In Schwarzheide steht jetzt das europaweit erste Lager für regenerativen Dimethylether, kurz rDME. Der Flüssiggasversorger Primagas hat die Anlage am 15. September auf dem Gelände der Spedition Talke in Betrieb genommen. Von hier aus sollen zunächst Heizungen in Feldtests beliefert werden.
Zwei Tanks mit je 30 Tonnen auf dem Talke-Gelände
Die Anlage besteht aus zwei oberirdischen Behältern mit je 30 Tonnen Kapazität. Sie sind in einen Sandwall eingefasst und können rDME und Flüssiggas aufnehmen. Nach Angaben von Primagas ist es die erste Lagerstätte dieser Art in Europa.
Das Lager steht auf dem Gelände der Spedition Alfred Talke in Schwarzheide. Der Logistikpartner hat den Aufbau begleitet. Gemeinsam mit seiner Tochter, der Grimmener SpeziTrans & Service GmbH, soll er künftig auch die Kunden beliefern. „Mit rDME entsteht ein neuer Energieträger, für den zunächst auch die passende Logistik geschaffen werden musste“, sagt David Dießner, Standortleiter von Talke in Schwarzheide.
Was rDME ist und wie es in Heizungen getestet wurde
Dimethylether, kurz DME, ist ein farbloses Gas. Es wird schon unter geringem Druck flüssig und lässt sich deshalb ähnlich lagern und transportieren wie Flüssiggas. Das „r“ steht für regenerativ: Das DME stammt nicht aus fossilen Quellen, sondern wird nach Angaben von Primagas aus Biomasse gewonnen. Dabei entsteht zunächst ein Synthesegas, aus dem der Brennstoff hergestellt wird. Künftig sollen auch Biogasanlagen rDME liefern. Eine erste Anlage mit einer Technik der Firma ARCUS Technologie soll laut Primagas zunächst bis zu 30 Tonnen im Jahr erzeugen.
rDME ist Flüssiggas chemisch ähnlich, aber nicht identisch. Vor allem wegen seiner Polarität kann er laut Primagas besondere Anforderungen an Materialien und Bauteile stellen.
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Seit 2023 hat das Unternehmen deshalb mit Partnern drei Flüssiggasheizungen getestet. Erprobt wurden Mischungen mit 20 und 65 Prozent rDME sowie reines rDME. Geprüft wurden unter anderem Regler, Ventile und Leitungen. „Die Tests haben gezeigt, dass rDME in den untersuchten Anlagen ohne nennenswerte Auffälligkeiten eingesetzt werden konnte“, sagt Primagas-Geschäftsführer Maarten Jan Oskam.
Feldtests mit Kunden aus der Region noch in diesem Jahr
Mit dem Lager in Schwarzheide beginnt nach Angaben des Unternehmens die nächste Phase. Die Feldtests bei ausgewählten Kunden sollen nach aktueller Planung noch in diesem Jahr starten. Darunter seien auch Teilnehmer aus der Region, teilte Primagas auf Nachfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell mit. Beliefert werden sie mit speziellen rDME-Tankwagen, die der Projektpartner SpeziTrans entwickelt hat. Danach soll die Versorgung schrittweise ausgebaut werden. Unter dem Namen Futuria DME will Primagas den Energieträger bundesweit anbieten. Einen Preis und einen Termin für den regulären Verkauf nannte das Unternehmen noch nicht.
Die Produktion von rDME ist nach Angaben von Primagas noch im Aufbau. Derzeit stammt der Brennstoff von bestehenden DME-Herstellern, die ihn auf Basis von Biomethanol produzieren. Das Unternehmen begleite mehrere Projekte mit unterschiedlichen Herstellungswegen, sowohl für biogenes als auch für synthetisches Gas.
Warum Primagas sich für Schwarzheide entschieden hat
Für Schwarzheide sprach laut Stefan Schmidt, bei Primagas zuständig für nachhaltige Brennstoffe, vor allem die Zusammenarbeit mit Talke. Das Lager steht auf dem Gelände des Logistikpartners. rDME kann wie Flüssiggas mit dem Tankwagen gefahren werden und braucht keine Leitungen. „So können wir zukünftig auch Haushalte sowie Gewerbe- und Industriebetriebe in Regionen ohne Anschluss an Gas- oder Wärmenetze erreichen“, sagt Schmidt. Potenzial sieht das Unternehmen außerdem bei älteren Gebäuden, die sich nicht ohne Weiteres vollständig elektrifizieren lassen.
Wie viel das Lager gekostet hat, sagt Primagas nicht. Die Summe bewege sich in einer Größenordnung wie bei herkömmlichen Lagerstandorten. Einen großen Teil des Aufwands habe die Entwicklungsarbeit ausgemacht, an der das Projektteam knapp drei Jahre gearbeitet habe. Eigene neue Arbeitsplätze hat Primagas in Schwarzheide nicht geschaffen, bundesweit beschäftigt das Unternehmen rund 250 Menschen. Zu möglichen neuen Stellen bei Talke machte Primagas keine Angaben. Regionale Wertschöpfung erwartet das Unternehmen später vor allem bei Handwerksbetrieben, die Anlagen einbauen, umrüsten und warten. Der Flüssiggasversorger hat seinen Sitz in Krefeld.
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Red. / Presseinformation
























