Cottbus Freitag, 08 November 2019 von Anna Rose

FilmFestival Cottbus mittendrin: Vodka und Kunst am Bau

FilmFestival Cottbus mittendrin: Vodka und Kunst am Bau

Am gestrigen Abend des 29. Filmfestivals besuchte ich ein Rahmenprogramm der Veranstaltung und entschied mich für die Galerie Fango. Vodka gab es für mich nicht, aber dafür 16 sehr beeindruckende Fotografien über Kunst am Bau. Martin Maleschka, so der Name des Künstlers, der passender Weise auch noch Architekt ist, hat seine Fotografien parallel zum Filmfestival der Galerie Fango zur Verfügung gestellt.

Die Bilder, die es zu sehen gab, empfand ich im ersten Moment als bedrückend und trist. Nur Betonbauten, wohin man sah. Aber genau das ist es, was Martin Maleschka fasziniert, Beton. Bei näherer Betrachtung sieht man jedoch die Schönheit dieser Bilder, denn es war nicht nur einfach Beton, sondern die Details der Bauwerke wie Reliefs, Mosaik oder auch die Kontraste von Bauformen machten den Anblick perfekt. Alle Bilder wurden ausschließlich im osteuropäischen Raum aufgenommen. Die sozialistische moderne Architektur beeindruckt vor allem durch ihre doch sehr imposante Bauweise und kontrastreiche Anordnung. Ein einfaches Plattenbauhochhaus aus weißem Beton aufgehübscht mit geschwungenen Balkonelementen und im rechten Winkel ein gewöhnliches Hochhaus wie es einfacher in seiner Optik nicht sein könnte. Man steht vor diesem Bild und weiß genau, in welchem dieser beiden Häuser man wohnen möchte. Das Ambiente der Galerie Fango hat die Wirkung der Fotografien nochmal deutlich unterstrichen. Die kleine Galerie mit ihren dunklen Wänden und der Einfachheit ihrer Ausstattung lassen die Bilder erst lebendig werden. Man verweilt bei einem leckeren Getränk und hat so die Möglichkeit bei immer währender Betrachtung der Bilder neue Details zu entdecken.

Allerdings blieb mir noch eine Frage. Was fasziniert einen Menschen an dieser Art der Fotografie? Martin war so gut und hat sie mir beantwortet. Als Architekt ist es klar, es ist die Architektur, aber eben auch trister Beton, das gegenteilige Bunte und der Kontrast, der damit einhergeht. Auch, so sagt er, sind es die verschiedenen Epochen, die teils in einem Foto aufeinanderprallen. Seine Liebste Epoche ist die sozialistische Moderne, sprich 60iger und 70iger Jahre-Architektur in der DDR und im sozialistischen Ausland. Das besondere daran sind die zum Teil neu geplanten und neu gedachten Städte und Architekturen, die mit dem Gedanken, eine neue sozialistische Gesellschaft aufzubauen einherging. Ebenso besonders ist auch die architekturbezogene Kunst. Wer also Lust hat, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie schön sozialistische Architektur sein kann, hat noch bis Jahresende in der Galerie Fango die Chance dazu.

Eure Anna Rose

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