Sigrid Karche-Ganzert ist Sozialarbeiterin am Carl-Thiem-Klinikum und singt im Sinfonischen Chor der Singakademie des Staatstheaters Cottbus
Seit 1966 ist Sigrid Karche-Ganzert im Cottbuser Krankenhaus, heute Carl-Thiem-Klinikum, beschäftigt. Als junges Mädchen wäre sie eigentlich gern Opernsängerin geworden, eine Bewerbung an der Hochschule für Musik „Hans Eisler“ in Berlin war schon abgegeben. Ihr Vater war jedoch der Meinung, dass sie etwas Bodenständigeres lernen sollte und sie respektierte seinen Wunsch.
Leicht und geradlinig wurde dieser Berufsweg für Sigrid Karche-Ganzert dann aber auch nicht.
Weil sie Kinder sehr gern hat, wollte sie Hebamme werden. Dafür war aber zunächst ein Staatsexamen als Kinderschwester oder als Krankenschwester erforderlich. Für die Ausbildung zur Kinderschwester war kein Platz mehr frei, also machte sie eine Ausbildung in der großen Krankenpflege. Mit diesem Staatsexamensabschluss in der Tasche hätte sie nun auch die Möglichkeit zur Ausbildung als Fürsorgerin gehabt, eine Aufgabe, die sie inzwischen kennen und schätzen gelernt hatte. Aber es sollte noch einige Zeit dauern, bis es soweit war.
Sie heiratete, bekam 3 Kinder und die Möglichkeit einer Ausbildung zur Fürsorgerin hatte sich noch immer nicht eröffnet. Erst 1985 gelang es ihr, mit Hilfe des damaligen ärztlichen Direktors Dr. Hoffmann, einen Studienplatz zu bekommen. Vier Jahre Fernstudium von 1986-1990 schlossen sich an. Das Ziel schien mit dem Staatsexamen als Gesundheitsfürsorgerin erreicht zu sein, aber das Jahr 1990 änderte alles. Neue Bedingungen, neue Gesetze, neue Regelungen – eine Umschulung war notwendig. Heute ist Sigrid Karche-Ganzert Dipl. Sozialarbeiterin und das mit Herz und Seele.
In all diesen Jahren hatte sie keine Note mehr angeschaut und kein Instrument gespielt, obwohl sie sowohl Gitarre, als auch Klavier spielen gelernt hatte. Erst nach 2000 begann ihre zweite „Karriere“ im Sinfonischen Chor des Staatstheaters Cottbus. Eine Kollegin, die damals im Extrachor des Staatstheaters sang, hatte sie mitgenommen. „Carmina Burana“ und die Oper „Boris Godunow“ waren die ersten Werke, in denen Sigrid Karche-Ganzert mitwirkte. Auf der Bühne zu stehen, fasziniert sie bis heute und sie empfindet es als eine Ehre, dabei sein zu dürfen.
Pfingsten gab es wieder eine Aufführung von „Carmina Burana“ im Branitzer Park und im September steht das Oratorium „Liverpool“ von Paul McCartney auf dem Programm.
Proben und Auftritte finden immer abends statt, so lässt sich alles gut mit ihrer Arbeit vereinbaren. Denn auf ihre Tätigkeit als Sozialarbeiterin möchte sie nicht verzichten. Auch wenn sie eigentlich am 1.Juni dieses Jahres in den Ruhestand gegangen ist, arbeitet sie an zwei Tagen in der Woche in Vollzeit weiter. Die Betreuung ihrer Patienten liegt ihr am Herzen.
„Ich brauche mein Krankenhaus, die Freude, wenn man helfen kann. Patienten können sehr schnell verunsichert werden. Als Sozialarbeiterin kann man viel bewirken, um das Beste für den Patienten zu erreichen“, sagt Sigrid Karche-Ganzert.
Auch in Zukunft hat sie zweimal wöchentlich Sprechstunde im CTK, steht Schwerstkranken, meist Tumorpatienten zur Seite, informiert über mögliche Anschlussbehandlungen, hilft organisatorische und wenn nötig auch finanzielle Probleme zu lösen.
Mancher Patient fragt dann schon mal: „Kann es sein, dass ich Sie beim Konzert auf der Bühne gesehen habe?“ Und immer gibt es eine positive Reaktion, wenn sie bejaht. Es motiviert und vermittelt Lebensmut, so wie es für Sigrid Karche-Ganzert eine große Freude und Befriedigung ist, in ihrem Wunschberuf am CTK tätig zu sein und abends „auf den Brettern, die die Welt bedeuten“ zu stehen.
Quelle: Kleitz Wirth media GmbH







