Österreich statt Lausitz: Vom 11. bis 18. Juli schlägt der FC Energie Cottbus sein Trainingslager in Tirol auf – eine Woche Feinschliff vor dem Zweitliga-Auftakt am 9. August gegen Hannover 96. Mitreisen wird eine Mannschaft, die Claus-Dieter Wollitz noch nicht für fertig hält. Im Videotalk mit Niederlausitz aktuell fordert der Cheftrainer unmissverständlich Nachschub: „Ist egal, auf welchen Positionen, ob im vorderen Bereich, im Mittelfeld oder im Abwehrbereich – wir brauchen Verstärkung. Punkt.“
„Diese Balance haben wir noch nicht“
Drei Testspiele, viele Tore, wechselnde Formationen: Ergebnisse interessieren Wollitz in dieser Phase erklärtermaßen nicht. Inhalte schon. Bei Fousseny Doumbia, dem von Eintracht Frankfurt ausgeliehenen Defensivmann, habe man „ein unfassbar gutes Aufbauspiel“ gesehen. Über Innenverteidiger Ryan Malone sagt er knapp: „Malone haut alles rein.“ Bei Julian Guttau und Christian Kinsombi merke man dagegen, dass sie „eine andere Art des Fußballs gehabt haben“. Neuzugänge seien im Sommer zurückhaltend – mit einer Ausnahme: Leonardo Bittencourt sei „eine absolute Persönlichkeit. Der weiß, was er will, der weiß, wie Fußball funktioniert.“
Wie lange Eingewöhnung dauern kann, illustriert Wollitz mit einem Namen, den in Cottbus derzeit niemand vergisst: „Boziaris hat auch einige Wochen, einige Monate gebraucht, um dieses Selbstverständnis zu bekommen, was er jetzt hat.“ Jannis Boziaris war vor einem Jahr mit 22 Jahren aus der Regionalliga von FC-Astoria Walldorf gekommen – und schoss Energie am letzten Spieltag in Regensburg in die 2. Bundesliga.
Der Anspruch bleibt offensiv. Das Wort, das Wollitz dafür benutzt, liefert er gleich mit einer Warnung: „Spektakel ist ein hochgegriffenes Wort. Ich hoffe, dass das auch jeder richtig einzuordnen versteht.“ Spiele wie das gegen Rot-Weiss Essen werde es nicht jede Woche geben. Und dann der Satz, der die Kaderplanung erklärt: „Dieses Niveau haben wir in der Ausgewogenheit oder in der Balance in der Mannschaft noch nicht.“ Gesucht werden nach seinen Worten keine Namen, sondern Profile: Spieler, die dieses Niveau bereits gespielt haben – oder die Energie entwickeln kann. „Da wird das Feld schon kleiner, viel kleiner.“
Angebote gebe es reichlich. Passen müsse es aber „menschlich wie sportlich“ – und wirtschaftlich. Zum Zeitpunkt des Gesprächs zeichnete sich kein Vollzug ab: „Es sieht nicht danach aus, dass wir heute eine Verpflichtung umsetzen können.“ Viele Profis warteten noch ab, viele Vereine gäben noch nicht frei.

Engelhardt bleibt, Tolga Cigerci geht
Die Verlängerung von Torjäger Erik Engelhardt nennt Wollitz das Positive. Er erinnert daran, dass er zu Saisonbeginn öffentlich gemacht hatte, wie sehr der Stürmer, den sie in der Kabine „Panzer“ nennen, unter Anfeindungen litt: „Er hatte damit zu kämpfen, wie er hier sozial fertiggemacht wird, wie die Familie teilweise angegriffen wird.“ Danach sei er „explodiert“ – 22 Tore aus dem Spiel heraus. „Er ist ein Wohlfühlspieler, und wir sind sicher, dass er auch in der zweiten Liga performen wird.“ Dass der Club die langfristige Bindung ermöglichte, sei auch Absicherung gegen einen ablösefreien Abgang im Folgejahr.
