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Niederlausitz Montag, 03 Dezember 2018 von Redaktion

Logistikmeilenstein auf der Schiene: In 11 Tagen durch die Lausitz nach China

Es ist geschafft, mit der Fahrt eines Sonderzuges und einem Festakt in Niesky wurde heute die insbesondere für den europäischen Schienengüterverkehr bedeutungsvolle Verbindung zwischen Deutschland und Osteuropa, Knappenrode–Niesky–Horka feierlich in Betrieb genommen. Die Niederschlesische Eisenbahnmagistrale zwischen Ruhland und Horka ist damit komplett. Nach zehn Jahren Bauzeit geht das letzte Teilstück der elektrifizierten, zweigleisigen Schienenverbindung zwischen West- und Osteuropa mit Anschluss an die Chinesische Seidenstraße in Betrieb. Künftig können Waren in elf Tagen von den Seehäfen in den Niederlanden und in Norddeutschland auf der Schiene durch die Lausitz bis in die Ukraine und weiter nach Asien transportiert werden. Das vollendete Schienenteilstück schafft für die Lausitz neue Perspektiven beim Umladen von Waren von der Straße auf die Schiene und umgekehrt. Gleichzeitig nimmt die ODEG mit dem OE 64 dieStrecke Knappenrode–Horka in Betrieb. Ab dem Fahrplanwechsel am 09.12.2018 benötigen Fahrgäste mit dem Zug weniger als eine Stunde zwischen Hoyerswerda und Görlitz.

„Mit der Fertigstellung der Niederschlesischen Verkehrsmagistrale wurde das größte Schienenverkehrsprojekt dieses Jahrzehnts in der Lausitz vollendet. Es bietet für die ansässigen Transport- und Produktionsunternehmen und für neue Wirtschaftsansiedlungen enorme Chancen. Entlang der neuen Eisenbahnmagistrale haben die ersten Ansiedlungen von Unternehmen, wie beispielsweise die Bremer Lagerlogistik (BLG) in Falkenberg/Elster, bereits stattgefunden. Weitere werden folgen, das ist sicher“, so Jens Krause, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. In den kommenden Jahren werden bis zu 6.000 Züge por Jahr aus und nach Asien erwartet.

Unternehmen, die entlang der Bahnmagistrale ansässig sind, befassen sich aktuell mit der Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene. Eine große Bedeutung hat hierbei das Netzwerkterminal der STR Bertschi am Standort der BASF in Schwarzheide. Ein weiteres Verladeterminal entsteht gerade im sächsischen Kodersdorf. Beide Terminals befinden sich direkt an der neu eröffneten Eisenbahnmagistrale.

Darüber hinaus wird die Niederschlesische Eisenbahnmagistrale eine große überregionale Sogwirkung erzeugen. Züge sollen nicht nur durch die Lausitz rollen, sondern hier logistische Prozesse anstoßen und Wertschöpfung erzeugen. Im besonderen Fokus stehen dabei die Warenströme aus und nach China. Um die Lausitz als eine der führenden Logistikregionen Deutschlands zu entwickeln und in Osteuropa und Asien bekannter zu machen, haben führende Logistiker am Anfang dieses Jahres das „Wirtschaftsverkehrsnetzwerk Lausitz“ gegründet. Erste Aktivitäten dazu sind bereits zwischen den Wirtschaftsförderungen, den Kammern und Verbänden und den Unternehmen abgestimmt.

„Vor dem Hintergrund einer erfolgreichen Strukturentwicklung in der Lausitz müssen wir für unsere Industrie- und Gewerbegebiete entlang der Strecke verstärkt werben und den besonderen Mehrwert durch diese attraktive Schienenverbindung herausstellen“, fordert Jens Krause. „Hier ist ein enges Zusammenspiel aller Akteure wichtig, ebenso wie eine professionelle und dienstleistungsorientierte Außendarstellung der Lausitz.“
 
Mit Fertigstellung der nach 70 Jahren wieder zweigleisigen Strecke wird vor allem der grenzüberschreitende Güterverkehr profitieren, aber auch der Personenverkehr gewinnt an Attraktivität. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember fahren zweistündlich pro Tag wieder Nahverkehrszüge zwischen Hoyerswerda und Görlitz, die einen Großteil der neu- und ausgebauten Strecke nutzen. Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium: „Wir bringen mehr Güter auf die umweltfreundliche Schiene! Diese Strecke trägt dazu bei, unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Dank modernster Technik wird der Schienengüterverkehr wettbewerbsfähiger. Bis zu 740 Meter lange Güterzüge können ohne technische Hindernisse grenzüberschreitend über diese Strecke rollen.“ 

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Weniger als eine Stunde zwischen Görlitz und Hoyerswerda, eine gute Verbindung von Städten und Dörfern und die Chance, wieder beim Fernverkehr mitfahren zu können – dazu kommt, dass der Ausbau im europäischen Güterverkehr die Straße entlastet: Die neue Zugstrecke ist ein wichtiger Meilenstein für die Infrastruktur der Zukunft in der Lausitz, dem weitere folgen müssen.“ Zum Fahrplan der neuen Linie geht es hier.
 
DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hob die europäische Bedeutung der Strecke hervor: „Heute wächst Europa auf der Schiene ein weiteres Stück zusammen. Mit der Inbetriebnahme der Strecke zwischen Knappenrode, Horka und der Grenze zu unseren polnischen Nachbarn erreichen wir einen wichtigen Lückenschluss im europäischen Verkehrskorridor zwischen Nordseehäfen und Wirtschaftszentren in Mittel- und Südosteuropa.“
 
Deutschland und Polen vereinbarten im Rahmen der EU-Osterweiterung den Ausbau der grenzüberschreitenden Schienenverbindungen, um den zunehmenden Güter- und Personenverkehr zwischen Ost- und Westeuropa bewältigen zu können. Dazu gehörte auch das Projekt „Ausbau der Strecke Knappenrode (Hoyerswerda)–Horka“ bis zur deutsch-polnischen Grenze. Die Strecke wurde seit 2010 zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert und wird mit dem neuen, europaweit einheitlichen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet. Das erleichtert den grenzüberschreitenden Güterverkehr. Die Kapazität der Strecke ist für bis zu 170 Züge täglich ausgelegt, insgesamt wurden 33 Bahnübergänge modernisiert, 31 Eisenbahnbrücken sowie vier Straßenbrücken wurden um- oder neugebaut. Fünf elektronische Stellwerke wurden errichtet, 16 Kilometer Lärmschutzwände und passiver Lärmschutz in Form von Schallschutzfenstern verbaut und die Strecke für eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h ausgerüstet. Ebenfalls mit inbegriffen waren umfangreiche Schutz-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Natur und Landschaft, unter anderem Baulogistik überwiegend auf der Schiene, die Verbesserung von Querungsmöglichkeiten für Kleintiere, Monitoring für die Vermeidung von Wildunfällen und Ersatzlebensraum für Fledermäuse. Der Untergrund bei Lohsa wurde durch die LMBV im Rahmen der Altbergbausanierung tragfähig für die Bahnstrecke gemacht. Insgesamt wurden 500 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen (20 Millionen), der EU (95 Millionen) Bund und DB (zusammen 405 Millionen) investiert. 
 
Video: DB Netz AG
 
 

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