Mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort Cottbus arbeitet in wissensintensiven Dienstleistungen. Mit 51,5 Prozent liegt die Stadt fast 18 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt und bundesweit auf Rang 17. Das geht aus der Sonderauswertung der IW Consult hervor.
Serie: Das IW-Regionalranking 2026 und die Lausitz
Dieser Beitrag ist Teil 3 unserer 14-teiligen Serie, in der Niederlausitz aktuell das IW-Regionalranking 2026 für die Regionen Südbrandenburgs und der sächsischen Lausitz aufschlüsselt. Niederlausitz aktuell hat dafür Sonderauswertungen bei der IW Consult angefordert, mit Mit-Autorin Dr. Vanessa Hünnemeyer Rücksprache zur Methodik gehalten und die Daten mit eigenen Recherchen verknüpft. Bis zum Abschluss der Serie erscheinen neue Teile montags und donnerstags. Alle Teile sind in unserer Übersicht IW-Regionalranking 2026 versammelt.
51,5 Prozent wissensintensive Dienstleistungen
Im IW-Regionalranking 2026 erreicht Cottbus beim Anteil wissensintensiver Dienstleistungen einen Wert von 51,5 Prozent – im Bundesdurchschnitt sind es 33,6 Prozent. Damit liegt die Stadt im Niveauranking auf Rang 17 von 400 Vergleichsregionen. Wissensintensive Dienstleistungen umfassen nach der NIW-Definition Branchen mit hohem Anteil akademisch qualifizierter Beschäftigter – darunter Forschung und Entwicklung, IT, Unternehmensberatung, Ingenieurwesen sowie Bildung und medizinische Dienste. Spitzenreiter ist die Stadt Bonn mit 68,0 Prozent.
Im Dynamikvergleich 2023 bis 2025 ist der Cottbuser Anteil um 2,1 Prozentpunkte gewachsen – im Bundesschnitt sind es 1,1 Prozentpunkte. Das ergibt Rang 31 im Dynamikvergleich. Parallel dazu hat sich der Anteil hochqualifizierter Beschäftigter erhöht: 21,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort haben einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss – plus 1,7 Prozentpunkte in zwei Jahren. Das entspricht Rang 26 in der Dynamik.
BTU als ein Treiber unter mehreren
Den Beitrag einzelner Institutionen wie der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg zu diesen Werten lässt sich aus der amtlichen Statistik nicht konkret beziffern. Dr. Vanessa Hünnemeyer, Senior Manager bei der IW Consult, ordnet ein: Neben der BTU spielten auch andere Entwicklungen eine Rolle – etwa die Ansiedlung von Bundesinstitutionen, weiterer Forschungseinrichtungen oder ein genereller Strukturwandel mit zunehmender Wissensorientierung wirtschaftlicher Strukturen.
In Cottbus konkret sichtbar wird das durch die Ansiedlung des Kompetenzzentrums Regionalentwicklung beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), durch den im Aufbau befindlichen Lausitz Science Park und durch eine Reihe weiterer Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Die BTU selbst hat sich nach Selbstdarstellung verstärkt auf Wasserstoff, Elektrifizierung und erneuerbare Energien ausgerichtet. Im November 2025 nahm an der Hochschule zudem ein Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung seine Arbeit auf. Parallel wuchs die Zahl der Studierenden an der BTU im Wintersemester 2025/26 erneut, rund 2.000 Studienanfänger nahmen ihr Studium auf.
Cottbus‘ Bürgermeisterin Doreen Mohaupt bestätigt diese Entwicklung im Video-Interview mit Niederlausitz aktuell. Als zweiten zentralen Treiber neben dem Ostsee nennt sie „die beiden Universitäten, das heißt die Universitätsklinik und eben auch die Technische Universität vor Ort und auch das, was die Wirtschaftsstruktur drumherum ausmacht“. Sie ergänzt: „Wir wissen, Fraunhofer, DLR, Helmholtz, Leibniz – all diese haben sich inzwischen hier in Cottbus genau in diesem Zeitraum mit angesiedelt.“
MUL-CT noch nicht im Ranking sichtbar
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) ist nach Angaben der IW Consult bei der aktuellen Auswertung noch nicht maßgeblich in den Indikatoren angekommen. Das Ranking berücksichtigt Arbeitsmarktdaten bis 2025. Nach Aussage der Cottbuser Ansprechpartner der IW Consult befindet sich die MUL-CT noch im Strukturaufbauprozess und in vielen Berufungsverfahren.
