Ein Strompreis von 50 Euro je Megawattstunde – diese Zahl nennt ArcelorMittal als Bedingung dafür, dass Stahlproduktion in Deutschland wettbewerbsfähig bleibt. Gesagt hat es der Deutschlandchef des Konzerns Mitte September in Eisenhüttenstadt, beim Besuch der Brandenburger Wirtschaftsministerin.
50 Euro je Megawattstunde als Bedingung
„Ein Strompreis von 50 Euro pro Megawattstunde ‚all-in‘ ist die Voraussetzung dafür, dass Stahlproduktion in Deutschland wettbewerbsfähig bleibt“, sagte Rainer Böse, Deutschlandchef von ArcelorMittal und Vorstandsvorsitzender der Flachstahlwerke in Eisenhüttenstadt und Bremen.
Hohe Energiekosten, Defizite bei der Infrastruktur, unfaire Wettbewerbsbedingungen auf dem Weltmarkt und eine seit Jahren lahmende Konjunktur gefährdeten die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. „Wenn wir industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Brandenburg erhalten wollen, braucht es jetzt konkrete Entscheidungen und keine weiteren Verzögerungen.“
Kritik an den Gütertransporten der Bahn
Neben den Energiekosten sprach Böse die Lage im Schienenverkehr an. Von der Deutschen Bahn erwarte man, dass Rohstoff- und Fertigmaterialtransporte „robust abgearbeitet“ würden. Die fehlende Zuverlässigkeit bei den Gütertransporten sei „nicht hinnehmbar“.
Das trifft einen Standort, der vom Zug abhängt: Das Eisenerz kommt per Bahn ins Werk, der fertige Stahl verlässt es auf demselben Weg.
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Der Umbau der Stahlerzeugung stockt
Deutlich wird das Unternehmen auch bei der Transformation. Es fehle ein schlüssiges Gesamtkonzept dafür, wie das Abschmelzen der kostenlosen Zuteilung von CO₂-Zertifikaten, die Investitionsförderung und eine ausreichende Nachfrage nach emissionsarmem Stahl zusammenwirken sollten.
„Unternehmen benötigen Verlässlichkeit und wirtschaftliche Perspektiven. Die Entwicklung grüner Leitmärkte kommt viel zu langsam voran und bremst Investitionen aus“, so Böse. Gemeint ist der geplante Wechsel weg vom Hochofen, hin zu Direktreduktion und Elektroöfen – ein Umbau, der ohne günstigen Strom nicht funktioniert.
Was die Ministerin dem Stahlwerk zusagt
Martina Klement sicherte Unterstützung zu. „Wer über die Zukunft der Industrie in Brandenburg spricht, kommt an ArcelorMittal Eisenhüttenstadt nicht vorbei“, sagte die Wirtschaftsministerin. Das Werk sei eines der Fundamente des Industriestandorts und ein wesentlicher Teil der Wertschöpfungsketten im Land.
Die Landesregierung setze sich gemeinsam mit dem Unternehmen beim Bund und der EU für niedrigere Strompreise und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen ein, „insbesondere für die energieintensive Industrie“. Das Werk könne sich darauf verlassen, dass man diesen Weg gemeinsam gehe.
Der Strompreis wird nicht in Potsdam gemacht
Eine Gegenzahl zu den 50 Euro nennt die Ministerin nicht – und sie könnte sie auch nicht nennen: Über den Industriestrompreis wird in Berlin und Brüssel entschieden, nicht in Potsdam. Das Land kann werben, nicht festlegen.
Damit steht die Forderung des Unternehmens weiter im Raum. Bundesweit beschäftigt ArcelorMittal rund 9.400 Menschen und stellt etwa acht Millionen Tonnen Rohstahl im Jahr her; Eisenhüttenstadt ist neben Bremen eines von zwei integrierten Flachstahlwerken. Wie sehr der Betrieb am Strom hängt, zeigt sich an jedem Tag, an dem die Anlagen nicht rundlaufen.
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Red. / Presseinformation








