Elbe Elster Dienstag, 04 Februar 2020 von Redaktion

Elbe-Elster: Vorwürfe gegen Schweinemastbetrieb. Totgeschlagene Ferkel in Kölsa

Animal Rights Watch (ARIWA) hat einen neuen Fall von Tierquälerei, fragwürdigen Haltebedingungen und dem illegalen töten von Ferkeln in einer Schweinezucht im Brandenburger Landkreis Elbe-Elster aufgedeckt. SpiegelTV berichtete gestern Abend davon. Die Aufnahmen wurden während einer nächtlichen Aktion in dem Betrieb in Kölsa gemacht, bei dem auch versteckte Kameras angebracht wurden. Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg unter Ministerin Nonnemacher hat am Abend mitgeteilt, dass das Kreisveterinäramt den Vorwürfen nachgeht. 

Achtung, sowohl das Titelvideo als auch folgende Fotos könnten verstörend auf einige Leser wirken!

Animal Rights Watch veröffentlichte aktuelles Videomaterial aus der Schweinezucht des Unternehmens Hoyaer Ferkelaufzucht GmbH & Co. KG aus Kölsa im Brandenburger Landkreis Elbe-Elster. "Auch hier werden Sauen für die „Ferkelproduktion“ jahrelang in körpergroßen Metallkäfigen und trostlosen Betonbuchten eingesperrt. Ferkel werden brutal umgebracht, weil sich ihre Aufzucht nicht rentiert. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um den gängigen Standard in der Schweinezucht." heißt es von der Tierschutzorganisation.

Circa 3.500 Sauen für die „Ferkelproduktion“ werden laut ARIWA abwechselnd in Kastenständen – in denen die Sauen nahezu bewegungsunfähig fixiert sind –, trostlosen Beton-Gruppenbuchten und körperengen Abferkelgittern eingesperrt.

Das Magazin Spiegel TV hatte Anfang der Woche über die Zustände in dem Betrieb berichtet. In diesem gab er an, dass die Mitarbeiter zu einer anderen Umgang mit den Tieren angewiesen sind.

Tote Sauen im Schweinemastbetrieb in Kölsa; Quelle: ARIWA

Von ARIWA heißt es weiter:

Horror-Zyklus seit sechs Jahren

„Dem Kamerateam fiel im Speziellen eine Sau auf, die diesen Zyklus bereits seit 2014 immer wieder aufs Neue erlebt“, berichtet Sandra Franz. Dies ist eine Ausnahme: Die durchschnittliche „Nutzungsdauer“ von Mutterschweinen in der Tierindustrie liegt bei zwei Jahren. „Diese Sau hat schon 14 Mal ohne Unterbrechung den qualvollen Weg von der Zwangsschwängerung bis zur Wegnahme ihrer Ferkel durchlaufen und überlebt. Aber kann man das wirklich ein Leben nennen?“

Jährlich werden allein in Deutschland fast eine Million Sauen „entsorgt“, zum Beispiel weil sie nicht mehr fruchtbar genug sind. Oft sterben die Sauen auch schon in den Zuchtanlagen. Hier führte eine Blutspur vom Abferkelbereich bis auf den Hof der Anlage. Dort wurden zwei tote Sauen gefunden, eine wahrscheinlich mit einem Gebärmuttervorfall.

Der Bericht von SpiegelTV

Kleine Ferkel werden brutal getötet

Totes angefressenes Ferkel in Kölsa; Quelle: Animal Rights Watch

Auch das systematische Erschlagen von Ferkeln wurde im aktuellen Fall einmal mehr dokumentiert. Wie hier zeigen versteckte Kameras diese brutale Praxis seit 2013 regelmäßig in deutschen Anlagen. Der Grund: Kleinere, schwächere Ferkel benötigen mehr Betreuung, um die ersten Tage zu überleben. Weil sich das aber für die Betreiber nicht rechnet, werden sie aussortiert und an Boden, Wänden oder Kanten totgeschlagen. „Da die meisten Tiere durchaus überlebensfähig wären, ist diese Praxis illegal“, erklärt Sandra Franz, „ganz abgesehen von der ohnehin illegalen Tötungsmethode.“

Ministerin Ursula Nonnemacher sagte als erste Reaktion: „Erneut sind wir mit Bildern von schrecklichen Zuständen in einem Schweinezuchtbetrieb konfrontiert. Ich habe veranlasst, dass die zuständige Veterinärbehörde in Elbe-Elster kontaktiert und um eine Einschätzung zu dem Bericht gebeten wird. Die Kreisveterinärbehörde hat heute Nachmittag daraufhin angekündigt, die Sachlage in dem Betrieb zu prüfen und gegebenenfalls erforderliche Schritte einzuleiten. Unter anderem soll der Betriebsleiter angehört werden.Mir ist wichtig festzuhalten, dass es sich bei der im Bericht gezeigten Tötung von Ferkeln um eine rechtswidrige Praxis handelt, die nicht hinzunehmen ist.“

„Trotz zahlreicher Aufdeckungen über die tierquälerischen Zustände in deutschen Schweinezuchten ändert sich nichts Grundlegendes am Umgang mit den Tieren. Politik und Wirtschaft haben kein Interesse daran, die allgegenwärtige Tierquälerei zu beenden“, sagt Sandra Franz. „Agrarministerin Julia Klöckner bedient mit ihrer Politik allein die Interessen der Landwirtschaftslobby.“ Nach ihrem Willen sollen illegal enge Kastenstände – wie sie auch in der Hoyaer Ferkelaufzucht GmbH & Co. KG gefunden wurden – über eine Neuregelung der Kastenstandhaltung nachträglich legalisiert werden [1]. Der Bundesrat stimmt am 14. Februar über den Verordnungsentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums ab.

„Die Schweinezucht ist nur ein Beispiel für das unermessliche Leid, das Tiere überall in der Tierindustrie durchleben“, betont Sandra Franz: „Würde das Verfassungsziel Tierschutz wirklich ernst genommen, dürfte es diese Branche überhaupt nicht geben – zumal kein Mensch wirklich Tierprodukte braucht.“ ARIWA fordert daher einen Komplettausstieg aus der Tierproduktion und stattdessen die Förderung pflanzlicher Lebensmittel sowie des bio-veganen Landbaus [2]. „Nur so können wir wirklich verhindern, dass Abermillionen Tiere für uns Menschen sinnlos leiden“, resümiert Sandra Franz.

[1] https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2019/113-Neuregelung-Kastenstandhaltung.html

[2] https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/bio-fuer-die-umwelt/pflanzenbau/veganer-oekolandbau/

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