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Cottbus Donnerstag, 06 Oktober 2016 19:35 |  von Redaktion

Russinnen im Kontext der slawischen Geschichte - in Cottbus

Russinnen im Kontext der slawischen Geschichte - in Cottbus

Es klingt vielleicht merkwürdig, aber die Slawistik-Historiker können sich bis heute über Herkunft und Zeitspanne der historischen Entstehung von Slawen noch nicht einigen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass dazu eine ganze Reihe von Theorien existieren. Die bekanntesten sind hier folgende Migrationstheorien: s.g. „asiatische“, „mitteleuropäische“, „Weichsel-Oder-Theorie“ und „Karpatentheorie“ des russinischen Herrschers Wasil Tarkowitsch (1754-1841), wonach es zu einer Streuung von Slawen nach Europa aus der Karpatenregion kam. Er nahm an, dass als slawische Vorfahren hier Transkarpaten-Russinen gelten könnten, die heute von den europäischen Historikern auf den Status eines kleinen slawischen Volkes herabgewürdigt wurden. Für ukrainische Staatsbeamte und Vertreter der Wissenschaft sind Russinen nicht mehr als „Ukrainer unterhalb der ukrainischen Identität“, wie einst ein höherer Kiewer Beamter erklärte - und das bereits Anfang des 21.Jh., zu Zeiten der unabhängigen Ukraine.

Das historische Geschehen in Mitteleuropa zu Zeiten der Antike deutet darauf hin, dass die slawische Bevölkerung der Transkarpaten eindeutig zu westeuropäischen Werten und Bindungen stand. Diese Region gilt sowohl geopolitisch als auch geographisch als mitteleuropäisches Gebiet. Ihre Ureinwohner – Südkarpaten-Russinen – teilten gemeinsam mit allen Völkern dieser Region ihre komplizierte Geschichte. Im Unterschied zu anderen Völkern Mitteleuropas konnten sie jedoch keinen eigenen Staat bilden. Ihre politische Geschichte war mit der Geschichte von Staatsgebilden eng verbunden, deren Bestandteil ihr Lebensraum war, wie z.B. das sagenumwobene s.g. „Reich des Samo“, Weiß-Kroatien, Großmähren, Königreich Ungarn, Fürstentum Siebenbürgen, Habsburg-Monarchie, Kaiserreich Österreich, Österreichisch-Ungarische Monarchie, Republik Ungarn, Tschechoslowakische Republik, Königreich Ungarn, Sowjetunion. Heute durchlebt die Transkarpaten-Region schwere Zeiten politischer und militärischer Krisen als Bestandteil der Ukraine.

Es klingt fast paradox, aber in kultureller Hinsicht folgten Russinen immer den großen Nationen. Bestimmte historische Etappen waren durch bemerkenswerte kulturelle Durchbrüche gekennzeichnet, wie die Dürer-Zeit in Deutschland – 16.Jh., in Holland – 17.Jh., in Frankreich – 18.Jh. Der Aufschwung der russinischen Kultur vollzieht sich im 18.Jh. in der Blütezeit der legendären Holzkirchenarchitektur sowie in den zwanziger-dreißiger Jahren des 20.Jh., als die berühmte Transkarpaten-Kunstschule gegründet wurde. Und das obwohl Russinen zu keiner Zeit weder einen eigenen Staat zur Förderung eines solchen Aufschwungs noch ein städtisches Kulturzentrum hatten. Umso wertvoller erscheint für uns dieses ausgeprägte kulturelle Gedeihen als Symbol der Geisteskraft des russinischen Volkes.  

Zur Person: Dr. Ph. Dmytro Pop ist an der Universität St. Petersburg als Diplom-Philologe für Slawistik/Bohemistik tättigEr ist Vorsitzender der russinischen Forschungs- u. Bildungsgesellschaft, Autor und Übersetzer zahlreicher Publikationen zur Geschichte, Geographie, Architektur von Transkarpaten sowie Lehr- und Wörterbücher für russisch, russinisch, ukrainisch und tschechisch.

Cottbus, Sielower Str. 37 / Ecke Pestalozzistr. (Villa) 7. Oktober, 15:00 Uhr

Entgelt 4,50 €

Anmeldungen unter 0355 – 79 28 29 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

pm/red

Foto: Tim Reckmann, www.pixelio.de

 

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