Lübbenau/Spreewald Donnerstag, 04 April 2019 von Redaktion

Video: Kahnpostfrau Andrea Bunar stakt wieder durch das Spreewalddorf Lehde

Bei bestem Frühlingswetter und mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ ist Deutschlands einzige Kahnpostfrau Andrea Bunar in ihre „Saison“ gestartet.  Ab sofort bekommen die 65 Familien im Lübbenauer Spreewaldinseldorf Lehde Briefe und Pakete wieder per Kahn zugestellt. Bis Oktober ist Andrea Bunar auf ihrem knallgelben Kahn unterwegs und somit oft auch bei Ausflüglern ein echter Hingucker.

Mehr dazu in den Interviews im Titelvideo.

Die Deutsche Post teilte dazu weiter mit:

Pro Woche liefert sie mehr als 600 Briefe, Einschreiben und Postkarten sowie rund 70 Pakete und Päckchen über die Fließe aus. Viele der 65 Haushalte Lehdes haben keine direkte Anbindung zur Straße.Pakete können bis zu 31,5 Kilogramm wiegen. Egal, ob Rasenmäher, Flachbildschirm, Hollywoodschaukel oder Gartenhecke – Andrea Bunar liefert all dies auch über die Fließe zu ihren Kunden. „Es kommt über die Jahre einiges an Gewicht zusammen. Den Kahn bewege ich auf meiner rund acht Kilometer langen Tour mit reiner Muskelkraft“, sagt die Postzustellerin. Die klimaneutrale und leise Kahn-Zustellung ist im UNESCO Biosphärenreservat Spreewald ideal. Die Deutsche Post spart damit pro Saison rund 350 Kilogramm CO2-Emissionen ein. Andrea Bunar bringt nicht nur die Post, sondern bietet auch den Service einer kleinen Filiale an: Die Kunden können ihr Sendungen mitgeben sowie Brief-, Päckchen- und Paketmarken bei ihr kaufen. Auf der Tour durch Lehde leert die Postbotin außerdem zwei Briefkästen an Ausflugslokalen.

Morgens startet die 48-Jährige ihre Zustelltour in Lübbenau und beliefert ihre Kunden zuerst dort mit dem Auto. Gegen Mittag steigt sie in ihren gelben Kahn um. „Meine Kahntour ist sehr idyllisch. Gerade zum Saisonstart explodiert die Natur, es ist noch ruhig auf den Fließen und das Gezwitscher der Vögel begleitet mich“, berichtet Andrea Bunar. Wenn es windig ist, muss sie besondere Herausforderungen meistern: „Der Aluminiumkahn ist sehr leicht, so dass er bei Windböen abdriftet. Dann brauche ich besonders viel Kraft, um ihn auf Kurs zu halten“, erklärt sie. Muskelkater in den Armen ist in den ersten Wochen nach dem Saisonstart inklusive. „In den Wintermonaten fahre ich mit dem Auto und laufe längere Wege zu Fuß. Manchmal über vereiste Brücken und Treppen. Ich freue mich, dass ich jetzt wieder auf dem Wasser unterwegs bin“, sagt die Postbotin.Andrea Bunar pflegt privat und beruflich die Bräuche der Region: „Bei Festen wie der Fastnacht trage ich die sorbische Tracht. Mit der Kahnzustellung erhält die Deutsche Post die 122-jährige Tradition, die weit über den Spreewald hinaus bekannt ist“, sagt Andrea Bunar. Ende der 1890er Jahre mussten die Bewohner Lehdes ihre Post sonntags beim Kirchgang abholen. Mit der Industrialisierung und der damit verbundenen Landflucht nahm der Postversand zur Kontaktaufnahme mit den Daheimgebliebenen immer mehr zu. Deshalb beschloss die Post 1897, die Sendungen per Kahn direkt zu den Kunden nach Hause zu bringen. Heute ist die Paket- und Briefzustellung der Deutschen Post bis in den entlegensten Winkel an sechs Tagen pro Woche bundesweiter Standard.

red/ (Presseinfo)

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