Bei Tolga Cigerci fiel die Rechnung anders aus. Der 34-Jährige, im Winter geholt, verlässt den FCE. „Wir konnten uns nicht einigen. Der Verein hat eine ganz klare Richtlinie, was das Finanzielle betrifft.“ Wollitz betont, der Mittelfeldspieler sei dem Club entgegengekommen – „da habe ich den allerhöchsten Respekt“ –, am Ende habe man aus wirtschaftlichen Gründen nicht zueinandergefunden. Die Grenze zog nicht der Trainer: „Der Präsident hat gesagt, das kann er gegenüber dem Club nicht entscheiden, will er nicht entscheiden, darf er nicht entscheiden.“ Dessen Credo laute: „Was bestellt wird, muss bezahlt werden.“
Wie eng die Spielräume sind, zeigt der Kontrast: Bittencourt werde „komplett unterstützt“, ein Sponsor habe von sich aus beim Präsidenten angerufen. Bei Cigerci habe man schon im Winter nicht die Sponsoren gefunden, „die wir vielleicht gebraucht hätten“. Ähnlich dankbar zeigt sich Wollitz für die feste Verpflichtung von Lucas Copado, den man bereits im Winter zurückholen wollte, sowie für die Bindung von King Manu. Und die Ausgangslage benennt er ohne Beschönigung: „Wir sind Tabellenletzter in allen Bereichen – Fernsehgelder, Etat.“
Trainingslager: Sportpsychologin, Spielerrat, Kapitän
Nach dem Test beim Halleschen FC in Finsterwalde reist Energie ins Trainingslager nach Österreich. Mit dem Bild von früher hat das nach Wollitz‘ Beschreibung wenig zu tun: mehr Individual- und Gruppentaktik, mehr Videoarbeit, mehr Gespräche, bessere Regeneration. Eine Sportpsychologin begleitet die Mannschaft die ersten Tage und führt Einzelgespräche mit Spielern, die das wollen. Ein Spielerrat wird gewählt, den Kapitän bestimmt der Trainer – Überraschungen sind keine zu erwarten: „Ich wüsste nicht, warum man Axel Borgmann die Kapitänsbinde wegnehmen muss.“ Borgmann ist derzeit wegen Schambeinproblemen eingeschränkt, ebenso Tolcay Cigerci.
Wollitz dreht dabei die übliche Richtung um: Nicht nur der Trainer formuliere Erwartungen, auch die Spieler dürften das. „Wie möchten sie begleitet werden? Wie möchten sie angesprochen werden?“ Ein geselliger Abend ist für Samstag geplant, die Neuen müssen singen. Der Anspruch dahinter ist ernst gemeint „Wir können uns von den Zuschauern, von den Fans, von den Mitgliedern keine Einheit wünschen, wenn wir selber keine Einheit sind.“
Der Weg in die Liga
An Testspielen mangelt es nicht: Halle, am Mittwoch im Trainingslager Mladá Boleslav, dazu zweimal 90 Minuten gegen Dynamo Dresden – laut Wollitz ohne Zuschauer – sowie ein Test gegen Werder Bremen. Eine zusätzliche Partie im Trainingslager platzte: Der Gegner, wohl Swansea City, habe abgesagt, „es reicht uns nicht vom Zeitfenster her“. Dramatik sieht er darin keine.
Auf den Ligaautakt – Hannover, Bielefeld, Augsburg, Fürth, Wolfsburg, Karlsruher SC, St. Pauli – schaut Wollitz demonstrativ nüchtern: „Damit habe ich mich noch nie auseinandergesetzt. Es kostet nur Energie, und wir möchten die Energie mit Energie auf den Platz bringen.“ Nach diesen Spielen wisse man, „wo du angekommen bist und was du für ein Repertoire brauchst“. Parallel wird im Stadion umgebaut: Kabinen, Gästekabine, Krafträume, Wechselbänke – alles muss bis zum 9. August fertig sein. Das Zeitfenster nennt Wollitz eng.
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Der restliche Testspiel-Fahrplan des FC Energie Cottbus
11. Juli: Testspiel gegen Hallescher FC, 13:00 Uhr, Einheitssportplatz Finsterwalde
15. Juli: Testspiel gegen Mlada Boleslav, 17:00 Uhr, Steinbergstadion Leogang
25. Juli: XXL-Testspiel gegen SG Dynamo Dresden, 13:00 Uhr, AOK PLUS Walter-Fritzsch-Akademie
1. August: Generalprobe mit Testspiel gegen den SV Werder Bremen, 15:00 Uhr, LEAG Energie Stadion
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