Ein starker Sonnensturm der Klasse G4 sorgt am heutigen Montagabend für ein spektakuläres Naturschauspiel über Südbrandenburg. Polarlichter sind aktuell in Cottbus und im Umland der Lausitz zu beobachten, wie zahlreiche Aufnahmen aus der Region zeigen. Experten geben derweil Entwarnung bezüglich größerer technischer Störungen.
Sonnensturm erreicht die Erde und löst Aurora aus
Was normalerweise nur in Skandinavien oder Island zu sehen ist, zeigt sich heute Abend auch am Himmel über der Lausitz: Polarlichter in intensiven Farben. Auslöser für dieses seltene Phänomen ist ein koronaler Massenauswurf der Sonne, der am Samstag, dem 18. Januar 2026, ins All geschleudert wurde. Nach Angaben der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA handelt es sich dabei um einen X1.9-Flare – eine besonders starke Sonneneruption. Der daraus resultierende Sonnensturm erreichte am heutigen Abend gegen 20:38 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Erde und löste einen geomagnetischen Sturm der Stufe G4 aus.

Diese Klassifizierung bedeutet laut NOAA einen „schweren“ geomagnetischen Sturm. Bei derart starken Störungen des Erdmagnetfeldes dehnt sich das sogenannte Aurora-Oval, also der Bereich, in dem Polarlichter sichtbar sind, deutlich nach Süden aus. Dadurch werden die Lichter auch in mittleren Breiten wie Deutschland sichtbar. Normalerweise benötigt man für Polarlicht-Sichtungen in Südbrandenburg einen Kp-Index von mindestens 7, doch heute Abend wurden diese Werte erreicht und teilweise sogar überschritten.
Polarlichter entstehen durch Kollision von Teilchen
Das faszinierende Leuchten am Nachthimmel entsteht durch einen physikalischen Prozess in der oberen Atmosphäre. Wenn die energiereichen Sonnenpartikel des koronalen Massenauswurfs in die Erdatmosphäre gelangen, treffen sie dort auf Gasmoleküle. Diese Kollisionen regen die Moleküle an, woraufhin sie Licht in verschiedenen Farben abstrahlen. Das klassische Grün entsteht dabei in niedrigeren Höhen, während rötliche Töne in höheren Atmosphärenschichten auftreten. Gerade die rötlichen Farbtöne sind häufig in mittleren Breiten wie der Lausitz zu beobachten, da hier das Licht aus größerer Entfernung am Horizont wahrgenommen wird.
Wichtig ist dabei zu beachten, dass die Polarlichter mit dem bloßen Auge oft weniger intensiv erscheinen als auf Fotos. Kameras können durch längere Belichtungszeiten die Farben deutlich klarer herausarbeiten. Dennoch berichten viele Beobachter von sichtbaren Bewegungen und Farbschimmern am Nordhorizont, die auch ohne technische Hilfsmittel erkennbar sind.
Mögliche Auswirkungen auf Technik und Infrastruktur
Ein Sonnensturm der Kategorie G4 kann grundsätzlich Auswirkungen auf technische Systeme haben. Laut Experten besteht bei derart starken geomagnetischen Stürmen die Gefahr von Problemen bei der Spannungsregelung in Stromnetzen. Außerdem können Satelliten- und Navigationssysteme wie GPS beeinträchtigt werden. Auch der Kurzwellenfunk sowie bestimmte Kommunikationssysteme in der Luftfahrt können zeitweise gestört sein.
Allerdings geben die Meteorologen und Weltraumwetter-Experten für den aktuellen Sturm weitgehend Entwarnung. Stromausfälle sind nach ihrer Einschätzung nicht zu erwarten. Kurzzeitige GPS-Ungenauigkeiten oder Funkstörungen seien zwar möglich, für den normalen Alltag bestehe jedoch keine unmittelbare Gefahr. Die Netzbetreiber überwachen die geomagnetische Aktivität kontinuierlich und haben entsprechende Notfallpläne entwickelt.
Bei vergangenen starken Sonnenstürmen, etwa im Mai 2024, kam es vereinzelt zu messbaren GPS-Störungen bei Schiffen und Flugzeugen. Landwirte in Nordamerika berichteten damals, dass ihre GPS-gesteuerten Traktoren zeitweise ausfielen. Solche Szenarien sind auch beim aktuellen Sturm nicht völlig auszuschließen, gelten aber als unwahrscheinlich für die Region.

Sonnenzyklus 25 begünstigt weitere Sichtungen in der Region
Die aktuelle Polarlicht-Aktivität ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines größeren Musters. Der Sonnenzyklus 25 befindet sich derzeit in seinem Maximum beziehungsweise einem Hochplateau. In solchen Phasen intensiver Sonnenaktivität schleudert die Sonne vermehrt geladene Teilchen ins All, was die Wahrscheinlichkeit für starke geomagnetische Stürme deutlich erhöht. Bereits in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 2026 wurden Polarlichter in mehreren Bundesländern dokumentiert – darunter auch in Brandenburg.
Experten weisen darauf hin, dass 2026 grundsätzlich ein gutes Jahr für Polarlicht-Beobachtungen in Deutschland sein könnte. Die Voraussetzungen dafür sind ein klarer Himmel ohne Bewölkung sowie ein erhöhter geomagnetischer Index. Wer die Lichter fotografieren möchte, sollte einen Standort mit geringer Lichtverschmutzung wählen und die Kamera auf einem Stativ befestigen. Längere Belichtungszeiten von mehreren Sekunden bringen die Farben am besten zur Geltung.
Die beste Beobachtungsrichtung ist der nördliche Horizont, wobei bei starken Stürmen wie heute auch Strukturen über dem gesamten Himmel sichtbar werden können.
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Red./ NOAA / Arbeitskreis Meteore e.V.



















