Krankenhäuser geben Patienten oft modernere Medikamente als der Hausarzt. Doch der verschreibt sie meist nicht weiter. Ein Grund: Nicht immer ist der Wechsel medizinisch sinnvoll.
Rolf M. kommt nach einem Unfall ins Krankenhaus. Dort erhält er ein neues Medikament für eine Krankheit, die er schon länger hat. Zurück aus der Klinik, bittet der 55-Jährige seinen Hausarzt um ein Rezept. Doch der lehnt ab. Das alte Mittel wirke gut und es gebe keinen Grund, es auszutauschen. Herr M. ist verwundert. Ist es nicht sinnvoll umzusteigen, wenn es Alternativen mit moderneren Wirkstoffen gibt?
„Neue Medikamente sind nicht automatisch besser als alte”, sagt Holger Zenk von der Potsdamer Beratungsstelle der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). „Sie müssen einen wirklichen Zusatznutzen haben und das ist nicht grundsätzlich der Fall.” Wichtig ist auch: Wirkt ein verschriebenes Mittel gut, gibt es wenig Gründe zu wechseln. Gerade ältere Medikamente haben sich oft über lange Zeit bewährt und man weiß besser, wie sie wirken. Zudem kann jeder Wechsel belasten – vor allem, wenn man einen anderen Wirkstoff bekommt.
Was kann ich als Patient tun? Bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt bringt man zum Aufnahmegespräch am besten eine Medikamentenliste mit. Darauf sollte genau stehen, was der Patient nimmt und was er eventuell nicht verträgt. „Wird eines der Mittel durch ein neues ersetzt, muss die Klinik mich darüber informieren”, erklärt Berater Zenk. Hier sollten Betroffene nachhaken: Warum ist die Umstellung nötig, was ist der Nutzen und gibt es Risiken? Zenk: „Zurück zuhause würde ich mit meinem Hausarzt entscheiden, ob ich das neue Mittel in Zukunft nehme.”
UPD-Tipp:
Ist ein bestimmtes Medikament besser oder nicht? Informationen dazu gibt es verständlich erklärt unter www.gesundheitsinformation.de/fruehe-nutzenbewertung-von-arzneimitteln.2231.de.html.
Die UPD berät per Gesetz kostenlos, neutral und unabhängig zu allen Gesundheitsfragen – persönlich vor Ort in der Babelsberger Straße 18 in 14473 Potsdam, telefonisch unter 0331. 200 65 60 oder 0331. 201 50 -82/-84, im Internet unter www.patientenberatung.de und am Telefon (gebührenfrei im Festnetz): Deutsch: 0800 0 11 77 22 (Mo bis Fr 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr) Türkisch: 0800 0 11 77 23 (Mo / Mi 10-12 Uhr, 15-17 Uhr) Russisch: 0800 0 11 77 24 (Mo / Mi 10-12 Uhr, 15-17 Uhr) Arzneimittel: 0800 0 11 77 25 (Mo / Di / Do 9-16 Uhr, Mi / Fr 9-13 Uhr)
Quelle: Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)