Niederlausitz Donnerstag, 23 April 2020 von Redaktion

LEAG testet Lavendel-, Nutzhanf- und Pfefferanbau auf ehemaligen Tagebauflächen

LEAG testet Lavendel-, Nutzhanf- und Pfefferanbau auf ehemaligen Tagebauflächen

Mit einer Vielfalt neuer Kulturen erproben die LEAG und regionale Lausitzer Landwirtschaftsbetriebe auf wieder nutzbar gemachten, rekultivierten Tagebauflächen die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. In den vergangenen zwei Wochen haben die Niederschlesische Agrargenossenschaft Reichwalde e.G.  und die ARGE „Rekultivierung“ der Agrargenossenschaften Heinersbrück und Forst sowie der Bauern AG Neißetal auf insgesamt knapp acht Hektar Land am Rande der Tagebaue Reichwalde in Sachsen (3,8 Hektar) und Jänschwalde in Brandenburg (4 Hektar) erstmals drei verschiedene Sorten Nutzhanf ausgesät. Diese eignen sich wie die Sorte Finola gut zur Gewinnung proteinreichen Öls beziehungsweise mit den Pflanzenfasern zur textilen Verarbeitung bis hin zur Nutzung als Dämmstoff.

Lavendel- und Pfefferanbau in Nochten

Ein weiterer Feldversuch auf einer landwirtschaftlichen Rekultivierungsfläche wurde von der Niederschlesischen Agrargenossenschaft am Rande des Tagebaus Nochten in Sachsen eröffnet. Er wird wissenschaftlich durch das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB Finsterwalde e.V. begleitet. Hier werden auf insgesamt 1 Hektar Land Lavendel und Szechuan-Pfeffer (auch Krippelpfeffer genannt) angebaut. Szechuan-Pfeffer, der nicht mit der Pfefferpflanze verwandt ist, sondern zu den Zitruspflanzen zählt, entwickelt kleine kuglige rote Kapselfrüchte, deren zitronig-scharfes Aroma auch in Deutschland und nicht nur in der Gourmet-Gastronomie sehr beliebt ist. Wie gut sich der ursprünglich aus Asien stammende Pfefferstrauch an die Boden- und Klima-Bedingungen in der Lausitz anpassen kann und wie ertragreich seine Kultivierung in dieser Region sein kann, das soll sich im Laufe der kommenden Jahre auf der Anbaufläche bei Nochten herausstellen. Die Pflanzen stammen bereits aus der Anzucht der Baumschule Graeff aus Zeischa und sind somit echter Lausitzer Gewächse.

Ergänzt wird der Feldversuch mit einem Hektar Öl-Leinen. Zwischen den Kulturen sollen zudem Flurgehölze wie die Cornell-Kirsche, die Indianerbanane, die Ölweide und die Esskastanie (Baum des Jahres 2018) angepflanzt werden.

Energiewald für Biomasse-Heizkraftwerk

Der Baum des Jahre 2020, die Robinie, ist seit Jahren Bestandteil der Rekultivierung forstlichen in der Lausitz. Sie steht derweil auf rekultiviertem Kippenareal des Tagebaus Welzow-Süd in Brandenburg im Mittelpunkt. Auf knapp 70 Hektar LEAG-Flächen wächst hier seit 1995 ein Energiewald in Kurzumtrieb und als Alley-Cropping-Fläche heran. Seit Mitte April sind hier die Erntemaschinen unterwegs, um auf Teilen dieser Flächen Robinien, die mindestens im vierten Umtriebsjahr sind, zu ernten und für die Nutzung im Biomasse-Heizkraftwerk zu energiereichen Hackschnitzeln zu verarbeiten. Der Energiewald ist ein Kooperationswerk zwischen LMBV mbH, der Rösch Gruppe, der BTU Cottbus-Senftenberg und der Lausitz Energie Bergbau AG.

„Als Bergbauunternehmen, das durch den Tagebaufortschritt zwangsläufig auch landwirtschaftliche Flächen in Anspruch nehmen muss, sind wir uns der Verantwortung bewusst, den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben einen angemessenen Ausgleich zu schaffen und sie in ihrer Existenzsicherung zu unterstützen“, erklärt Ralf Agricola, Leiter Rekultivierung bei der LEAG. „Dazu gehört auch, dass wir die Landwirtschaftsbetriebe als Partner und Dienstleister in die Rekultivierung der Bergbauflächen nach dem Tagebau einbeziehen und mit ihnen gemeinsam Landwirtschaftsflächen wieder so nutzbar machen und entwickeln, dass sie auskömmliche Erträge erzielen. Das bietet zudem die Chance, auch ganz neue Wege zu gehen, wie wir sie hier mit Hanf- oder Pfefferanbauflächen einschlagen.“ 

pm/red

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