Die IHK Cottbus rechnet durch den Aufstieg von Energie Cottbus in die 2. Bundesliga mit spürbaren wirtschaftlichen Impulsen für die Region. Eine konkrete monetäre Bewertung liegt nach Angaben der Kammer derzeit nicht vor. Das geht aus einer Antwort der IHK auf Anfrage von Niederlausitz aktuell hervor.
Am 16.05.2026 sicherte sich der FC Energie Cottbus durch ein 1:0 bei Jahn Regensburg den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Mit der Rückkehr in den Profifußball nach zwölf Jahren rücken auch die wirtschaftlichen Erwartungen an die Lausitz in den Fokus. Niederlausitz aktuell hat dazu bei der IHK Cottbus nachgefragt.
So entsteht Wertschöpfung an einem Spieltag
Ein Heimspiel wirkt nach Angaben der IHK Cottbus weit über das Stadion hinaus. Fans reisen aus der Region und aus ganz Deutschland an, nutzen Bahn und Auto, tanken, kaufen ein und besuchen Gastronomiebetriebe. Im LEAG Energie Stadion fließen Ausgaben in Tickets, Fanartikel, Catering sowie Dienstleistungen wie Sicherheit, Technik und Organisation – überwiegend an regionale Anbieter, teilte die Kammer auf Anfrage mit.
Nach dem Spiel blieben viele Besucher in der Stadt, gingen essen, übernachteten und kombinierten den Besuch mit weiteren Aktivitäten in Cottbus und der Umgebung. In der 2. Bundesliga rechnet die IHK mit deutlich höheren Gästefanzahlen, vor allem bei attraktiven Begegnungen und möglichen Derbys. Davon profitieren laut Kammer Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, der Verkehrs- und Mobilitätssektor, Sicherheitsdienste sowie IT- und Mediendienstleister. Im Fall eines Stadionneubaus oder bei der Instandhaltung des LEAG Energie Stadions komme zudem die Baubranche ins Spiel.
Vergleichswerte aus Ulm und Bielefeld
Belastbare Zahlen speziell für Cottbus gibt es laut IHK derzeit nicht. Auf Anfrage von Niederlausitz aktuell verwies die Kammer zur Einordnung auf zwei Vergleichswerte: Der SSV Ulm 1846 als Traditionsverein aus einer ähnlich großen Stadt habe in seiner vergangenen Zweitliga-Saison laut einer Studie der SLC Management eine regionale Wertschöpfung von rund 66 Millionen Euro jährlich erzielt. Dem DSC Arminia Bielefeld werde nach einer vereinsbeauftragten Analyse eine jährliche Wertschöpfung von rund 150 Millionen Euro zugeschrieben.
„Für Cottbus liegen vergleichbare belastbare Zahlen bislang nicht vor, deshalb kann dieses Beispiel nur eine Orientierung für die weitere Bewertung bieten“, teilte die IHK Cottbus auf Anfrage von Niederlausitz aktuell mit. Eine eigene Wertschöpfungsanalyse plant die Kammer derzeit nicht, schließt sie aber auch nicht aus. Geplant seien Gespräche mit der Vereinsspitze und weiteren regionalen Akteuren, um eine mögliche Untersuchung zu prüfen.
McKinsey-Studie als bundesweiter Rahmen
Die im Februar 2025 veröffentlichte McKinsey-Studie „Mehr als nur ein Spiel“ beziffert die Gesamt-Wertschöpfung des deutschen Profifußballs für die Saison 2023/24 auf 14,2 Milliarden Euro. Rund 62.000 Menschen arbeiten demnach direkt oder indirekt rund um die 1. und 2. Bundesliga. Laut Studie sollen 100 Euro, die direkt im Fußball erwirtschaftet werden, weitere rund 200 Euro Wertschöpfung in angrenzenden Branchen wie Logistik, Catering und Bauwesen auslösen.
Image und Strukturwandel als zusätzlicher Faktor
Über die direkten Spieltagseffekte hinaus erwartet die IHK eine größere mediale Sichtbarkeit für Cottbus und das Umland. Davon könnten besonders kleine und mittlere Unternehmen durch Sponsoring, Kooperationen und gemeinsames Marketing profitieren. Auch der Olympia- und Paralympia-Stützpunkt in Cottbus könne von der Strahlkraft des Aufstiegs profitieren, so die Kammer.
Mit Blick auf das Standort-Image ordnete die IHK den FCE auf Anfrage als „emotionalen Anker“ für die Region ein. Für die Strukturwandelregion Lausitz hätten sportliche Erfolge eine Symbolkraft. Spitzensport, neue Ansiedlungen und Investitionen im Rahmen der Strukturwandelförderung zahlten gemeinsam auf ein positives Regionalbild ein. Wichtig sei in dem Zusammenhang, dass sich Fans, Stadt und Region weiterhin als weltoffen und innovativ präsentierten.
Erwartungen an Stadt und Landkreis
Mit Blick auf die von Oberbürgermeister Tobias Schick angekündigte Stadion-Betreibergesellschaft und einen möglichen Neubau erwartet die IHK „Schnelligkeit und Verlässlichkeit“ in den Planungs- und Umsetzungsprozessen. Die Region stehe durch den Strukturwandel und das Net Zero Valley Lausitz im bundesweiten und internationalen Fokus. Ein neues Stadion könne laut Kammer ein weiteres Leuchtturmprojekt im Transformationsprozess werden. Ein diversifiziertes Stadion- und Nutzungskonzept wäre zudem zukunftsweisend im Hinblick auf die öffentliche Daseinsvorsorge.
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Risiken und nächste Schritte
Negative Begleiterscheinungen sieht die IHK kaum. Die Schwachstellen der Lausitzer Infrastruktur seien bekannt und änderten sich durch mehr Fußballfans nicht. Mit zusätzlichen Anforderungen rechnet die Kammer dennoch: höhere Verkehrsbelastungen an Spieltagen, steigende Sicherheitsanforderungen und punktuelle Nutzungskonflikte. Diese Themen sollten frühzeitig gemeinsam mit Stadt, Verein, Polizei und regionaler Wirtschaft adressiert werden, teilte die Kammer auf Anfrage mit.
In einer der kommenden Ausgaben des IHK-Magazins will die Kammer das Thema Sponsoring aufgreifen und den FC Energie dabei als Beispiel einbinden. Damit sollen Vorteile von Sponsoring für regionale Förderer sichtbarer werden.
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