Cottbus Dienstag, 09 Juli 2019 von Redaktion

Rolls-Royce und BTU starten Forschung für neue Ära in der Triebwerkstechnik

Während am Lausitzring die Zukunft der vernetzten und umweltfreundlicheren Automobilität erforscht und entwickelt werden soll (Zur Meldung), steht an der BTU Cottbus-Senftenberg der Take-off für die nächste Ära von Flugzeugtriebwerken an. Am Montagnachmittag haben der Triebwerkshersteller Rolls-Royce und die BTU in Cottbus ihre neuen Forschungspläne für hybrid-elektrische Triebwerke vorgestellt. In einer Erklärung mit dem Land bekannten sich beide Seiten zum Forschungsstandort Cottbus, wo in den nächsten Jahren die Zukunft der Triebwerkstechnik maßgeblich entwickelt werden soll. Wie uns der Geschäftsführer von Rolls-Royce Deutschland, Dr. Dirk Geisinger, sagte, blickt der Konzern auf rund 15 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Universität zurück, die nun noch intensiver fortgeführt wird. In unserem Videointerview sagte er zudem, dass die Luftfahrt bei der Entwicklung von alternativen Antriebstechniken vor einer riesigen Aufgabe steht. Im Fokus steht Batterietechnik im Zusammenspiel mit Gasturbinen. Allerdings müssen dafür Probleme wie das Gewicht und potenzielle Gefahren von elektrischen Leistungssystemen beseitigt sowie neuartige Isolationen entwickelt werden. Seit Jahren betreibt Rolls-Royce den Produktionsstandort in Dahlewitz und greift dabei auf das wissenschaftliche Know-How der Lausitzer Universität zurück. Mit der weiteren Forschungsaktivität hofft Dr. Dirk Geisinger auf eine positive Wirkung für die gesamte Region. Der formelle Start des Programms bedarf noch die entsprechenden behördlichen Genehmigungen. Wenn diese vorliegen, wird die Initiative in den nächsten sechs Jahren vom Land Brandenburg und Rolls-Royce gemeinsam finanziert. Die Uni erhofft sich zudem, junge Menschen damit verstärkt für den Bereich Maschinenbau begeistern zu können, denn die Forschungsarbeit sowie die Ergebnisse sollen nach und nach in den Lehrbetrieb mit einfließen. 

Mehr Infos zu den Forschungsplänen gibt es im Interview mit Dr. Dirk Geisinger im Titelvideo.

 

Rolls Royce teilte zudem mit:

Dr. Dirk Geisinger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rolls-Royce Deutschland, sagte: „Die Entwicklung erstklassiger hybrid-elektrischer Energie- und Antriebssysteme stellt für Rolls-Royce eine große Chance dar, die wir weltweit mit Nachdruck und Konzentration verfolgen. Mit der Übernahme des Siemens eAircraft-Geschäfts investieren wir bereits in Deutschland und Ungarn. Es wäre ein spannender nächster Schritt, Brandenburg mit der BTU und regionalen Partnern in diese Bemühungen einzubeziehen.“
 
Prof. Dr. rer. pol. Christiane Hipp, Präsidentin der BTU, erklärte: „Mit der heutigen Ankündigung wird wieder einmal deutlich, dass sich die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Universität an den drängenden Fragen unserer Zeit orientiert und entsprechend nachgefragt ist.“
 
Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, sagte: „Wir wollen den Strukturwandel in der Lausitz aktiv gestalten. Mit einer der vielversprechendsten Technologien unserer Zeit setzen wir einen Meilenstein in der Entwicklung nicht nur der Lausitz, sondern ganz Brandenburgs. Wir sind froh über das Bekenntnis von Rolls-Royce zu unserer Region, einem Global Player, der industrielles Gewicht mit Weitsicht und Kompetenz verbindet.“
 
Thomas Jarzombek, Bundeskoordinator für Luft und Raumfahrt, kommentierte: „Deutschland hat eine lange Tradition und eine glänzende Zukunft in der Luftfahrt. Neue Flugzeuge mit HybridElektroantrieb fliegen zu lassen, verspricht enorme wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Ich hoffe, dass die heutigen Ambitionen bald Realität werden und neue Arbeitsplätze schaffen.“     
 
Die Initiative wird nach ihrer formellen Genehmigung die Entwicklung neuartiger hybrid-elektrischer Antriebssysteme im Bereich von 400 kW bis 1.000 kW vorantreiben. Die Einzelheiten des Programms werden vor Ende des Jahres 2019 vereinbart. Um die steigende Nachfrage nach Flugreisen zu decken und gleichzeitig die CO2-Emissionsziele zu erreichen, entwickelt Rolls-Royce immer umweltfreundlichere Technologien. Die Elektrifizierung von Antrieben ist dabei nur ein Teil unseres Engagements, den Luftverkehr nachhaltiger zu gestalten. Gleichzeitig wird die Treibstoffeffizienz von Gasturbinen weiter verbessert und die Entwicklung umweltfreundlicher und nachhaltiger Flugkraftstoffe gefördert. Im Juni unterzeichnete Rolls-Royce einen Vertrag über den Erwerb der elektrischen und hybridelektrischen Antriebsaktivitäten von Siemens (eAircraft-Geschäft). Dieser Schritt wird die Umsetzung unserer Elektrifizierungsstrategie beschleunigen und unseren Anspruch stärken, eine führende Rolle in der „dritten Ära“ der Luftfahrt zu spielen. Die Übernahme soll Ende 2019 nach einer Phase der Mitarbeiterkonsultationen abgeschlossen werden.

Auch die BTU sieht großes Zukunftspotenzial. In einer Mitteilung heißt es:

Als Ort der Unterzeichnung ist die BTU Cottbus-Senftenberg bewusst ausgewählt worden. Hier wird in den nächsten Jahren ein wesentlicher Teil der Forschungen zu den neuen Antrieben stattfinden. Das seit über 15 Jahren bestehende Rolls-Royce University Technology Centre (UTC) wird hiermit um einen zukunftsweisenden Bereich erweitert. Das Fachgebiet Flug-Triebwerksdesign von Prof. Dr. Klaus Höschler beschäftigt sich seit 2012 mit Installations- und Integrationsthemen von Flugantrieben, die einen Teil der Untersuchungen einnehmen werden. Zudem bringen weitere BTU-Lehrstühle ihr Know-how mit ein. Hierzu zählen Prof. Dr.-Ing. Georg Möhlenkamp, Leistungselektronik und Antriebssysteme, Prof. Dr.-Ing. Johannes Schiffer, Regelungssysteme und Netzleittechnik, Prof. Dr.-Ing. Markus Bambach, Konstruktion und Fertigung sowie Prof. Dr.-Ing. Dieter Bestle, Technische Mechanik und Fahrzeugdynamik.
 
Für Prof. Höschler ist die Unterzeichnung der Absichtsvereinbarung ein wichtiges Signal für die Flugantriebsforschung an der BTU: „Wir gehen davon aus, dass wir mit der Erweiterung des bestehenden University Technology Centre um diese hochmoderne Forschungsausrichtung verstärkt junge Menschen für den Maschinenbau gewinnen können. Sie werden daran mitwirken können, den ökologischen Fußabdruck des Fliegens weiter deutlich zu verringern.“

red/Presseinfo

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