Mit der Beteiligungsaktion „Sprühen statt Schweigen – was uns bewegt, was uns fehlt“ hat das SOS-Kinderdorf Lausitz auf der Pirateninsel Rabauki in Cottbus-Sachsendorf Familien, Kindern und Anwohnern eine sichtbare Stimme gegeben. Auf großen Planen konnten sie ihre Wünsche, Sorgen und Ideen für den Stadtteil per Graffiti festhalten. Hintergrund sind Veränderungen in der Familienbildung sowie die Zusammenlegung von Angeboten des SOS-Kinderdorfes. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Bedeutung Orte wie der betreute Spielplatz Rabauki für Familien im Alltag haben und wie wichtig verlässliche Strukturen in der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit sind. Mehr dazu im Video ->> Hier klicken
Kreative Beteiligung auf der Pirateninsel Rabauki
Der Hintergrund der Aktion sei, Familien mit ihren Anliegen sichtbar zu machen. Lorenz sagte: „Und das Ziel oder der Hintergrund ist eigentlich der, dass wir unseren Familien mit ihren Kindern eine Stimme geben wollen. Eine Stimme für eine gute und wohl durchdachte Finanzpolitik in der Kinder und Jugendhilfe und besonders auch in der Familienarbeit.“ Auf den Planen waren unter anderem Aussagen wie „stärken statt reparieren“, „in Familien investieren“ und „der Spielplatz Rabauki ist unser zweites Zuhause“ zu lesen. Diese Botschaften zeigten nach Angaben von der Einrichtungsleiterin, welche große Bedeutung der Spielplatz für viele Besucherinnen und Besucher habe. Zugleich machten sie Sorgen deutlich, dass wichtige Angebote künftig nicht mehr in der bisherigen Form bestehen könnten.
Veränderungen bei Familienangeboten in Cottbus
Hintergrund sind Veränderungen bei der Familienbildung. Durch Umfinanzierungen in der Stadt haben sich nach Angaben des SOS-Kinderdorfes Personalstellen reduziert. Die bisherigen Angebote „Familientreffpunkt Extra“ und „Rabauki“ wurden zusammengelegt. Dadurch haben sich auch Öffnungszeiten verändert, sodass die Angebote nicht mehr täglich parallel verfügbar sind. Das Familienbildungsteam arbeite nun sowohl im Familientreff Cottbus als auch auf dem Spielplatz Rabauki. Dadurch müssten Angebote zeitweise wechseln. „Und ist der Spielplatz offen, ist der Familientreff geschlossen und ist der Familientreff offen, ist der Spielplatz geschlossen und natürlich brechen Strukturen weg und es darf im Grunde nicht sein, weil wir wissen alle, brechen die erstmal weg, dann sind die verloren“, so Lorenz. Weiter sagte sie: „Die lassen sich nicht mehr so schnell einfangen. Das ist einfach so.“
Viele Familien beteiligen sich an der Aktion
Die Aktion selbst wurde von vielen Familien angenommen. Lorenz sprach von Besucherinnen und Besuchern unterschiedlicher Nationalitäten und Altersgruppen. Während des Tages wurde weiter an den Planen gearbeitet. „Also die Kinder sind mit Freude dabei, auch Jugendliche, aber auch ganz viele Mütter, Väter, das ist wirklich ein kunterbunt schönes Bild, was wir hier erleben.“ Wie wichtig der Spielplatz Rabauki für Familien ist, machten auch Eltern deutlich. Eine Mutter berichtete, sie komme seit 2017 regelmäßig mit ihrem schwerbehinderten Kind dorthin. „Ich komme mit meinem schwerbehinderten Kind hierher, weil es sich hier einfach frei entfalten kann und trotzdem geschützt ist.“ Der geschützte Raum gebe ihrem Kind Sicherheit und ermögliche zugleich Selbstständigkeit. „Er kann eben nicht wegrennen und es kann auch nicht einfach irgendwer irgendwie an ihn ran und man kann ihm hier schön Freiheit beibringen.“ Eine weitere Mutter schilderte, dass ihre Familie seit 2019 den Spielplatz nutzt. Zunächst sei sie mit ihren Nichten und Neffen gekommen, inzwischen mit den eigenen Kindern. Auch sie hob die Sicherheit des eingezäunten Geländes und den Austausch mit anderen Eltern hervor.
Wunsch nach mehr Investitionen und echter Inklusion
Als zentrale Wünsche nannten Familien mehr Investitionen in die Zukunft der Kinder sowie den Erhalt sicherer Orte. Eine Mutter sagte: „Unsere Wünsche sind mehr Geld für die Zukunft der Kinder, weil wenn wir hier anfangen für die Kinder was zu leisten, dann haben sie später auch einen besseren Raum, um sich zu entfalten und auch einen sicheren Schutzraum.“ Besonders hervorgehoben wurde zudem die Bedeutung von Inklusion. „Inklusion wird zwar immer groß geschrieben, ist aber kaum möglich bei vielen Sachen. Und hier kann man Inklusion wirklich live erleben ohne jegliche Vorbehalte. Die Kinder lernen, es ist normal, dass andere Kinder vielleicht besonders sind.“ Der Rabauki-Spielplatz ist für viele Familien nicht nur ein Spielort, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. Eine Mutter berichtete, dass dort Freundschaften entstanden seien: „Ich habe hier Freundinnen gefunden. Vorher wäre das nicht möglich gewesen.“ Der Zusammenhalt habe sich über die Jahre entwickelt. „Das ist eng zusammengewachsen. Das ist ja wie eine riesengroße Familie. Also der Zusammenhalt ist schon wichtig.“
Planen sollen öffentlich sichtbar bleiben
Die entstandenen Planen sollen nach der Aktion öffentlich sichtbar bleiben. Nach Angaben des SOS-Kinderdorfes sollen sie am Zaun des Spielplatzes aufgehängt werden. Auch an der Straße soll eine Plane auf die Aktion aufmerksam machen. Zudem soll am Haupthaus des SOS-Kinderdorfes ein Plakat gezeigt werden. Die Einrichtungsleiterin erklärte dazu: „Also wir wollen, dass das Menschen sehen, dass man uns vielleicht auch anspricht und fragt: „Hey, was steht denn da dahinter? Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen und erklären, wo die Not ist in dieser Stadt.“
„Bitte vergesst unsere Kinder nicht“
Zum Abschluss richtete die Einrichtungsleiterin einen eindringlichen Appell an Öffentlichkeit und Verantwortliche. „Bitte vergesst unsere Kinder nicht, unsere Familien, unsere Jugendlichen. Vergesst sie bitte nicht. Das ist unser ganz wertvolles Gut“, sagte Lorenz. Sie verwies dabei auf eine Fachtagung in Cottbus, bei der Kinder mit seltenen Erden verglichen worden seien. „Und ich glaube, das ist mein Wunsch, dass wir wirklich Kinder wie seltene Erden bedenken und darauf achten.“
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