Der Aufbau läuft: Im Oktober 2026 startet an der MUL-CT der Modellstudiengang Humanmedizin mit zunächst 36 Studierenden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Aufbau der Forschungskapazitäten mit 1,2 Milliarden Euro aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen. Für Neu-, Um- und Erweiterungsbauten gab das Brandenburger Kabinett im Dezember 2025 zusätzlich 821 Millionen Euro frei.
Im Themenfeld Arbeitsmarkt liegt Cottbus im aktuellen Niveauranking auf Rang 92. Eine deutlich stärkere Wirkung der MUL-CT auf den Anteil hochqualifizierter Beschäftigter und auf die wissensintensiven Dienstleistungen ist nach Einschätzung der IW Consult bei künftigen Erhebungen zu erwarten – etwa in der nächsten Auflage 2028.
So funktioniert das IW-Ranking
Das IW-Regionalranking untersucht, warum manche Regionen erfolgreicher sind als andere. Berücksichtigt werden 14 Kriterien aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Lebensqualität, die nach einer statistischen Vorab-Analyse Kaufkraft und Arbeitslosigkeit beeinflussen. Die 14 Indikatoren gehen nicht gleichgewichtet in die Berechnung ein. Die Themenbereiche werden unterschiedlich stark berücksichtigt – Lebensqualität mit 49 Prozent, Wirtschaftsstruktur mit 35 Prozent und Arbeitsmarkt mit 16 Prozent.
Indikator im Fokus: Wissensintensive Dienstleistungen
Wissensintensive Dienstleistungen sind nach der NIW-Definition Branchen mit hohem Anteil akademisch qualifizierter Beschäftigter – Forschung und Entwicklung, IT-Dienste, Unternehmensberatung, Ingenieurwesen, medizinische und juristische Dienste. Cottbus erreicht im Niveauranking 2026 mit 51,5 Prozent Rang 17 von 400 Regionen, in der Dynamik Rang 31.
FAQ zum IW-Regionalranking 2026
Was sind wissensintensive Dienstleistungen?
Sie umfassen Branchen mit hohem Anteil akademisch qualifizierter Beschäftigter – darunter Forschung und Entwicklung, IT, Unternehmensberatung, Architektur, Ingenieurwesen sowie medizinische und juristische Dienste. Die NIW-Definition ist Grundlage des IW-Indikators.
Wie stark ist der Beitrag der BTU?
Eine konkrete Bezifferung des BTU-Anteils am Cottbuser Wert ist nach Angaben der IW Consult aus der Statistik nicht möglich. Neben der BTU wirken Bundesinstitutionen wie das BBSR, weitere Forschungseinrichtungen und der generelle Strukturwandel mit zunehmender Wissensorientierung.
Wann zeigt sich die Wirkung der MUL-CT?
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem ist im aktuellen Ranking noch nicht maßgeblich sichtbar, da sie sich nach Angaben aus Cottbus im Strukturaufbau und in vielen Berufungsverfahren befindet. Berücksichtigte Arbeitsmarktdaten reichen bis 2025. Eine deutliche Wirkung ist nach Einschätzung der IW Consult bei der nächsten Erhebung 2028 zu erwarten.
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Quellen: Ewald/Hünnemeyer/Kempermann (2026): Zwischen Krisen und Chancen. Ergebnisse des IW-Regionalrankings 2026. IW-Report 23/2026, Köln. Sonderauswertung für Cottbus, Kreisfreie Stadt. Eigene Berichterstattung Niederlausitz aktuell zur BTU Cottbus-Senftenberg und zur Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem 2024–2026.
Red. / Presseinformation







