolgte – und 129 Punkte, wenn er später kam.
Zum Vergleich: Im OECD-Durchschnitt betragen dieselben Abstände 35, 49 und 72 Punkte. In Kanada erreicht die zweite Generation mit 528 Punkten sogar zehn Punkte mehr als Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund. Die Größe des Abstands ist also keine feste Größe, sondern hängt davon ab, was ein Schulsystem auffängt.
Mädchen lesen besser, Jungen lösen besser Probleme
In den Naturwissenschaften gibt es zwischen Mädchen (484 Punkte) und Jungen (487) keinen bedeutsamen Unterschied. Im Lesen liegen die Mädchen mit 478 zu 453 Punkten vorn; 35 Prozent der Jungen bleiben dort unter Kompetenzstufe II, bei den Mädchen sind es 27 Prozent. In Mathematik liegen die Jungen mit 469 zu 458 Punkten vorn, im modellbasierten Problemlösen mit 508 zu 486.
Womit die Ergebnisse zusammenhängen
Der nationale Berichtsband geht über die Punktwerte hinaus und untersucht, welche Bedingungen mit den Kompetenzen einhergehen. Ursachen belegt die Studie damit nicht, wohl aber Zusammenhänge.
Weniger Unterricht: 2015 hatten Fünfzehnjährige in Deutschland im Schnitt 4,68 Wochenstunden Naturwissenschaften und lagen damit über dem OECD-Durchschnitt. 2025 sind es 4,07 Stunden – nur noch Durchschnitt. Eine zusätzliche regelmäßige Stunde geht rechnerisch mit sechs Punkten mehr Kompetenz einher.
Betreuungsrelation: Auf eine Lehrkraft kommen in Deutschland 13,3 Schülerinnen und Schüler, im OECD-Schnitt 12,7, im EU-Schnitt 10,7. Unterrichtet eine Lehrkraft vier Schüler weniger, steigt die Kompetenz im Mittel um zwei Punkte.
Versäumter Unterricht: In den zwei Wochen vor dem Test versäumten 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler an nicht-gymnasialen Schularten einzelne Stunden oder ganze Tage unentschuldigt, an Gymnasien 15 Prozent. Wer fehlt, erreicht im Schnitt geringere Werte; international gilt Schulabsentismus als Frühwarnsignal.
Bildschirmzeit in der Freizeit: Je stärker digitale Medien in der Freizeit genutzt werden, desto niedriger fallen die Kompetenzen aus – eine Standardabweichung mehr entspricht 23 Punkten weniger. In der Schule wirkt Digitales umgekehrt: Eine bessere Qualität des Zugangs geht mit vier Punkten mehr einher.
Erwartungen der Eltern: Rechnen Eltern für ihr Kind mit einem Abschluss der Sekundarstufe II, liegt dessen Kompetenz im Schnitt 23 Punkte über der von Kindern, deren Eltern einen Abschluss der Sekundarstufe I erwarten. Bei erwartetem Hochschulabschluss sind es 39 Punkte. Die familiäre Unterstützung insgesamt liegt in Deutschland unter dem OECD- und EU-Durchschnitt – und niedriger als noch 2022.
Brandenburg: In Mathematik verfehlt fast jeder Dritte den Mindeststandard
Einen eigenen Wert für Brandenburg liefert der IQB-Bildungstrend 2024. Er prüft die Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe und wertet – wie PISA – auf Länderebene aus. Danach verfehlten 31,0 Prozent der Brandenburger Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Mathematik den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss. Bundesweit waren es 34,1 Prozent. Den besten Wert erreichte Sachsen mit 20,6 Prozent, den schwächsten Bremen mit 48,7 Prozent.
Den niedrigeren Mindeststandard für den Ersten Schulabschluss verfehlten in Brandenburg 6,9 Prozent, bundesweit 8,8 Prozent.
Brandenburg steht damit besser da als der Bundesdurchschnitt – der Trend zeigt allerdings in dieselbe Richtung wie bei PISA, und zwar steiler. 2012 verfehlten 18,8 Prozent der Brandenburger Neuntklässler den MSA-Mindeststandard in Mathematik, 2018 waren es 24,2 Prozent, 2024 nun 31,0 Prozent. Das ist ein Anstieg um 12,2 Prozentpunkte in zwölf Jahren; im Bundesdurchschnitt waren es 9,0 Punkte.
In der Region: von 5,0 bis 13,5 Prozent ohne Abschluss
Auf Kreisebene zählt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, mit welchem Abschluss junge Menschen die Schule verlassen. Für das Schuljahr 2024/25 verließen 8,0 Prozent aller Brandenburger Abgängerinnen und Abgänger die Schule ohne Hauptschulabschluss. In der Region reicht die Spanne von 5,0 bis 13,5 Prozent:
Oberspreewald-Lausitz liegt damit auf dem zweithöchsten Wert aller 18 Brandenburger Kreise und kreisfreien Städte; nur die Prignitz kommt mit 19,6 Prozent darüber hinaus.
Zwei Einordnungen gehören dazu. Erstens ist ein Teil dieser Abgänger von Förderschulen gekommen, wo der Hauptschulabschluss nicht das Ziel ist. Rechnet man sie heraus, bleiben in Oberspreewald-Lausitz 8,7 Prozent, in Spree-Neiße 7,9 Prozent, in Elbe-Elster 5,5 Prozent, in Cottbus 5,1 Prozent und in Dahme-Spreewald 2,8 Prozent.
Zweitens messen die Zahlenwerke Verschiedenes: PISA und der Bildungstrend prüfen, was Jugendliche können, die Landesstatistik zählt, welchen Abschluss sie am Ende in der Hand halten. Aus dem einen folgt das andere nicht.
Zwei Lichtblicke
Rund drei Viertel der befragten Jugendlichen fühlen sich an ihrer Schule wohl und berichten von einem starken Zugehörigkeitsgefühl. Und bei den digitalen Kompetenzen, in diesem Durchgang erstmals umfassender erhoben, schneiden die deutschen Schülerinnen und Schüler ordentlich ab.

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Red. / Presseinformation
Hinweis: Für diesen Beitrag wurden die Kreisdaten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg die Ländertabellen des IQB-Bildungstrends 2024 und der nationale Berichtsband zu PISA 2025 KI-gestützt ausgewertet. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei NIEDERLAUSITZ aktuell.
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