Jamlitz Donnerstag, 14 Mai 2009 von Helmut Fleischhauer

Massengrab jüdischer KZ-Opfer noch nicht entdeckt - Schönbohm: Suche nach Grabstelle der Mordopfer ist für uns noch nicht zu Ende

Nach dem Massengrab von 753 ermordeten jüdischen KZ-Opfern soll noch einmal gesucht werden. "Nach den Erkenntnissen der jüngsten Grabungen kann es für uns noch kein Ende der Suche geben. Sie lassen die Möglichkeit offen, dass die Opfer nicht weit entfernt liegen. Deshalb bleibt es für uns eine politisch-moralische, zutiefst menschliche Verpflichtung, den mutmaßlichen Tatort insgesamt zu überprüfen, um die Grabstelle der Opfer eines schrecklichen Verbrechens der SS möglicherweise doch noch zu finden", sagte Innenminister Jörg Schönbohm am (heutigen) Donnerstag in Potsdam. Zwar hätte man Gebeine und damit das Massengrab bei den jüngsten Suchgrabungen nicht entdeckt, Funde belegten aber, dass sich hier Baracken des ehemaligen KZ-Außenlagers befanden. Nach der jahrelangen ergebnislosen Absuche von etwa 20 anderen so genannten Verdachtsflächen, sei das ein für alle sehr wichtiges Ergebnis. "Wir waren dem gesuchten Grab der Opfer möglicherweise noch nie so nahe", erklärte Schönbohm. Wie er mitteilte, würde jetzt geprüft, wie eine Absuche auf zwei angrenzenden Flächen möglich wird.
In den zurückliegenden drei Wochen war durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) auf einem Grundstück in Jamlitz akribisch nach dem Massengrab der KZ-Opfer gesucht worden. Das etwa 5.000 Quadratmeter große Areal galt zuvor als diesbezügliche Hauptverdachtsfläche.
Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Prof. Dr. Günter Morsch, erklärte: "Auch wenn wir in der Hoffnung enttäuscht wurden, endlich Aufschluss über den Verbleib von 753 KZ-Opfern zu erlangen, ist dies ein nicht zu unterschätzender Erkenntnisgewinn. Derzeit gibt es keine konkreten Hinweise auf weitere Verdachtsflächen. Da die Zeugenaussagen, die auf die vermutete Hauptverdachtsfläche hindeuteten, nicht eindeutig sind, scheint es jedoch sinnvoll, das gesamte Umfeld der beiden Schonungsbaracken zu untersuchen. Erst dann könnten - unabhängig vom Ergebnis - für diesen Bereich alle Vermutungen und Spekulationen beendet werden. Das ist nicht nur im Hinblick auf die Opfer und ihre Angehörigen geboten, sondern dies muss auch dem Interesse der Bewohner vor Ort entsprechen."
Für die erneute Suche sprechen die Ergebnisse der jüngsten Suchgrabungen. Die insgesamt 31 Suchabschnitte auf dem Grundstück haben laut Auskunft von Dr. Joachim Wacker vom BLDAM eine Vielzahl von Funden erbracht, die aus dem früheren KZ-Außenlager stammen. Darunter befand sich unter anderem Inventar der Häftlingsbaracken wie Kochgeschirr, Trinkgläser und Porzellanfragmente des Häftlingsgeschirrs. Die aufgefundenen Teller und Schüsseln gehören zu speziell hergestelltem Kantinenporzellan, das auch in anderen Konzentrationslagern genutzt wurde.
Von besonderer Bedeutung sind Funde, wie hölzerne Konstruktionsreste von Häftlingsbaracken, die erstmals Zeitzeugenberichte zur Struktur des erst im Spätherbst 1944 angelegten Lagerbereiches bestätigen. So konnten im östlichen Grundstücksbereich Reste zweier etwa 35 mal 10 bzw. 12 Meter großer Häftlingsbaracken gefunden werden. Im westlichen Grundstücksbereich wurden Reste zweier Baracken gefunden. Eine von ihnen gehört zu den beiden ehemaligen Schonungsbaracken des Lagers, wo die Opfer erschossen wurden. Die andere muss sich weiter westlich, vermutlich auf dem Nachbargrundstück befinden.
Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann, sagte: "Die Generalstaatsanwaltschaft und das mit den Ermittlungen betraute Landeskriminalamt werden im Zuge der gegen Unbekannt wegen Mordes andauernden Ermittlungen unter Aus¬schöpfung auch der geringsten Ermittlungsansätze ihre Bemühungen um das Auffinden des Massengrabes fortführen. Insoweit ist das Ergebnis der Grabung, mit der die Lage der Baracken verifiziert werden konnte, von großer Bedeutung. Das weitere Vorgehen betreffend die nunmehr in Konsequenz der Grabungsergebnisse als einzige noch in Betracht zu ziehenden Verdachtsfläche wird gegenwärtig geprüft, wobei auch die Stellung eines Antrages auf Erlass eines weiteren Durchsuchungsbeschlusses in Betracht zu ziehen ist."
Die 753 Frauen und Männern waren am 2. Februar 1945 bei einer Mordaktion der SS erschossen wurden. Die kranken, nicht gehfähigen Häftlinge wurden bei der Räumung des Außenlagers Lieberose des KZ Sachsenhausen ermordet. Bei einer zweiten Massenerschießung am 3. Februar 1945 waren 589 weitere KZ-Häftlinge erschossen worden. Ihre Gebeine hatte man in den Jahren 1958 bzw. 1971 bei Bauarbeiten in einer Kiesgrube bei Staakow gefunden.
Quelle: Ministerium des Innern

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