Ein Weißstorch auf dem Fünfziger? Was nach einer Idee aus dem Spreewald klingt, ist tatsächlich im Rennen: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag zehn Gestaltungsvorschläge für die nächste Euro-Banknotenserie vorgestellt – und eine der beiden Themenwelten setzt ganz auf europäische Vogelarten, den Storch inklusive. Mitreden darf diesmal jeder: Bis zum 21. September läuft eine Online-Umfrage, an der sich alle Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Es ist die erste vollständige Neugestaltung der Euro-Banknoten seit 2002. ->> Hier entlang zur Abstimmung bei der Europäischen Zentralbank
Sechs Vögel, sechs Institutionen
Zur Wahl stehen zwei Themenwelten mit je fünf Entwürfen. Die eine heißt „Europäische Kultur“ und setzt auf prägende Persönlichkeiten – im Gespräch sind unter anderem Maria Callas, Leonardo da Vinci, Ludwig van Beethoven und Marie Curie.
Die zweite Variante trägt den Titel „Flüsse und Vögel“. Jeder Schein dieser Serie zeigt eine andere europäische Vogelart in einer Flusslandschaft, auf der Rückseite erscheinen die wichtigsten EU-Institutionen. Der Mauerläufer steht für das Europäische Parlament, der Eisvogel für die Europäische Kommission, der Bienenfresser für die EZB selbst, der Säbelschnäbler für den Europäischen Rat und den Rat der EU, der Basstölpel für den Europäischen Rechnungshof – und der Weißstorch für den Gerichtshof der Europäischen Union.

Ausgerechnet der Storch
Damit ist ein Vogel im Rennen, der in Südbrandenburg statistisch gut vertreten ist. Der NABU Brandenburg führt Elbe-Elster und Dahme-Spreewald unter den Landkreisen mit den landesweit höchsten Storchendichten. Landesweit wies die jüngste Zählung 1.293 Brutpaare aus. Ein Vergleich verdeutlicht die Dimension: Im benachbarten Berlin waren es im selben Zeitraum drei.
Die Wahl des Motivs trifft zudem auf eine ungewöhnlich gute Ausgangslage. Für die laufende Brutsaison erwartet der NABU bundesweit über 15.000 Weißstorchpaare – der höchste Wert seit Beginn der systematischen Erfassung. Noch in den 1980er-Jahren hatte der Bestand in beiden deutschen Staaten unter der Marke von 3.000 Paaren gelegen. Als Ursachen gelten unter anderem der Verlust von Nahrungsflächen durch intensivere Landwirtschaft, entwässerte Feuchtgebiete und Verluste auf den Zugrouten. Dass sich die Kurve gedreht hat, führt der Verband auf gezielte Schutzarbeit zurück, etwa die Wiedervernässung von Flächen und eine auf den Storch abgestimmte Bewirtschaftung von Grünland.
Für Brandenburg fällt die Bilanz allerdings zwiespältig aus. Bundesweit hat sich der Schwerpunkt der Bestände verlagert: Wo früher der Osten und speziell die Elberegion dominierten, liegen heute Niedersachsen und Baden-Württemberg vorn. Der NABU führt das unter anderem darauf zurück, dass inzwischen rund drei Viertel der deutschen Störche die kürzere Westroute in die Winterquartiere nehmen und dadurch bessere Überlebenschancen haben – vor 30 Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt. Zu den stärksten Storchenländern zählt Brandenburg dennoch weiterhin.
Wie es weitergeht
Die zehn Entwürfe stammen aus einem EU-weiten Wettbewerb mit mehr als 1.200 Bewerbungen. 25 Designerinnen und Designer durften Vorschläge ausarbeiten, eine unabhängige Jury aus 21 Fachleuten wählte daraus die Endauswahl.
„Euro-Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel – sie sind eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas“, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Parallel zur öffentlichen Umfrage befragt ein Meinungsforschungsinstitut eine repräsentative Stichprobe. Die endgültige Entscheidung trifft der EZB-Rat voraussichtlich gegen Jahresende.
Wer auf schnelle Neuerungen im Portemonnaie hofft, braucht Geduld: Das Design wird zunächst weiter ausgearbeitet, getestet und produziert. In Umlauf kommen die Scheine erst in den Jahren danach. Die bisherigen Banknoten behalten ihren Wert und bleiben parallel im Umlauf.
Zur Umfrage geht es über die Internetseite der EZB ->> Hier klicken
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