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Brandenburg Sonntag, 25 Juni 2017 22:29 |  von (4)

Solo-Selbstständigkeit: Entscheidungsfreiheit versus Mehrarbeit und finanzielles Risiko

Solo-Selbstständigkeit: Entscheidungsfreiheit versus Mehrarbeit und finanzielles Risiko

"Wie sichere ich mich am besten ab? Und werden die Einnahmen in diesem Monat zum Leben reichen?" – diese Fragen hat sich mit Sicherheit schon so mancher Solo-Selbstständige gestellt. Beruflich komplett unabhängig und auf sich selbst gestellt zu sein, hat eben nicht nur Vorteile, sondern bringt auch einige Herausforderungen mit sich. Was den Alleinunternehmern hierzulande am meisten zu schaffen macht, beantwortet eine Umfrage der Gewerkschaft Verdi.

Allein selbstständig: Die Schattenseiten der Freiheit

Ist man als Einzelunternehmer selbstständig, dann hat man keinen Chef und keine Mitarbeiter, auf die man Rücksicht nehmen müsste. Dementsprechend flexibel und unabhängig lassen sich Geschäftsentscheidungen treffen. Das empfinden viele als Vorteil, doch führt es häufig auch zu einer gewissen Überforderung, da der Selbstständige Routineaufgaben nicht abgeben kann und sich in allen wichtigen Geschäftsbereichen (Marketing, Buchführung etc.) zumindest ein bisschen auskennen muss. Insbesondere die korrekte Buchhaltung ist für viele Neuland. Doch als Selbstständiger muss man auch das ordnungsgemäße Ausstellen von Rechnungen regelmäßig selbst übernehmen. Die soziale Absicherung stellt Selbstständige vor viel größere Herausforderungen als beispielsweise die meisten Arbeitnehmer mit Vollzeitstelle. Denn läuft das Unternehmen eher schleppend, trägt der Selbstständige allein das finanzielle Risiko.

Nicht jeder ist erfolgreich: Geringe Einnahmen trotz Mehrarbeit

Die Gewerkschaft Verdi fragte 834 ihrer 30.000 selbstständigen Mitglieder, mit welchen Herausforderungen sie sich regelmäßig konfrontiert fühlen. Rund 45 Prozent von ihnen antworteten, dass es als Solo-Selbstständiger oft schwierig sei, sich gegen "Krankheit, Alter und Arbeitslosigkeit abzusichern". Rund 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer kämpften dagegen mit der Sorge, "regelmäßige und ausreichende Einnahmen zu erzielen". Verdi zufolge verdienen nämlich rund 20 Prozent aller Solo-Selbstständigen monatlich weniger als 1.000 Euro brutto – und das obwohl sie Vollzeit tätig sind. Knapp 32 Prozent müssen sich mit einem Einkommen zwischen 1.000 und 2.000 Euro brutto zufrieden geben.

Mehrgleisig fahren: Viele sind nebenberuflich selbstständig

Vermutlich ist das einer der Gründe, warum rund ein Drittel der Umfrage-Teilnehmer ihre Solo-Selbstständigkeit neben einer Angestelltentätigkeit ausüben. Dadurch entfällt der starke Verdienstdruck bei der Selbstständigkeit. Das lässt mehr Raum für Kreativität, was insbesondere für den hohen Anteil an Künstlern, Journalisten, Textern und Designern unter den Selbstständigen wichtig ist. Wenn das eigene Unternehmen ausreichend Gewinn bringt, kann man immer noch sein Angestelltenverhältnis beenden. Trotz der genannten Schattenseiten einer selbstständigen Tätigkeit gaben die meisten Solo-Selbstständigen in der Umfrage an, sehr zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein. In Deutschland gibt es derzeit rund 2,2 Millionen Alleinunternehmer – fast doppelt so viele wie noch vor 25 Jahren. An der Verdi-Umfrage beteiligten sich Freiberufler aus den Bereichen Journalismus, künstlerische Arbeit, Grafik, Design, Bildung und Beratung, Gesundheit und Pflege, Handel und Transport sowie Übersetzung. 

Bildrechte: Flickr The Office. Larry Tomlinson CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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