Brandenburg ist im IW-Regionalranking 2026 das Flächenland mit dem höchsten Anteil an Aufsteigerregionen. 14 von 18 Kreisen und kreisfreien Städten haben seit 2016 mindestens 25 Ränge gutgemacht. Das ergibt der Zehnjahresvergleich der IW Consult.
Serie: Das IW-Regionalranking 2026 und die Lausitz
Dieser Beitrag ist Teil 6 unserer 14-teiligen Serie, in der Niederlausitz aktuell das IW-Regionalranking 2026 für die Regionen Südbrandenburgs und der sächsischen Lausitz aufschlüsselt. Niederlausitz aktuell hat dafür Sonderauswertungen bei der IW Consult angefordert, mit Mit-Autorin Dr. Vanessa Hünnemeyer Rücksprache zur Methodik gehalten und die Daten mit eigenen Recherchen verknüpft. Bis zum Abschluss der Serie erscheinen neue Teile montags und donnerstags. Alle Teile sind in unserer Übersicht IW-Regionalranking 2026 versammelt.
77,8 Prozent Gewinner – ein Spitzenwert
Im Langzeitvergleich der Niveaurankings 2016 und 2026 unterscheidet die IW Consult drei Kategorien: Verlierer haben mindestens 25 Ränge verloren, Konstante liegen dazwischen, Gewinner haben mindestens 25 Ränge gewonnen. Brandenburg erreicht in der Kategorie Gewinner einen Anteil von 77,8 Prozent. Kein anderes Flächenland liegt höher. Auch Sachsen-Anhalt (42,9 Prozent), Schleswig-Holstein (40,0 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (30,2 Prozent) bleiben deutlich darunter.
Im selben Vergleich verliert vor allem der Süden. Baden-Württemberg ist mit 61,4 Prozent das Bundesland mit dem höchsten Anteil an Verliererregionen. Nur zwei der 44 baden-württembergischen Regionen zählen zu den Gewinnern. Die IW Consult verweist auf die Automobilkrise, hohe Kosten und Zollkonflikte als belastende Faktoren für die industriegeprägten Länder im Süden.
Wirtschaftliche Bewegung sichtbar im BIP
Auch monetär ist die Verschiebung dokumentiert. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner ist in Brandenburg und Schleswig-Holstein seit 2016 um jeweils rund 40 Prozent gestiegen. In Bayern und Baden-Württemberg betrug der Anstieg jeweils nur etwas mehr als 30 Prozent. Die Studienautoren führen das unter anderem auf den Ausbau erneuerbarer Energien zurück, der in Norddeutschland und vor allem in Brandenburg deutlich an Fahrt aufgenommen habe.
In den Top 100 des Niveaurankings ist Brandenburg mit sechs Regionen vertreten – nach Bayern (58 Regionen) und Baden-Württemberg (19 Regionen) der drittstärkste Wert. 2016 lag Brandenburg in dieser Kategorie noch bei drei Regionen. Damit hat sich der Anteil verdoppelt. Die stärkste brandenburgische Region im Niveauranking 2026 ist der Landkreis Dahme-Spreewald auf Rang 12.
Niveau- und Dynamikranking: Zwei Perspektiven
Das IW-Regionalranking unterscheidet zwei Hauptperspektiven. Das Niveauranking misst den aktuellen Stand einer Region anhand von Kaufkraft und Arbeitslosigkeit. Das Dynamikranking erfasst die Veränderung dieser Kennziffern über einen Zwei-Jahres-Zeitraum. Cottbus belegt im Dynamikranking 2026 Platz 1, im Niveauranking Rang 158. Diese Differenz zeigt: Eine Region kann sich stark verbessern, ohne bereits zur Spitzengruppe zu gehören.
So funktioniert das IW-Ranking
Das IW-Regionalranking untersucht, warum manche Regionen erfolgreicher sind als andere. Berücksichtigt werden 14 Kriterien aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Lebensqualität, die nach einer statistischen Vorab-Analyse Kaufkraft und Arbeitslosigkeit beeinflussen. Die 14 Indikatoren gehen nicht gleichgewichtet in die Berechnung ein. Die Themenbereiche werden unterschiedlich stark berücksichtigt – Lebensqualität mit 49 Prozent, Wirtschaftsstruktur mit 35 Prozent und Arbeitsmarkt mit 16 Prozent.
Indikator im Fokus: Langzeitveränderung im Niveauranking
Der Zehnjahresvergleich 2016–2026 zeigt die anhaltenden Verschiebungen zwischen Bundesländern. Brandenburg führt mit 14 Gewinnerregionen (77,8 Prozent), Baden-Württemberg liegt mit 27 Verlierern (61,4 Prozent) am anderen Ende. Spitzenreiter Cottbus klettert um 161 Ränge.
FAQ zum IW-Regionalranking 2026
Wie unterscheiden sich Niveau- und Dynamikranking?
Das Niveauranking erfasst den aktuellen Stand einer Region anhand von Kaufkraft und Arbeitslosigkeit. Das Dynamikranking misst, wie stark sich diese Werte und die zugrunde liegenden 14 Indikatoren in einem Zwei-Jahres-Zeitraum verändert haben. Eine Region kann im Niveau zurückliegen, aber dennoch eine hohe Dynamik aufweisen.
Warum schneidet Brandenburg im Langzeitvergleich so gut ab?
Die IW Consult nennt mehrere Gründe: viel neue industrielle Wertschöpfung, den massiven Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Effekt der Nähe zu Berlin. Auch finanzielle Mittel aus dem Strukturwandel haben die Entwicklung gestützt.
Welche Brandenburger Region ist im Niveau am stärksten?
Der Landkreis Dahme-Spreewald liegt mit Rang 12 vor allen anderen brandenburgischen Regionen. Es folgen Potsdam-Mittelmark (Rang 37), Teltow-Fläming (Rang 43), Barnim (Rang 53) und die Stadt Potsdam (Rang 58).
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